29. Mai 2020

Knotenanekdoten – Wer andern einen Ratschlag gibt…

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro (und derzeit aus dem Homeoffice)

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Kennt ihr diese Menschen, die richtig gute Ratschläge geben? Die, die wir anrufen, wenn wir nicht mehr weiterwissen und die dann safe eine Lösung auf der Platte haben? Viele von uns kennen so jemanden. Das kann der beste Freund aus Schulzeiten sein, die Mutter, eine Mentorin, wer auch immer. Es hilft, wenn diese Person(en) die Welt und uns ein wenig kennen. Übrigens, liebe*r Leser*in, Du bist vermutlich genau diese Person. Für irgendjemanden. 

Jetzt wird ein nicht unbedeutender Anteil derer, die das lesen, stolz zustimmend und selbstironisch abwertend in sich hinein brummeln und nicken und denken, dass man den anderen gern die besten Ratschläge gibt und sie selbst dann nicht befolgt. Ja, so ist das auch oft. 

Wie kommt’s? Scheint so eine Art Naturgesetz zu sein. Wie alles, das einfach so gegeben scheint, lohnt sich auch hier der zweite Blick darauf. Denn eigentlich kennen wir als erwachsene Menschen auch die Welt und uns selbst ein wenig, ebenso wie die Personen, die uns sonst in wichtigen Fragen beraten. Beste Voraussetzungen also.

Warum wir die eigenen Tipps befolgen müssen

Hier helfen zwei Ansätze. Der erste ist bekannt aus dem Systemischen Coaching: Der Perspektivwechsel. Andere Menschen blicken aus einem anderen Blickwinkel auf uns und die Welt und nehmen deshalb auch andere Möglichkeiten wahr. Darüber sprechen wir oft und gerne, unter anderem auch in unserer Ausbildung zum Systemischen Agile Coach. Der Perspektivwechsel ist eine Kompetenz, die wir erlernen und trainieren können. In Bezug auf andere und auf uns selbst.

Der zweite wichtige Faktor hier ist die Zensur. Meistens greift die Selbstzensur wesentlich erbarmungsloser bei den eigenen Gedanken. Wir hören in einigen Fällen sehr viel bereitwilliger auf andere Menschen als auf uns selbst. Selbst wenn wir in bestimmten Bereichen sehr erfahren sind. Das hat weniger mit dem Inhalt des jeweiligen Wissens- oder Kompetenzbereichs zu tun, sondern viel mehr mit der Haltung. 

Gestern Abend haben wir wieder das remote Meetup How To Talk ausgerichet. Der Person, die das Konzept entwickelt und das Sprachtraining gehalten hat, fiel hinterher auf, dass sie im Vergleich zu sonst besonders ruhig und entspannt sprechen konnte. Und dass sie vorher brav genau die Ratschläge selbst befolgt hatte, die sie später den Teilnehmenden ans Herz legte. Heißt in diesem Fall: Atmung, Körperarbeit, sich in die eigene Stimme hineinzubrummen. (Eine Spezifizierung des Brummens gibt’s im nächsten Meetup.) Vielleicht ist euch bereits klar, dass es sich hierbei um den Menschen handelt, der auch diese Kolumne schreibt. 

Die Sache mit dem Ernstnehmen

Deshalb, first hand information: Hört. Auf. Eure. Eigenen. Ratschläge. Auch und gerade, wenn ihr Expert*innen in einem Bereich seid. Hört nicht auf zu lernen, nur weil ihr etwas schon könnt. Das ist eine Form von Respekt vor den anderen, vor den eigenen Inhalten und vor sich selbst. Wir können nicht erwarten, dass andere Menschen unsere Inhalte ernst nehmen, wenn wir es selbst nicht tun. Wir wissen das. Und vergessen es trotzdem so oft.

Vielleicht hilft ein schmerzhafter Vergleich aus dem Alltag: Egal, ob wir seit 15 Jahren joggen gehen oder seit gestern: Wir schaden uns, wenn wir uns nicht vernünftig aufwärmen. (Anm. des Knies der Verfasserin.)

22. Mai 2020

Knontenanekdoten – Bella Ciao! Warum tut Entscheiden weh?

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro. Heute: Warum wir oft zu schnell, zu einfach oder zu kompliziert entscheiden.

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15. Mai 2020

Knotenanekdoten – Wirklicher wird’s nicht

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

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24. April 2020

Knotenanekdoten – Ab auf die Couch

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro. Heute: Warum Schüchterne remote neue Möglichkeiten ausprobieren können.

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17. April 2020

Knotenanekdoten – Manchmal wird’s halt nix

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro. Heute: Was dabei rauskommt, wenn nix rauskommt.

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10. April 2020

Knotenanekdoten – Wie sich unser Sprechen während Corona verändert

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro. 

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Feiertage also. Solche, die jedes Jahr passieren. Oder diese Kolumne. Die passiert auch jede Woche. Oder unser Biweekly beim Netzwerkknoten, das seit den Ausgangsbeschränkungen und demzufolge einer verordneten Fernbeziehung zu den Kolleg*innen zum Weekly wurde.  

Wir brauchen Rituale in Organisationen, wir brauchen es, gemeinsam zu lachen, zu feiern und zu reflektieren. Und wir brauchen es, miteinander zu sprechen. Nicht nur in Teamchannels, wobei die GIF’s und Emojis zugegebenermaßen schon schön sind. Um uns sicher und gehört zu fühlen, brauchen wir, dass aktiv jemand zuhört. Sprechen ist mehr als ein körperliches Äquivalent zum Drücken des Senden-Buttons einer Mail.  

Damit Menschen miteinander sprechen können, sichere Umfelder und großartige Ideen schaffen können, sich verständigen, egal wie “begabt” sie im Sprechen sind, haben wir ein Training entworfen. Darin beschreiben wir Sprechen als ein interaktives Modell aus vier verschiedenen Ebenen: die körperliche, die nonverbale, die verbale, die interaktive und alle stehen in Bezug zueinander.  

Alle können sprechen, egal welcher Persönlichkeitstyp

Da das Modell den eigenen Körper als Werkzeug mit einbezieht und mit der Außenwelt in Beziehung setzt, beschreibt es den Sprechprozess als absolut individuell und persönlich. So können alle, die etwas zu sagen haben, ihre Message rüberbringen. Egal, ob sie von ihrer Persönlichkeit eher kontaktfreudig, schüchtern oder je nach Tagesform eins von beidem sind.  

Um den relevanten Inhalt vermitteln zu können ist es wichtig, Sprechen als so viel mehr anzuerkennen als die durchsichtige Verpackung dieses Inhalts. Mit Techniken und Impulsen aus dem Dolmetschen, der Moderation und Stimmbildung haben wir ein Meetup zusammengestellt, das einige Kernaspekte aus dem Training herausgreift. Wegen Corona natürlich remote

Gewiss, die Zeit in einer Pandemie ändert fast alles, auch das Miteinandersprechen, vor allem das Wie des Miteinandersprechens. Wir können unsere virtuellen Teamtage, Remotemeetings und das Video-Osterfrühstück mit den Eltern so verstehen wie die Ellbogen-Checks als Ersatz für Umarmungen. Ist nicht das gleiche und physische Präsenz ist nicht ersetzbar, weder im Sprechen noch im Anfassen.  

Gleichzeitig ist das gerade die beste Lösung, die es gibt und das mit Überzeugung sagen zu können, ist verdammt viel. Wir wünschen Ihnen angenehme Feiertage! 

3. April 2020

Knotenanekdoten – Kein normaler Wahnsinn

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

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27. März 2020

Knotenanekdoten – Reden ist Silber, Schweigen ist bold

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Corona, Remote, Remote, Corona. Ist jetzt tatsächlich alles schon gesagt, nur nicht von jedem oder wurde im Grunde noch gar nichts gesagt? 

Keine Ahnung. Schweigen ist selten die Lösung für irgendetwas, zumindest nicht, wenn Dinge sich positiv verändern sollen. Reden hilft leider, und wir als Coaches geben das ungern zu, auch nicht immer. 

Was also tun in Zeiten wie diesen, in einer Situation, die uns kollektiv unbekannt ist? In der wir niemanden fragen können? Außer ein paar Schildkröten gibt es wahrscheinlich kaum atmende Wesen, die bei der letzten großen Pandemie auch schon am Start waren. Nun sind Schildkröten kein Referenzpunkt, da sie generell recht schweigsame Zeitgenossen sind, mit Pandemie oder ohne. 

Jokes beiseite, wie lässt sich mit der Situation umgehen, die gerade erst begonnen hat, ohne Distanzierungsmechanismen wie eben Humor oder wenig hilfreiche Strategien wie Verzweiflung oder die guten alten Apokalypse-Fantasien? 

Wieder: Keine Ahnung. Wird sich zeigen. Zu behaupten, Katastrophen passierten, damit wir alle mal was dazu lernen, relativiert das Leid, das sie für viele Menschen bedeuten. Gleichzeitig bleibt uns nichts anderes übrig, als irgendetwas daraus zu lernen. Vielleicht ist es gerade zu früh, um zu wissen, was. Dass remote technisch funktioniert wussten wir vorher übrigens auch. 

Also probieren wir, in dieser Zeit mehr als ohnehin schon, darauf zu achten, Beobachtung und Interpretation zu trennen. Mit dem Wissen, dass jede Interpretation immer – immer – von Vorerfahrung geprägt ist. Und wir haben wenig Erfahrung mit dieser Situation. Das zuzugeben fällt grundsätzlich schwer. 

Zuzugeben, dass eine Situation überfordernd ist, dass man gerade nicht wie sonst weiß, was zu tun ist, ist eine zeitlose Königsdisziplin der transparenten und effektiven Kommunikation. Etwas, das wir viel zu selten tun. Und jetzt haben wir Zeit zum Üben.

Viel mehr gibt es nicht zu sagen außer: Bleibt gesund.

20. März 2020

Knotenanekdoten – Atmen nicht vergessen

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben - und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Was für eine Woche. Quasi über Nacht hat sich so viel Fundamentales in unserer Arbeit, unserem Alltag geändert. Selbst die von uns, die schon länger bestimmte Ideen oder Prognosen parat hatten, konnten nicht wissen, wie es sich anfühlen wird. Eine Woche liegt hinter uns, in der wir teilweise mehr über uns gelernt haben, als wir verarbeiten können.

Unsere Organisation arbeitet mit Systemischem Agile Coaching. Da war uns vorher auch schon klar, jetzt haben wir dann am eigenen Körper gemerkt, was das für unser Sein und Handeln bedeutet. Unser vom Agilen Denken geprägtes Mindset hat sofort angefangen, individuell und situativ bedingte Lösungen und die Wege dahin zusammenzutragen. Wie auch sonst in unserem Joballtag haben wir ein Problem festgestellt und unsere Erfahrungen und Vorstellungskraft nach möglichen Strategien abgesucht.
Gleichzeitig sind wir genauso Systemische Coaches und Fans der systemischen Zurückhaltung. Also beobachten wir viel, hinterfragen die Zielzustände und ihre Bedingungen und brauchen dafür die Kompetenz, die schwer fällt in Zeiten von Krisen: Geduld. Und Mut. Denn gerade in unsicheren Situationen fühlt sich ein Perspektivwechsel, der ja immer ein Blick ins Unbekannte bedeutet, zunächst immer an wie ein Sprung vom Zehnmeterbrett.

In der gemeinsamen Wertearbeit und unseren Reflektionen zur gemeinsamen Entscheidungsfindung haben wir festgestellt, dass wir als selbstorganisiertes Team lieber beherzte Entscheidungen treffen und diese hinterher reflektieren als zu lange nicht zu handeln.

Jetzt, mit COVID-19, der Isolation und Ungewissheit, spüren wir deutlicher denn je die verschiedenen Herzen in unserer Brust. Wir sind geübt darin, schnell zu handeln und doch auf sorgfältige Beobachtung und besonnenes Hinterfragen bedacht. Das kann manchmal ganz schön unruhig machen.
Sonst, wenn’s mal ungemütlich wird, sagen wir ja auch immer, dass man arbeiten muss mit dem, was da ist. Und dass das oft schon eine ganze Menge ist. Also versuchen wir derzeit, wie gewohnt ressourcenorientiert vorzugehen und die Organisationen, die wir begleiten bei ebendem zu unterstützen. Auch wenn die Situation neu ist, die Haltung bleibt die gleiche: Wir glauben an transparente Kommunikation, weitestgehend persönlichen Austausch, realistische Liefereinschätzungen, ein händelbares Backlog, Selbstverantwortung, Verbindlichkeit und vor allem Sinnhaftigkeit. Weil wir glauben, dass es einen Sinn hat. Vielleicht nicht unbedingt in dem Sinne, dass jeder Katastrophe einen positiven Zweck haben muss, aber dennoch darin, dass es hilfreiche und auch lehrreiche Handlungen in jeder Situation geben kann. Und wir wollen uns vor allem auch alle gegenseitig unterstützen, beim Einkaufen und beim Arbeiten, damit wir uns darauf freuen können, bald wieder im Büro Meetings halten so können, miteinander lachen, feiern, streiten und uns umarmen zu dürfen. Und bis dahin: Hände waschen, Skypen, Atmen nicht vergessen.

13. März 2020

Knotenanekdoten – Wie agile Teams auch im Homeoffice funktionieren

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben - und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Die aktuellen Entwicklungen von COVID-19 bewegen immer mehr Organisationen dazu, ihre Mitarbeiter*innen ins Homeoffice zu schicken. Letzte Woche haben wir dazu geschrieben, dass nach teils jahrelangen Diskussionen quasi über Nacht technische Lizenzen eingerichtet wurden und über die potenziellen Konsequenzen für die Arbeitswelt.

Heute widmen wir uns der Frage: Wie geht das eigentlich? Wie können gerade agile Teams, deren Arbeit sich stark auf persönlichen Austausch stützt, auf einmal per Videokonferenz zufriedenstellend und zielorientiert zusammenarbeiten? Unsere Kollegin schlägt vor: "Keep the interpersonal Austausch alive". Aus unserer aktuellen Arbeit mit verschiedenen Organisationen sind wir mit der Thematik bereits bestens vertraut. Konkret bedeutet das, wir arbeiten bereits remote mit unseren Teams an Dailys, Retros und Reviews.

Also haben wir uns entschieden, unsere Beobachtungen und Learnings, wie agile Strukturen und Sprintstrukturen aufrechterhalten werden können, zusammenzutragen. Kontaktieren Sie uns gerne, wenn Sie Unterstützung brauchen, sei es in Form eines Workshops oder direkter Moderation bei den Meetings.

Wir wissen, dass die schnelle Umstellung zunächst etwas überfordernd wirken kann. Gleichzeitig zeigt unsere Erfahrung, dass ein paar kleine Know-hows schon enorm weiterhelfen können. Zum Beispiel ändert sich das Ergebnis unmittelbar, wenn auf kleine Dinge Aufmerksamkeit gelegt wird. So hilft es etwa ganz banal, die Kamera einzuschalten, statt nur über Telefon miteinander zu sprechen. Die Gesichter der Kolleg*innen zu sehen schafft gerade in unvorhergesehenen und demzufolge bedrohlich wirkenden Zeiten Sicherheit – Stichwort Psychological Safety.

Wir freuen uns von Ihnen zu hören und stellen hier auf unserem Blog in den nächsten Wochen unsere Methoden und Hilfestellungen zur Verfügung. Ganz ohne Händeschütteln.

6. März 2020

Knotenanekdoten – Corona remote

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben - und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Ja, wirklich. Ein Corona-inspirierter Artikel. Wir vom Netzwerkknoten wollen uns nicht in die Riege zahlloser Expert*innen einreihen, sondern unsere Beobachtungen teilen, wie Unternehmen mit möglichen Krisensituationen umgehen.

Wir wissen von Organisationen, die über Nacht Homeoffice für ihre Mitarbeitenden eingerichtet haben, für den Fall, dass es nötig ist. Auch zu Zeiten von New Work ist remote Arbeiten immer noch ein viel diskutierter Bereich. Die Frage, ob auf den Wunsch vieler Arbeitnehmer*innen nach mehr Flexibilität eingegangen wird oder nicht. Wie die nun mit der plötzlichen technischen Möglichkeit und der damit einhergehenden, genauso plötzlichen Freiheit umgehen, wird eine interessante Beobachtung sein.

Die Situation eröffnet auch die Frage, wie Firmen dann hinterher damit umgehen – werden im Nachhinein Lizenzen dann wieder entzogen oder folgt ein Umstrukturieren der Prozesse? Generell lohnt es sich, Organisationen im Krisenmanagement zu beobachten. Das gibt Aufschluss über die Möglichkeiten, Prioritäten und logistischen Wege.
Vor allem zeigt sich in Krisensituationen, in denen unter Druck entschieden werden muss, welche Maßnahmen durch Dringlichkeit erreicht werden können und welche schlicht nicht möglich sind. Eine unserer Kolleginnen konnte zum Beispiel etwas beobachten, was sie den "ABBA-Effekt" nennt. Der Begriff geht auf die Tatsache zurück, dass die beiden verheirateten Paare innerhalb der Band stets geschlechtergetrennt durch die Welt flogen. Der Hintergedanke war, dass im Falle eines Flugzeugabsturzes die Kinder noch ein Elternteil behalten.

Die konkrete Situation aus dem Arbeitsalltag war nun eine Organisation, die sich im Zuge des Krisenmanagements dazu entschied, die verschiedenen Abteilungen räumlich zu mischen. Heißt: Während vorher gesamte Abteilungen in einem Gebäude arbeiteten und andere in einem zweiten, werden die Teams nun durchmischt. Sollte ein Gebäude nun betroffen sein, können die Arbeitsabläufe dennoch von den Teammitgliedern im anderen Gebäude weitergetragen werden. Quasi über Nacht entstanden so etwas wie crossfunktionale Gebäude, wenn auch natürlich keine crossfunktionalen Teams.

Räumliche Flexibilität und auch das Arbeiten in teilautonomen Einheiten sind alles Thematiken, die in der Debatte um New Work eine Rolle spielen. Wir vom Netzwerkknoten wollen gar keine Prognosen anstellen, sondern dazu einladen, die Entwicklungen in Organisationen gerade in Krisensituationen zu beobachten. Denn sie können aufschlussreiche Lösungsoptionen aufzeigen, die auch in Situationen greifen, die zunächst weniger dramatisch scheinen und deren Dringlichkeit sich nicht aus einer physischen Bedrohlichkeit generiert. Das gilt selbstverständlich für jegliche Situationen, die außerhalb von SARS-CoV-2 unter den Begriff Krisenmanagement fallen, da jede Krise ein schwereres Problem darstellt, dessen Lösung einen Perspektivwechsel erfordert.

28. Februar 2020

Knotenanekdoten – Wenn Werte weh tun

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Seit einigen Wochen beschäftigen wir uns beim Netzwerkknoten intensiv mit dem Thema Werte. Wir glauben, dass die eigenen Werte und die der anderen zu kennen, ein wichtiger Grundstein für wertschätzende Kommunikation und Perspektivwechsel sind. Heißt, sie sind elementar für das Selbst- und das gegenseitige Verständnis in der Organisation. In der gemeinsamen Wertearbeit haben wir herausgefunden, dass unserem Team einige Werte ganz besonders wichtig sind.

Sinnhaftigkeit, Vertrauen, Aufrichtigkeit und Aufgeschlossenheit. Das sind jetzt zunächst einfach Wörter. Buchstabenkombinationen, die wir in Klänge und Vorstellungen übersetzen können. Die wir verstehen, weil wir die jeweilige Sprache beherrschen, über kognitive Repräsentationen und einen geteilten Bedeutungskontext verfügen. Mit dem Sprechen über Werte (oder jegliche andere zunächst nicht fassbaren Konzepte) manifestieren diese sich erst in der Realität.

Gleichzeitig bleibt hier das Problem, dass Worte keine Taten sind, sondern sie maximal zu Taten werden können. Diese Schwelle vom Wort zur Tat ist gerade in der Wertearbeit oft herausfordernd. Anstrengend. Unkomfortabel. Gleichzeitig befreiend und wahnsinnig sinnstiftend. Und niemals ohne Konsequenzen. Über unsere Sprache unterteilen wir die Werte in einzelne, abgrenzbare Begriffe. In der Realität sind sie alle miteinander verhakt, bedingen sich und bringen sich gegenseitig hervor – und manchmal stehen sie auch im Konflikt zueinander.

Wir brauchen Mut, um etwas zu verändern

Bleiben wir bei unserer Aufzählung von Sinnhaftigkeit, Vertrauen, Aufrichtigkeit und Aufgeschlossenheit. Vertrauen basiert auf Aufrichtigkeit, gleichzeitig kann sich Aufrichtigkeit unkomfortabel anfühlen. Um Sinnhaftigkeit in der Zusammenarbeit beizubehalten, ist es manchmal nötig, sich in die Augen zu schauen und zu sagen, was gerade einfach nicht läuft. Keine so angehnehme Aufgabe. In diesem Zwischenraum, dem Konflikt zwischen mehreren Werten, wächst ein neuer: Der Scrum Wert Mut.

Wir brauchen Mut, um unsere Ansichten zu teilen. Genauso brauchen wir Mut (und Aufgeschlossenheit), sie zu hören. Wir brauchen Mut (und Vertrauen), um uns auf eine gemeinsame Basis zu verlassen, auch wenn’s gerade so richtig wackelt. Ein Kollege etwa, der offen einen Konflikt im Kundensystem anspricht, der sehr unangenehm ist und gegebenenfalls zur Eskalation führen kann. Oder auch der Mut, den Status Quo zu hinterfragen, auch wenn es unangenehm ist als Agile Coach und für das System.

An dem Beispiel wird deutlich, dass Wertearbeit kein emotionales Scrabble ist, wo einfach irgendwelche passenden Worte aneinandergelegt werden, sondern eine ständige Entwicklung, die physisch und zwischenmenschlich erlebbar wird. Ohne beobachtbare, hörbare, erfahrbare Umsetzung hat sie keinen Sinn.Die Arbeit lohnt sich unserer Erfahrung nach. Ob für die Arbeit als Coaches, im Team, als Trainer*innen oder einfach so im Leben: Für ressourcenorientiertes Arbeiten und Perspektivenwechsel ist das Kennen der Werte so wichtig, weil schon die Reflexion zu ihnen eine Haltung formt. Und die Haltung bedingt die Perspektive auf die Welt.

Wir können also versprechen, dass Wertearbeit etwas verändert. Immer. Veränderungen machen manchmal Angst und deshalb brauchen wir auch hier wieder unseren Wert der Woche: Mut. Und wissen Sie was? Es lohnt sich.

Wenn Sie Interesse daran haben zu erfahren, wie sich das hier Beschriebene in der Praxis gestaltet und umsetzen lässt, laden wir sie herzlich zu unserem Meetup "Werte-Workshop" am 26. März 2020 in unseren Büroräumen im Prenzlauer Berg ein.

21. Februar 2020

Knotenanekdoten – Einfach mehr denken

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

„Was wir so nicht nochmal machen würden“ ist ein Teil unserer Knotenanekdoten. Was uns vor Kurzem unterkam: Die gute alte Idee, viele von uns könnten unter Deadline-Druck gut arbeiten. (Das ist übrigens eine der Ideen mit Haltbarkeitsdatum – ab dem 25. Lebensjahr absolut ungenießbar.)

Viele Menschen sind durch die verschiedenen Stationen des Lernens – also Schule, Ausbildung oder Studium und Projektarbeit – an einen bestimmten Ablauf gewohnt. Grob skizziert sieht der so aus: Große (Be-)Denkzeit, langes Schweigen, ran an die Arbeit, Feedback, Nicken, fertig. Nächstes Projekt.

Wir wurden vor Kurzem daran erinnert, dass das nicht unbedingt der optimale Weg ist. Ein Blogartikel war geschrieben, bebildert, bereit für die Feedbackschlaufe. Zeit gab’s nicht so richtig. Dafür Impulse, die das Thema vertieft haben und zu einer Umstrukturierung einluden. Und da war sie schon, die Deadline. War stressig und nicht optimal und erfüllte doch die Kriterien eines weiteren Bestandteils dieser Kolumne:

„Was wir gelernt haben“

  • Feedback ist kein Haken, den wir artig am Ende einer Aufgabe abfeiern. Stattdessen verflüssigt Feedback potenziell immer Prozesse. Heißt:
  • Zeit zum Denken sollten wir uns nicht nur in der Brainstorming-Phase gönnen. Sondern als festen Bestandteil im gesamten Verlauf eines Prozesses mit einplanen.
  • Feedback ist ergebnisoffen.Manchmal erhält es den Status Quo und manchmal rüttelt es alles um. Eine mögliche Repriorisierung kann immer stattfinden.

Im agilen Arbeitskontext kann das heißen, dass nach dem Review sich für den kommenden Sprint sich tatsächlich etwas ändert. Mal eine Story, mal "der ganze Plan". Und so haben wir an der Erfahrung wieder aufs Neue verstanden, dass inkrementelles Arbeiten bedeutet, dass Ideen immer wieder verfeinert und angereichert werden, mehrere Blicke und Perspektiven sie bereichern und dass die verschiedenen Schlaufen von Zeit leben. Und zwar sowohl bei sichtbaren Tätigkeiten aka jemand sitzt am Laptop und tippt oder am Tablet und visualisiert. Und eben auch die Zeit, in der ein Gegenüber nichts passieren sieht außer vielleicht in den Augen. Die Momente also, in dem das Feedback nachwirkt, unbewusst oder bewusst verarbeitet und eingeordnet wird.

Für viele von uns fühlt sich dieses augenscheinliche Nichtstun oft konterintuitiv an. Und das alleine ist schon ein Grund, es mal auszuprobieren. Komfortzone, Perspektivwechsel und so.

14. Februar 2020

Knotenanekdoten – Warum Emotionale Intelligenz alleine nicht reicht

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Wir arbeiten die ganze Zeit mit Menschen, unser Lieblingskompliment (hint!) ist: „Ihr seid als Menschen zu uns gekommen, nicht als Berater*innen.“ Menschlichkeit ist unser Wunsch, Ziel und Anspruch. Und einfach unser Arbeitsinhalt. Wir arbeiten mit Menschen, den ganzen Tag, jeden Tag, immer.

Dabei passiert es, dass man Menschen kennenlernt. Einige davon. Vielleicht haben wir oder ihr schon mal den Satz gehört oder benutzt, jemand habe „richtig Menschenkenntnis“. Seit einiger Zeit ist es (zum Glück) angesagt, Emotionen nicht als lästiges Nebenprodukt der eigentlichen Tätigkeit zu sehen, sondern als Teil und Wegweiser menschlichen Seins und Handelns. Emotionale Intelligenz wurde wichtig. Gerade Menschen, die mit Menschen arbeiten, verweisen gerne auf ihre Emotionale Intelligenz als Skill. Die Stimmung im Raum spüren, nonverbale Signale einordnen, wissen, wie andere sich fühlen, gerne geclustert unter dem Begriff „Empathie.“

Klar, Emotionale Intelligenz ist ein wichtiger Skill. Gleichzeitig bleibt wichtig, sich nicht auf der eigenen Wahrnehmung auszuruhen. Personen mit feinen Antennen haben nicht automatisch Fähigkeit, Wahrnehmung, Beobachtung und Interpretation auseinanderzuhalten. Emotionale Intelligenz alleine ist keine Kompetenz, die für sich alleine ausreicht. Eher ist sie eine Unterstützung, um Kommunikation auf einer anderen Ebene herzustellen. Das ist oft ungemütlich, braucht Mut und Proaktivität. Dann kann die sogenannte „Menschenkenntnis“ wirklich als Ressource genutzt werden.

Menschen und Situationen sind komplex, all unsere Interpretationen und Einschätzungen zu ihnen sind immer subjektiv geprägte Hypothesen, die es zu überprüfen gilt. Beispielsweise kann das Bauchgefühl, jemand wolle nicht mit einem reden ja korrekt sein, die Interpretation „Weil sie mich nicht leiden kann“ aber absolut falsch.

Also völlig unabhängig davon, ob wir uns als besonders empathisch und menschenerfahren einschätzen, wir alle müssen immer kurz aus der Komfortzone raus, das Gespräch suchen, unsere Beobachtungen teilen, unseren Standpunkt erklären und uns damit immer ein bisschen sichtbar, verwundbar machen. Nur über den Dialog schafft Emotionale Intelligenz einen Mehrwert und verharrt nicht in der Passivität.

Heute im Meeting haben wir über unsere Berufswünsche als Kinder gesprochen. Mehrere von uns hatten Entdecker*in oder Archäolog*in genannt. Und so wie wir uns als Kinder vorgestellt haben, wir würden jeden Stein umdrehen und hinter jede Mauer schauen, um zu sehen, was dahinter liegt, so versuchen wir heute als Coaches, immer wieder in unsere eigenen Selbstverständlichkeiten zu pieken. Zu schauen, was hinter vermeintlichen Wahrheiten liegt, was wir eigentlich meinen mit unseren Begriffen. Und Werten.

Wenn Sie mit uns über die Bedeutung beispielsweise von Werten sprechen wollen – am 26.3. sprechen wir im Rahmen eines Meetups darüber, bei uns im Büro. (Anmeldung)

7. Februar 2020

Knotenanekdoten – Generation Why Not: Wofür machen wir das überhaupt?

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Das wird kein New Work Post über die nicht mehr so neue Generation Y, die, je nach Verfasser*in besonders anspruchsvoll, besonders intelligent, besonders anstrengend sei. Auch wenn wir fast alle genau dieser Generation der ab 1980 bis in die Mitte der Neunziger Geborenen angehören. Wir glauben nicht an absolute Wahrheiten. Wir lieben Hinterfragen. Wir lieben den Simon Sineks Titel „Start With Why.“ Und, ach was, wir lieben agiles Arbeiten, sinnvolle Prozesse und bewusste Entscheidungen. Einer unserer Lieblingswerte im Unternehmen ist Sinnhaftigkeit. Da liegt nahe, dass wir gerne mal fragen „Warum?“.

Stimmt nicht ganz. Viel lieber als „warum?“ fragen wir „wofür?“. Vielleicht haben es schon die einen oder anderen bemerkt: Wir denken gerne über Sprache nach, schließlich ist sie eines der wichtigsten Werkzeuge in unserer täglichen Arbeit miteinander und mit den Kund*innen. Sie bedingt unsere Haltung. „Wofür“ orientiert sich am Zielzustand, behält das gewünschte Ergebnis im Blick und beinhaltet außerdem die schönste Präposition der Sinnhaftigkeit, nämlich „für“. Linguistisch betrachtet beschreibt „für“ das Förderliche einer Sache („Ich mache es für meine Familie“), bezeichnet ein Ziel („Ich spare für die nächste Reise“) und auch Zugehörigkeit („Ein Job für alle, die Kreativität leben wollen“).

Toll. Nicht nur für die Grammatik-Nerds unter uns ist die Frage nach dem Wofür bereichernd. Sie ist wichtig in der Kommunikation mit und über die Mitarbeiter*innen und Arbeitsabläufe und macht Prozesse erklärbar, da sie weniger anfällig ist für Rechtfertigungsschlaufen. Beispiel: Auf die Frage, warum ein bestimmtes Training sinnvoll ist, ist die Antwort „Weil es vorher überhaupt nicht lief“ möglich.  Ein Umändern des Warums in ein Wofür hebelt eine solche, wenig motivierende Erklärung aus und schafft Raum für Reflexion und Zielorientierung. Also zum Beispiel „Weil wir uns wünschen, mit Hilfe von Retros einen besseren Überblick über das Erreichte zu bekommen und so unser weiteres Vorgehen sinnvoller gestalten wollen.“

Im Übrigen ist auch der negativierte Effekt von Warum und Wofür sehr interessant. „Warum nicht?“ kann einerseits einen gekränkten Beigeschmack tragen, vergleichbar mit Kindern, die keine weitere Folge irgendeiner Serie, die Kinder heutzutage gucken, anschalten dürfen. Oder den eines resignierten Schulterzuckens à la „Warum nicht, geh‘ ich halt zu dem langweiligen Workshop, schaden kann’s ja nicht.“

„Wofür nicht“ ändert dagegen die komplette Haltung. Um sinnhaft, intentional, motiviert und vorausschauend zu entscheiden, ist die Frage nach dem Wofür genauso relevant wie die nach dem Wofür nicht. Und sie ist ein notwendiger Realitätscheck, welche Zielzustände mit einer Methode erreicht werden können und welche eben nicht.

Diese Kolumne verabschiedet sich hiermit bis zur nächsten Woche und denkt intensiv darüber nach, wofür wir brennen. Und ist erleichtert, nicht darüber nachdenken zu müssen, warum wir brennen, denn das klingt irgendwie lebensbedrohlich. Also ciao, bis nächsten Freitag.

24. Januar 2020

Knotenanekdoten – Agile ist kein Substantiv

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Agile. Tolles Wort. Wer es oft genug benutzt, weiß, welche Wirkung es auf Augen hat: Von erleichtertem Aufblitzen über Rollen hin zu sich zu Fragezeichen krümmenden Pupillen, agile liefert alles. Wir benutzen das Wort oft genug. Agile ist kein Ponyhof, kein bunter Blätterwald, kein Pflichtprogramm, alles schon besprochen.

Was ist es denn dann? In der vergangenen Woche haben wir uns viel damit beschäftigt, inwieweit Sprache Realität schafft. Dabei geht es nicht um einzelne Wörter, die wir weglassen und ihre vorgeformten Lücken mit neuen füllen. Es geht darum, neu sprechen zu lernen, neu denken zu lernen. Dafür hilft Grammatik, da sie das Gerüst bildet, die Muster und Regeln und Formen, innerhalb derer wir Beobachtungen strukturieren und weitervermitteln können. Dabei dürfen einzelne Wörter manchmal auch gerne dieselben bleiben. (Wer jetzt nach der vorherigen Kolumne auf Erlösung hofft: Im Falle von „Aber“ gilt das nicht!)

„Du bist jetzt agile“, hat unser Kollege vor Kurzem überhört. Kennen Sie jemanden, der oder die agile ist? Was soll das bedeuten, haben wir uns gefragt. Mit der Brille der realitätsschaffenden Sprache und der agilen Annahmen betrachtet würde das heißen, dass „agile“ ein Adjektiv oder Substantiv und somit ein feststehender Zustand ist. Das Grundprinzip der Materie: Wasser ist Wasser, weil es eben nichts anderes ist. Wenn ich A bin, kann ich nicht gleichzeitig nicht A sein. Ein Hund kann nicht gleichzeitig eine Katze sein, ein Kind kein Erwachsener. Soweit sehr logisch. Demzufolge kann agile schon mal kein Substantiv sein, weil wir immer viel mehr sind als das und agile weder als Persönlichkeitseigenschaft noch als Identität noch als Zuschreibung wirken kann.

Interessanter wird es bei der Frage nach Adjektiven: Eine Erwachsene kann nämlich sehr wohl kindisch sein, ein Kind sehr erwachsen. Man kann tatsächlich zugleich klug und albern sein, nicht aber klug und nicht klug.

Nun beschreibt Agilität eine Form der Arbeitsorganisation, deren Zielzustand unter anderem Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und schnelle Umsetzung in kurzen iterativen Zyklen ist. Ein Verständnis von agile als Substantiv kann schnell dazu führen, dass die Menschen, die – häufig von außen – dazu ermutigt werden, das Wort dann als einen Anzug empfinden, der über sie drüber gegossen wird, á la: „Alles, was Du vorher gemacht hast, war Müll. Jetzt bist Du agile.“ Adjektive wiederum sind in der Regel steigerbar. Ebenfalls ein sehr ungünstiges Mindset für erfolgreiches und sinnvolles agiles Arbeiten: „Du bist agiler als Steffi, aber am alleragilsten sind natürlich wir.“ Nee, wirklich nicht.

Worauf wir hinauswollen? Nun, wir möchten ein Verständnis von Agilität als eine Form von Haltung und somit Verhalten promoten. Um bei den grammatikalischen Analogien zu bleiben: Begreifen wir agile doch als Verb. (Von verkrampften Neologismen wie „agilieren“ sehen wir beflissentlich ab.) Agile ist also eine Art des Handelns, des Denkens, Sprechens, Begreifens, die aber auch Raum lässt für Mehrdeutigkeit, Pluralismus und Herangehensweisen. Sollte zumindest.


Mit der Annahme, dass Sprache Realität schafft, hilft uns das Verständnis von agile als Verb oder ganz grundschulmäßig „Tun-Wort“, eine Haltung aktiv vorzuleben und zu vermeiden, dass Menschen sich ohne Rücksicht auf individuelle Passung in eine methodische Schablone gepresst fühlen. Außerdem ist es sogar dringend nötig, um Personen, die bisher nicht agil gearbeitet haben, auf Augenhöhe zu begegnen. Und, um Widersprüchlichkeiten anerkennen, aushalten und gegebenenfalls lösen zu können. Ein Beispiel: Wenn eine Person gleichzeitig konträre Adjektive verkörpert, zum Beispiel liebevoll und aggressiv, ist das mental kaum integrierbar. Wenn sie hingegen gleichzeitig am Steuer sitzt und bei 120 Stundenkilometern durch Instagram scrollt, ist das zumindest kognitiv erfassbar, sprich: Es lassen sich für konträres Verhalten Lösungen finden. Das Gleiche gilt auch für sämtliche Verhaltensweisen in einer Organisation.

Und, das allerwichtigste: Tun, also Verhalten ist erlernbar, veränderbar, endlich, erträgt Pausen, Neuversuche und beeinflusst, aber bestimmt nicht die eigene Identität. Und mit diesem Ansatz, so versprechen wir uns, erfüllt agile und konkret unsere Arbeit, ihren Zweck: Teams dabei zu unterstützen, sinnvoll, sinnhaft und freudvoll miteinander zu arbeiten.

17. Januar 2020

Knotenanekdoten – Schluss mit dem Ge-Aber

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer


Kennen Sie folgende Situation: Ihr Gegenüber sagt etwas. Irgendetwas. Sie halten das Gesagte für absoluten Blödsinn. (Kennen Sie sicher!) Sie schnappen nach Luft, hören die eigene Stimme „Aber, aber ...“ sagen und wissen gar nicht, was nach dem „aber“ kommen soll? Ja, haben die meisten von uns schon erlebt. Ist nicht schlimm. Bringt halt nicht viel.


Karl Bredemeyer hat diese Woche einen Artikel auf unserem Blog publiziert, der sich gegen die Verwendung von „Abers“ ausspricht. Wie er darauf kommt? Klassische Beispiele sind Ansagen wie „Ich finde deine Idee gut, aber…“ oder „Ich will mich ja nicht einmischen, aber…“. Nach den Regeln der reinen Logik lösen sich die Satzteile vor und nach dem Komma im Grunde selbst auf. Entweder man will sich nicht einmischen und schweigt. Oder man will sich einmischen und spricht. Simpel. Und wenn die Idee gut ist, ist sie gut und muss nicht relativiert werden. „Find ich toll, aber…“ als Einleitung einer Kritik ist lediglich eine Floskel oder ein sehr falsch verstandener Ansatz gewaltfreier Kommunikation.


Karl schlägt stattdessen die Verwendung von gleichzeitig und und vor. „Es ermöglicht die friedliche Koexistenz mehrerer Ideen, ohne einem die Möglichkeit zu nehmen, die eigene Meinung deutlich zu machen“, sagt er. Friedliche Koexistenz, das klingt zunächst ganz flauschig. Wenn Sie versuchen, mal einen Text ohne „aber“ zu schreiben oder sich den Wecker für eine „aberfreie“ Stunde stellen, werden Sie feststellen, dass es teilweise fast körperlich unangenehm werden kann. Das mag daran liegen, dass sich mit dem ständigen Gebrauch von „aber“ ein dichotomes Weltbild in unserer Sprachpraxis äußert. Entweder jemand ist gut oder schlecht. Wenn kluge Menschen etwas Dummes tun, hören sie: „Hä, aber du bist doch so schlau.“ Wie oft sagen Nachbar*innen in Interviews über soeben identifizierte Gewalttäter*innen, der Mensch sei doch „aber immer so freundlich gewesen.“

Wertschätzung verträgt kein "Aber"

Das Weglassen von „aber“ und die Verwendung von „und“ ist zunächst so unangenehm, weil wir grammatikalisch und somit auch physisch aushalten müssen, dass jemand eben immer freundlich Guten Tag sagen und gewalttätig sein kann. Dass ein Projekt bereichernd und kräftezehrend sein kann. Dass Sonnenschein im Januar die Laune hebt und die Klimakrise genau das Gegenteil dessen tut.


In der Psychologie gibt es das schöne Wort „Ambiguitätstoleranz“. Es bezeichnet die Fähigkeit, Vieldeutigkeit und Unsicherheit zur Kenntnis zu nehmen und ertragen zu können. Soziologisch gilt die Ambiguitätstoleranz als ein Sozialisierungsergebnis, das in einer Gesellschaft mit unterschiedlichen Bedürfnissen notwendig ist. Für unseren Kontext als Agile Coaches in der Organisationsentwicklung bedeutet das: Das Weglassen von „Aber“ ist keine rhetorische Kür, sondern essenziell für unsere Werte bei der Arbeit mit unseren Kund*innen und in unserem Team. Wir haben mehrmals herausgearbeitet, dass wir Wertschätzung als Grundlage für gelingende Arbeit brauchen und wollen. Dafür benötigen wir psychologische Sicherheit für alle Beteiligten und eben die von Karl beschriebene „friedliche Koexistenz mehrerer Ideen“ und gleichzeitig die Garantie, mit der eigenen Position gesehen zu werden. Wir begreifen die Welt und ihre Wertigkeit in Sprache. Zeigt sich daran, wenn wir aufhören, bestimmte Bezeichnungen als Schimpfworte zu benutzen. Oder eben, wenn wir aufs „Aber“ verzichten und der Winkel auf einmal wesentlich größer wird.


Als letztes Beispiel muss hier das tausendfach zitierte Berlin sei "arm, aber sexy" herhalten. Was soll das eigentlich heißen? Dass Sexiness Armut kompensiert? Oder finden wir da die Grundannahme, wer arm ist, könne eigentlich nicht sexy sein? Wir schlagen vor: "Arm und sexy." Hier sehen wir gleichzeitig die Ressourcen, das Potenzial und die Engpässe. Tauschen Sie die Wörter gegen Zuschreibungen aus dem eigenen Kontext und Sie werden sehen: Aberfreiheit macht die Welt ein wenig komplexer und (nicht aber!) vervielfacht den Raum der möglichen Lösungen von Problemen. Probieren Sie’s doch mal aus.


P.S. Die Person hinter dieser Kolumne ist sehr aberistisch veranlagt und hat eigens hierfür auch dieses Wort erfunden. Und den perfekten Aber-Hack von ihrer Urgroßmutter übernommen: Wenn die gefragt wurde, ob sie noch etwas Zucker in ihren pappsüßen Kaffee wollte, strahlte sie übers ganze Gesicht und rief: „Aber ja!“

10. Januar 2020

Knotenanekdoten – Warum wir 2020 mit Meetups beginnen

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben - und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Die Anfänge eines neuen Jahrzehnts sind immer am anstrengendsten. Nicht, weil es wegen einer neuen Zahl hinter der 20 plötzlich viel mehr zu tun gäbe. Aber überall – ü-ber-all – hagelt es Ratschläge, wie die nächsten zehn Jahre richtig zu beginnen sind, was zu vermeiden und was zu beachten ist. Wir halten es da gerne ein bisschen realistischer und dennoch für eine ausgezeichnete Idee, das Jahr mit etwas zu beginnen, das Spaß und Energie bringt. Und zwar für uns und andere. Also haben wir gestern zu uns ins Büro eingeladen für das Meetup Muster in Organisationen erkennen, unterbrechen und neu etablieren.

Spaß und Energie sind nicht die einzigen Gründe dafür. Tatsächlich lieben wir Gäste in unserem Büro, mit denen wir unser Essen, unsere Getränke und unsere Gedanken teilen können. Im vergangenen Jahr wurden wir immer wieder gefragt, ob wir auch Netzwerkevents machen. Und dachten uns: Wer schon so fragt, kriegt auch Netzwerkevents. Außerdem mögen wir Projekte bei uns zu Hause, also in Berlin und haben Lust darauf, die Menschen kennenzulernen, die sich mit den gleichen Themen beschäftigen wie wir.

Weil wir im Dezember in unserer gemeinsamen Wertearbeit herausgefunden haben, dass Verbindlichkeit dabei für uns eine übergreifende Rolle spielt, haben wir uns dazu entschieden, die Meetups nicht kostenlos auszurichten. Mit dem Betrag von 30 € wollen wir unseren Beitrag zu dem Wert leisten. Unser Raum ist nicht riesig und es wäre schade, wenn wir interessierten Menschen absagen müssten und dann zu fünft um unseren gedeckten Tisch säßen. Für die, die auch Interesse an unserer Ausbildung zum Systemischen Agile Coach haben, wird der Betrag gutgeschrieben.

Der Abend war so schön, dass wir bald ein neues Beisammensein planen. Unsere Kollegin Elisabeth richtet dann am 6. Februar 2020 das Meetup Ein Blick in Eure Motivation und die Eurer Teamkolleg*inne aus. Da wird es dann darum gehen, die eigenen Werte besser kennenzulernen und zu erfahren, was diese im Teamkontext ausmachen. Wir freuen uns wie ein Schnitzel, mit unseren eigenen, frisch gedruckten Wertekarten arbeiten zu können. Außerdem wollen wir vermitteln, wie sich die Methode dann in Ihre individuellen Workshops und Teamarbeit integrieren lassen.

Wir freuen uns darauf, bei Wein und Tapas Einblick in unsere Praxis zu geben und uns mit Ihnen über neue Ideen und Kontexte auszutauschen. Aktuelle Entwicklungen und das Netzwerk finden sie hier. Wir freuen uns auf ein fantastisches Jahr mit Ihnen und auf eine fette Ladung an Wissen, Austausch und Bewegung

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