25. September 2020

Knotenanekdoten – Wenn wir uns beim Zuhören zuschauen können

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist dein Gesicht, wenn du mir zuhörst. Während man sich selbst reden hört, sieht man sich dabei nicht. Klingt trivial, ist aber sehr interessant, wenn man bedenkt, dass bei einem Gespräch face-to-face beim Gegenüber sowohl die Augen als auch die Ohren gleichermaßen arbeiten.

Am Telefon oder im (videofreien) Teamcall ist es wesentlich schwieriger, zu identifizieren, ob jemand zuhört. Und wie. So gibt es zum Beispiel Modelle, laut denen dominante Personen ihr Gegenüber beim Sprechen ansehen und beim Zuhören nicht. Ein weiterer wichtiger Bestandteil in vis-à-vis Gesprächen ist außerdem ein Phänomen, das die Psychologie Mimikry nennt – also wenn wir andere Menschen unbewusst und automatisch nachahmen. Dazu gehört verbale, emotionale und verhaltensbezogene Nachahmung und die Mimikry von Gesichtsausdrücken. Viele Menschen kennen zum Beispiel den Mechanismus, im Gespräch die Gestik, bestimmte Wörter oder sogar Dialekte der anderen Person zu übernehmen. 

Der automatische Perspektivwechsel

Wenn wir bewusst zuhören, versetzen wir uns in andere hinein, wechseln fast automatisch unsere Perspektive. Hören wir dann auch noch mit dem sogenannten Du-Ohr zu statt mit dem Ich-Ohr, lassen wir den Blick und die Relevanz der Sache für den oder die andere auf uns wirken statt selbstreferenziell und erwartungsgesteuert zuzuhören. 

Dieses ganzheitliche Zuhören ist nicht nur deshalb hilfreich, weil sich der oder die Sprechende wohl und gehört fühlt, sondern reduziert auch drastisch die Gefahr von Konflikten und Missverständnissen. Nicht umsonst betonen wir als Beratende immer den Teil des agilen Manifests, Themen nicht im Teamchat, sondern persönlich zu besprechen, wenn es irgendwie geht. Und wenn nicht, die Videokamera einzuschalten.

Einfach ausgedrückt: Die Schwierigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen, fällt weg, wenn es keine Zeilen gibt, sondern gesprochene Worte. Selbstverständlich tragen auch die einen Interpretationsspielraum mit sich. Gleichzeitig unterschätzen viele Menschen, wie gut sie eigentlich daran sind, Feinheiten und nonverbale Signale zu deuten. Die meisten Fehleinschätzungen entstehen eher aus Situationen, die nicht erwartungskonform ablaufen und deshalb rational umgedeutet werden. 

Ein riesiger Vorteil, mit dem ganzen Körper zuzuhören und zu sprechen, sind die Ressourcen, die entstehen, wenn unser kompletter Organismus mitarbeitet und somit eine Entlastung der rein kognitiven Kapazitäten. Ein Lächeln können wir nämlich wesentlich akkurater interpretieren als ein Emoji. 

18. September 2020

Was Frauen besser können als Männer

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro. 

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Hallo, Guten Tag. Hier geht es natürlich nicht um irgendwelche Männer, die nicht zuhören, dafür aber fabelhaft einparken können, das wäre ja sowas von 2001.  Hier geht es um das, was ihr dachtet von der Sekunde an, als ihr diesen Artikel angeklickt bis zu der, in der die Erwartung gebrochen wurde. Es ist hier völlig egal, was Frauen besser können als Männer, die interessantere Frage ist, was in unseren Köpfen passiert, sobald wir diesen oder andere Sätze lesen. Und in unseren Brustkörben. Genugtuung, Ärger, Unglaube, Überraschung? Denken wir gleich an Wärme, Pflege, Kommunikation? Oder ans Autofahren? An Unternehmensführung? Auch wenn es sicherlich überschneidende Tendenzen gibt, werden viele von euch die Headline individuell beantwortet haben, ganz unbewusst.
 
Vermutlich denken viele von uns in bestimmten Fragestellungen, die irgendwie menschliche Gruppen, Tätigkeiten oder Orte beschreiben an sehr ähnliche Dinge und manche eben ganz andere. Für die heutige Kolumne ist nicht relevant, welche Zuschreibungen nun inhaltlich korrekt oder moralisch angemessen sind. Die Frage dürft ihr euch gerne selbst stellen. Fakt ist, dass alle Menschen über Erwartungen und Zuschreibungen ihren Alltag navigieren. Ich erwarte, dass der Bus dann kommt, wenn er laut Plan kommen soll. Ich erwarte als Berliner*in auch, dass der oder die Fahrer*in vermutlich weniger höflich sein wird. Ich erwarte, dass der Bus um 17 Uhr voll sein wird und die alte Person erwartet, dass ich aufstehe und erwartet gleichzeitig, dass ich es nicht tue, weil die Leute heutzutage keine Manieren mehr haben.

Erwartungen sind geographisch

Somit ist eine unaufregende Tätigkeit wie Busfahren schonmal beladen mit Erwartungen, auch solchen, die aufeinanderprallen und in den seltensten Fällen laufen sie bewusst ab. Diese Erwartungen und Zuschreibungen können gebrochen werden, zum Beispiel, wenn der Bus zu spät kommt, die Fahrerin (oder der Fahrer, aber wir brechen ja gerade Erwartungen) extrem freundlich ist, trotz Feierabend fast niemand drin sitzt und wenn doch, jemand für die alte Person aufsteht und deren Erwartungen somit gleichzeitig erfüllt und gebrochen wurden. Das verzeichnen wir dann vermutlich als Ausnahme und wundern uns nicht groß, wenn am nächsten Tag alles wieder ist wie gehabt.  

Gleichzeitig sind all diese Erwartungen gekoppelt an geographische, kulturelle und soziale Selbstverständlichkeiten. Leute, die neu nach Berlin kommen, regen sich gerne über die Fahrer*innen auf, andere sind verwirrt von der Pünktlichkeit und Häufigkeit der Busse, andere irritiert über die Art und Weise, wie Leute in den Bus ein- und aussteigen. Dass Erwartungen Erwartungen sind und keine Fakten, fällt uns meistens dann auf, wenn wir in irgendeiner Form die Perspektive wechseln. Sie sind beschaffen aus verschiedenen Faktoren wie Erfahrung, Überzeugung, Erlerntem und oft auch Erwünschtem. Sie prägen Verhalten und Sprache und werden gleichzeitig von diesen geprägt. 

Arbeit mit der eigenen Landkarte

Um als Team die Fähigkeiten aller zu entdecken und gemeinsam neue Ideen zu entwickeln, ist es extrem hilfreich, sich der eigenen Erwartungen und Zuschreibungen (auch derer an sich selbst übrigens) bewusst zu werden. Darunter fällt auch die Arbeit mit der eigenen Landkarte – denn alle Menschen tragen so etwas wie eine kollektive und auch eine individuelle Landkarte in sich. Die beiden mit innerer Arbeit grob auseinander zu differenzieren ist sehr nützlich für das Finden der eigenen Position, also die Haltung, mit der wir durchs Leben gehen.  

In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, mit Erwartungswerten zu kalkulieren. Und zwar immer dann, wenn es nützlich ist, Komplexität und Individualität zu reduzieren. Dabei müssen wir uns im Klaren sein, dass der Erwartungswert nicht nur statistisch betrachtet ein theoretischer ist. Wenn wir wirklich etwas wissen und erfahren wollen, empfiehlt sich eher ein Perspektivwechsel und eine individuelle Betrachtung – und zwar nicht nur der beobachteten Sache oder Person sondern mit mindestens genauso viel Aufmerksam der Blick auf sich selbst. Sozusagen der Blick auf den eigenen Blick. 

11. September 2020

Knotenanekdoten – Was man glauben kann

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro. 

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Manche glauben, was sie sehen und andere trauen ihren Augen nicht. Glauben kann vieles bedeuten, trauen auch. Auch wenn’s nahe liegt, das hier wird kein religiöses Traktat. Gleichzeitig haben die Begriffe wie Glauben selbstverständlich eine christliche Tradition. Das Gleiche gilt auch für Liebe, Hoffnung und Verzeihen. 

Der Glaube ist stark mit einer spirituellen Geschichte verknüpft und wird deshalb außerhalb von derartigen Diskussionen (die übrigens relativ häufig mit Wein korrelieren, sei’s am Altar oder am Feierabend in der Küche oder im Büro) seltener behandelt. Und trotzdem taucht Glauben im alltäglichen Sprachgebrauch unglaublich häufig auf. “Ich glaube, ich gehe jetzt.” Oder: “Ich glaube, es ist halb drei.” Oder, zur Zeit vermehrt: “Ich glaube nicht an Viren.” (Hä?) “Ich glaube, da geht noch mehr.” Okay, weiter. “Glaubst du mir?” Oder auch: “Glaube niemanden, der [setzen Sie hier gerne irgendetwas ein, das Ihnen gut passt.]” Und auf einmal klingt das Ganze gar nicht mehr so spirituell. 

Dennoch riecht Glauben irgendwie immer noch ein bisschen nach Weihrauch oder Verschwörungsideen, weshalb wir gerade im Berufsalltag scheinbar lieber mit den Wörtern Überzeugung oder Einschätzung operieren. Vielleicht sogar dann, wenn wir glauben meinen. Das ist natürlich nicht verboten und doch hilft eine gewisse Präzision und Kenntnis der eigenen sprachlichen und emotionalen Landkarte, um klar zu kommunizieren und Missverständnisse zu reduzieren. 

Glaube getarnt als Wissen

Überzeugungen und Einschätzungen sind sicherlich mit Glauben verwandt, sie transportieren aber eine Idee von Messbarkeit. Man schätzt ein Projekt anhand von Erfahrungswerten, Prädiktoren und Erfolgschancen ein, man überzeugt andere mit Argumenten, Beweisen, notfalls mit Druck. Glauben funktioniert anders. Er fühlt sich oft absoluter an Überzeugung oder Einschätzung. Oft sehr ähnlich wie Wissen. Nur, dass Wissen falsifizierbar ist und Glaube nicht. Das macht ihn stabiler als Wissen und auch unflexibler. 

Klar ließen sich jetzt tausend Beispiele herbeiführen, in denen das zum Problem wird. Situationen, in denen Menschen sich nicht von Tatsachen beirren lassen und immer weiter den eigenen Glauben als Wissen tarnen. Wir suchen ja immer das Gute am Problem. Nehmen wir mal den bedeutungsschweren Satz “Ich glaube an dich.” Vielleicht stellt ihr euch kurz vor, wie sich das anfühlt, diesen Satz zu hören.

Gibt es einen Unterschied zu “Ich bin überzeugt, dass du das kannst”? Oder zu “Ich weiß, dass du das schaffst”? Wahrscheinlich schon. Erstens sind Überzeugungen und Einschätzungen sehr konkret und an differenzierbare Fähigkeiten oder Eigenschaften gekoppelt. An jemanden Glauben ist ganzheitlicher. Und Überzeugungen und Einschätzungen sind Wahrscheinlichkeitsrechnungen, also immer mit einer Fehlerwahrscheinlichkeit behaftet. Sie sind falsifizierbar. Wenn jemand an eine Person glaubt, ist es fast egal, wie viele Versuche sie am Ende braucht, um dieses oder jenes zu schaffen. Das Gleiche gilt für diejenigen, die an sich selbst und ihre eigenen Ideen glauben. Über die konkrete Ausführung lässt sich da vielleicht diskutieren, im Kern bleibt eine sehr stabile Kraft. 

Wie gesagt, das hier ist kein Pamphlet für Glauben ins Blaue rein. Vielleicht aber eins für genaue Blicke auf die Sprache, die wir gebrauchen, um ehrlich und wirksam mit uns selbst und mit anderen zu arbeiten.  

Wer mehr über Sprache und Wirksamkeit hören möchte – das Ganze gibt’s auch live als Training.

4. September 2020

Knotenanekdoten – Was wir an Normalität brauchen und was nicht

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro (und derzeit aus dem Homeoffice)

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Erinnert sich eigentlich jemand an den letzten Tag, an dem alles “normal” war? Also, den letzten richtig gewöhnlichen Tag vor Homeoffice, Kurzarbeit und Unruhe im Bauch? Dieser Tag, der vermutlich grob über den Daumen ein halbes Jahr her sein müsste? Nee? Wir auch nicht. Weil wir Normalität eben nicht bemerken, sonst wäre sie nicht normal.

Auch die Sehnsucht nach “Normalität” ist sehr interessant, da sie sich auf einen Zustand bezieht, den wir vermutlich gar nicht wahrnehmen würden, sobald er dann einträte. Heißt: Der Moment des Aufatmens, wenn Dinge wieder anders sind, ist noch lange keine Normalität. Denn die ist, wie schon beschrieben, unsichtbar. Solange ein Zustand, eine Person, eine Tätigkeit in irgendeiner Form markiert sind, werden sie bemerkt und gelten nicht als normal. Wir bemerken die Farbe von Spaghetti erst bewusst, wenn sie auf einmal zum Beispiel hellblau wären. Sonst ist eben alles normal und wir denken nicht: “Oh, diese normalen gelb-beigen Schnüre”, sondern wir denken zum Beispiel “Spaghetti, geil!” 

Nicht geschimpft ist nicht genug gelobt

Jetzt soll es weder darum gehen, Normalität als das kostbarste Gut überhaupt zu stilisieren noch darum, den Wunsch danach als festgefahren zu belächeln. Vielmehr lohnt es sich, genau diese unsichtbaren Komponenten zu beschreiben, nach denen man sich eben sehnt. Spoiler Alert: Wenn alles wirklich wieder komplett “normal” ist, haben wir nichts davon, weil wir’s nicht mal bemerken. Wir bemerken ja derzeit auch vieles nicht mehr bewusst, was wir vor einigen Monaten hyperpräsent vor Augen hatten. Die Klebestreifen auf den Böden vor Supermarktkassen zum Beispiel. 

Teams oder Personen, die etwas verändern und erreichen wollen, können sich zum Beispiel die Frage stellen, was sie gerne normalisieren möchten, sodass es gar nicht bemerkbar ist. Wir können Rituale etablieren, die eine bewusste Regelmäßigkeit in Veränderungsprozesse einschreiben. Ein weiterer Baustein in der Frage nach Normalität ist das Feedback. Ist es normal, wenn einfach alles passt und man bemerkt eben nur das, was nicht läuft? Frei nach der süddeutschen Weisheit “Nicht geschimpft ist genug gelobt”? Motivierend ist das jedenfalls nicht. Sowohl in Bezug auf andere als auch auf uns selbst tun wir ganz gut daran, auch “Normales” anzusprechen, wenn wir es gut finden. Heißt: Nur weil Kollege*in X sehr oft freiwillig das Protokoll schreibt, ist das vielleicht normal, aber nicht selbstverständlich. (An dieser Stelle Shoutout an die Kollegin, die weiß, dass sie gemeint ist!) 

28. August 2020

Knotenanekdoten – Was wir euch fragen wollen

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro. 

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Kinder lernen schnell, dass sie Fragen stellen sollen, aber bitte keine dummen. Um abschätzen zu können, ob eine Frage dumm ist oder nicht, muss man einen groben Umriss der Antwort schon während des Fragens ausmachen können. Logisch, wenn ich mich in einem Thema auskenne, stelle ich wahrscheinlich gescheitere Fragen. Darum geht es jedoch nicht immer. 

Viele von uns scheuen sich auch als Erwachsene noch davor zu fragen, weil wir eben nicht dumm erscheinen wollen. Fragen gelten oft als Unwissenheit. Deshalb kommt es wahrscheinlich auch bei Panels und Konferenzen so häufig vor, dass auf die Frage nach weiteren Fragen Antworten mit Fragezeichen formuliert werden. Also vorhandenes Wissen wird als Frage formuliert, die eigentlich keine ist. 

Fast alle von uns erinnern sich vielleicht noch an die Passage „Wer nicht fragt, bleibt dumm“ aus der Sesamstraße. Selbsterklärend. Gleichzeitig hilft es, die Androhung an Dummheit aus dem ganzen Vorgang herauszulösen. Bewertungen bedeuten sehr häufig Zensur. Und natürlich, Fragen bringen im besten Fall Antworten. Und sie können noch viel mehr. 

Fragen bringen Perspektivwechsel

Fragen sind kreativ, konstruktiv und eröffnen Dialog. Vor allem, wenn sie nicht nach den Maßstäben von Richtig und Falsch zu beantworten sind, sondern den Raum zum Vorstellen und Denken aufmachen. Gerade bei Problemen, wenn Menschen sich explizit nach möglichst einfachen Antworten sehnen (die es ja nicht geben kann, sonst wär’s ja kein Problem) helfen oft Fragen.

Genau aus diesem Grund arbeiten wir beim Systemischen Agile Coaching häufig mit Fragen. Denn sie sind oft eine Art Einladung, eine Tür, die sich öffnet, um eine neue Perspektive einzunehmen. Weil ich gezwungen bin, nachzudenken, wenn ich etwas gefragt werde, während ich bei Ratschlägen oder gar Befehlen eher gezwungen bin, einfach zu machen. 

Natürlich wird das hier jetzt kein Befehl, mehr Fragen zu stellen. Aber vielleicht zwei Fragen zum Abschluss: Erinnert ihr euch an die letzte Frage, die ihr euch nicht getraut habt zu stellen? Und was war die beste oder wichtigste Frage, die es in eurem Leben je gab?

21. August 2020

Knotenanekdoten – Warum wir uns in Meetings nicht mit Autos bewerfen

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro. 

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Erinnern wir uns mal an die guten alten Zeiten, damals, in der Autoecke des Kindergartens. War das toll! Dominik nahm Tansu das Auto weg, Linh warf ein anderes Auto gegen Danis Kopf und erst nach einer sehr deutlichen Ansage der Erzieher*innen fuhren die Autos für eine halbe Minute auf dem Teppich mit Straßenverkehrsmuster. Bis irgendjemand dann in die Hose gemacht hat und der Teppich erstmal gereinigt werden musste.  

Kurios eigentlich, dass es heute so gut klappt mit den Menschen, deren Köpfen und den Gegenständen. Vielleicht tatsächlich wegen der Ansage. Den vielen Ansagen, von Erzieher*innen, Lehrer*innen, Eltern, großen Geschwistern, anderen Kindern. Obwohl „jemandem X an den Kopf werfen“ bei Erwachsenen eine beliebte Redewendung ist, realisieren sie das Gesagte meistens nicht. Einfach, weil man das nicht tut? Das ist eine Norm, aber keine zufriedenstellende Erklärung. Vielmehr sind die Gründe für unser Verhalten in sich sehr unterschiedlich. Die eine hält sich vielleicht daran, weil sie Körperverletzung als Strafbestand verinnerlicht hat und nicht gegen das Gesetz verstoßen möchte. Der andere schert sich dagegen wenig um Gesetze, lebt jedoch nach dem Prinzip der Gewaltfreiheit. Und wieder jemand anderes unterlässt das Werfen von Gegenständen aus Imagegründen vielleicht im Büro und tut es zu Hause dann doch.  

Werte zu kommunizieren hilft im Team

Alle drei Entscheidungen, einen Gegenstand nicht zu werfen, sind von außen unsichtbar. Und alle drei basieren auf einem Wertesystem, aus dem sich das Verhalten dann ableitet. Fast unser gesamtes Erwachsenenleben wird von unseren Werten beeinflusst: Mit wem wir leben und wie, welche Arbeit wir tun möchten, welche nicht, wie wir mit anderen Menschen umgehen und welche Partei wir wählen und ob. Selbst wenn nicht alles für alle Menschen realisierbar ist (etwa die Freiheit, einen bestimmten Beruf zu wählen) sind doch gerade die zwischenmenschlichen Interaktionen meistens von inneren Werten abhängig.  

Wer also intentionaler handeln möchte, tut gut daran, die eigenen Werte zu kennen. Insbesondere, da die häufig so verinnerlicht sind, dass sie gar nicht auf Anhieb zu benennen sind. Gerade für Menschen, die viel in Teams arbeiten und entscheiden, erleichtert es die Kommunikation, wenn sich alle Beteiligten ihrer Werte selbst bewusst sind und sie die Möglichkeit haben, sie den anderen zu kommunizieren.  

Werten und Bewerten sind unterschiedlich

Um systematisiert an das große Thema Werte heranzugehen, hat Elisabeth aus ein Meetup zum Thema Werte zusammengestellt. Dort leitet sie die Teilnehmenden durch das Erkennen und Reflektieren der eigenen Werte und zeigt, wie sich Wertearbeit in Teams und Workshops integrieren lässt. Wir vom Netzwerkknoten haben selbst in unserem Team bereits viel Zeit in die Arbeit zu individuellen und gemeinsamen Werten investiert und möchten die guten Erfahrungen, die wir damit gemacht haben, gerne teilen.  

Denn in der Tat haben die meisten zwischenmenschlichen Freuden und Leiden des Erwachsenenlebens genau damit zu tun: Geteilte Werte, unterschiedliche Werte, falsche Annahmen gewisser Werte. Übrigens, es geht bei Werten nicht zwangsläufig um Be-Werten, sondern vielmehr um ein tieferes Verständnis für die Perspektiven anderer Menschen und für die Motivation ihres Verhaltens. Und dafür ist es notwendig, auch die eigene Perspektive und die eigenen Motivationen zu kennen.  

Wenn ihr gerne selbst eure Werte besser kennen lernen wollt: Hier geht’s zum Meetup. Es findet remote und auf Englisch statt. 

14. August 2020

Knotenanekdoten – Sprechen Macht Freiheit

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro. 

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Vor Kurzem flog eine Grafik irgendwo durchs Internet. Darauf sitzen sich zwei Frauen gegenüber, entspannt, und die eine fragt: „In what languages are you fluent in?“ (Also: „Welche Sprachen sprichst du fließend?“) und die andere antwortet „Silence.“ („Stille“ oder „Schweigen“.) Die Verbindung zwischen Schweigen und Sprechen ist interessant, da Schweigen mehr ist als einfach Tonlosigkeit, es ist eine passive Form des Handelns. Schweigen ist eine Form der Kommunikation, die vieles ausdrücken kann: Den Unwillen, die Unnötigkeit, die Unmöglichkeit oder die Unfähigkeit des Sprechens zum Beispiel. Gemeinsames Schweigen kann tiefes Verständnis bedeuten, das keiner Worte bedarf. Schweigen kann auch furchtbar verletzend sein, wenn es einseitig ist. Und eine Unfähigkeit zu sprechen kann sehr anstrengend und verunsichernd sein. 

In der Arbeit mit Sprache ist es unmöglich, das Schweigen nicht mitzudenken. Der Moment, in dem ein Mensch vom Nichtsprechen zum Sprechen übergeht, hat eine eigene Kraft, einen Mut und fühlt sich oft an wie ein kleines Wunder. Erfahrungen aus dem Dolmetschen in der Psychotherapie, der Sprachförderung für Kinder und zahlreichen Interviews haben genau das gezeigt: Der Moment, in dem eine Geschichte erzählt werden kann, verändert die Welt. Die Person, die erzählt, die Person, die zuhört und die gesamte Situation. 

Sprechen ist befreiend und mächtig

Genau dieser Moment ist der Grund, warum wir mit How To Talk ein ganzes Training zum Sprechen entworfen haben. Weil wir wissen, wie befreiend, wie mächtig Sprechen ist. Wir möchten, dass wirklich alle Menschen ihre Sprache nutzen können, um ihre Geschichten zu erzählen und ihre Ideen zu vermitteln. Und wir wissen, dass das am besten geht, wenn Menschen bei sich selbst, bei ihren eigenen Körpern, Gedanken und Persönlichkeitschattierungen bleiben können. Ohne Faken, Überreden, Manipulieren. Fake it until you make it mag funktionieren, macht aber auch enorm Stress, der uns einen mentalen Overload verpasst, der uns auslaugt. Das lässt sich vergleichen mit einer Hantel, die zu schwer ist: Fake it until you make it funktioniert vielleicht schon irgendwie, aber sonderlich elegant wird’s nicht aussehen und gut für den Rücken ist es auch nicht. 

Deshalb haben wir mit dem mehrstufigen Modell von How To Talk ein Training erstellt, in dem wir über zwei Tage hinweg genug Zeit haben, die körperlichen, kognitiven und interaktiven Mechanismen des Sprechens kennenzulernen. Sodass alle Menschen, egal ob schüchtern oder ausgelassen, ihren Moment des Sprechens erleben können. Dabei arbeiten wir viel mit der Methode des Perspektivwechsels und an der eigenen Haltung, sprachlich wie physisch.

Das Training geht über zwei Tage á vier Stunden und findet via Zoom statt. Wir freuen uns, wenn ihr mit uns die Welt verändert – sprachlich. Zur Anmeldung geht es hier.

7. August 2020

Knotenanekdoten – Kein Wunder

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro. 

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Zugegeben, als Karl in seinem Geburtstagsartikel (ja, wir sind zwei Jahre alt geworden, Happy Birthday to us!) als erstes von fünf Learnings „Be realistic. Plan for a miracle“ nannte, habe ich mich gewundert. Mag daran liegen, dass wir Mitarbeiter*innen vom Netzwerkknoten das kleine Bildchen mit dem Spruch schon so fest an seinen Platz im Büro verordnet haben, dass es ungewohnt ist, ihn auf einmal in einem Artikel zu sehen. Oder halt, weil der Spruch sich erst einmal nach einer Feel-good-Postkarte anfühlt und nicht nach einem Learning. 

Das Wunder von 2020, vielleicht kein so positives, ist für Karl die Pandemie. Sie hat allerlei Planung und Selbstverständlichkeiten über den Haufen geworfen – also jetzt „Was tun? Realistisch sein und für das nächste Wunder planen! Auch außerzyklische Konjunktureinbrüche sind zeitlich begrenzt und Wohl dem, der am Ende eines solchen Tals nicht zu lange braucht, den Kopf wieder aus dem Sand zu ziehen.“ Okay, verstanden. Wunder müssen nicht immer ähnliche Effekte haben, wie zwei Brote und Fische, die auf sich auf einmal vervielfältigen und eine Großveranstaltung sättigen.

Wundern ist ein Teil des Lernens

Trotzdem ist die Frage interessant, was ein Wunder denn sein soll. Am Anfang dieser Kolumne schrieb ich, ich hätte mich gewundert. Weil ich nicht damit gerechnet habe. Die Perspektive war mir also neu. Während viele von uns gerne betonen, sie glaubten nicht an Wunder, wundern wir uns dafür irgendwie doch die ganze Zeit. Wir haben uns, wie in Karls Artikel beschrieben, gewundert, wie die Zusammenarbeit über einen relativ langen Zeitraum hin komplett ohne physischen Kontakt funktionieren kann. Wir haben uns darüber gewundert, was wir vorher für selbstverständlich hielten, ohne es überhaupt zu bemerken. Wir haben uns gewundert, wie schnell das Jahr vergangen ist seit unserem letzten Geburtstag. 

Kann man sich wirklich täglich wundern und dann behaupten, man glaube nicht an Wunder? Wie gesagt, es geht hier nicht darum, locker flockig übers Wasser zu schlendern. Vielmehr ist das Wundern ein Bestandteil des Lernens und vor allem auch des Schauens über den Tellerrand. Neue Erfahrungen und neue Perspektiven bringen dieses Sich-Wundern eben mit. Dass die Erde rund und nicht flach ist, beeindruckt die meisten von uns heute eher weniger, für den pubertierenden Herrn Columbus wär’s sicherlich ein Wunder gewesen. 

Wer gerne entdeckt, der wundert sich oft. Wer eng mit Menschen zusammenarbeitet auch. Die Fähigkeit, sich zu wundern ist verknüpft mit Neugier, Offenheit und Aktivität. Wir hoffen jedenfalls darauf, dass wir uns in unserem neuen Lebensjahr als Firma öfter wundern dürfen. Darüber, was alles möglich ist, darüber, Neues herauszufinden. Das wäre wirklich, na klar, wundervoll.

31. Juli 2020

Commit, ich erzähl dir ‘ne Geschichte

Was tun, wenn Commitment und unangenehm scheint? Ein Blick nach innen und ein Perspektivwechsel können helfen, wenn Zweifel oder Ärger aufkommen.

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24. Juli 2020

Knotenanekdoten – Speis und Trank und tausend Dank

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro (und derzeit aus dem Homeoffice)

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Was haben die Knotenanekdoten und der Netzwerkknoten gemeinsam? Jaaa, das Wort „Knoten.“ Das haben wir uns alles nicht nur ausgedacht, weil sich so viel auf „Knoten“ reimt (trotzdem ganz kurz: Schoten, Boten, Voten, Zoten, Anekdoten, schon irgendwie cool.) Spaß beiseite, wir heißen wirklich deshalb Netzwerk-Knoten, weil das „Verknoten“ im Sinne von Vernetzen, in Kontakt treten, Bindung im Sinne von Verbindlichkeit elementar ist für unsere Identität. Oder anders gesagt: Wir mögen Menschen wirklich sehr.

Wir haben auch schon öfters gesagt und geschrieben, wie gerne wir Gastgeber*innen in unserem Büro sind. Zu unserem Wunsch des Verbindens kommt auch die ausgeprägte Freude, Leidenschaften zu teilen. Klar, Leidenschaft für Produktentwicklung aber vor allem auch die Frage danach, wofür wir das tun. Und ja, unsere Leidenschaft für gutes Essen, guten Wein und belebende Gespräche. Nach Langem hatten wir diese Woche endlich die Möglichkeit zu einem Netzwerkdinner einzuladen.

Esst, trinkt, sprecht, teilt

Alles was wir lieben kam bei unserem Netzwerkdinner am Montag zusammen und es war fantastisch, verschiedenste Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Industrien an unserem großen Holztisch versammelt zu sehen. Zu spüren, wie geteilte Leidenschaften und gute Gespräche die Augen und den Raum zum Leuchten bringen. Zu beobachten, wie das vorgegebene Thema nebensächlich, aber nicht irrelevant werden kann und mitzuerleben, wie gelöst Menschen beieinandersitzen können, ohne dass die Qualität der Inhalte geschmälert wird. 

Wir könnten jetzt noch drei Seiten lang weiterschreiben, wie schön der Abend war, wie intensiv wir die Stimmung und die Zeit mit unseren Gäst*innen genossen haben, wie sehr wir uns darauf freuen, mal wieder zu uns einzuladen. Stattdessen einfach hier die Empfehlung: Macht das. Ladet ein, nehmt Einladungen an. Esst, trinkt, sprecht, teilt. Das Wort Netzwerken hat für manche einen schalen Beigeschmack, aber mal ehrlich: Mit wem sollten wir unsere Zeit eher verbringen als mit Menschen, die unsere Leidenschaften teilen, unsere Motivationen verstehen und nach kompatiblen Wertesystemen handeln? Wir freuen uns darauf, noch mehr von diesen Menschen kennenzulernen. Wenn ihr euch schon vor dem nächsten Dinner oder Meetup mit uns verknoten wollt: Schreibt uns gern! 

17. Juli 2020

Knotenanekdoten – Nicht zurück zu den Wurzeln, sondern zurück auf die Füße

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro (und derzeit aus dem Homeoffice)

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3. Juli 2020

Knotenanekdoten – Die ersten 20 aus 2020: Learnings aus einer Jahreshälfte

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro (und derzeit aus dem Homeoffice)

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Schon bemerkt, dass das Jahr 2020 halb voll ist und sich so anfühlt, als seien seit Anfang März gerade mal drei Wochen und gleichzeitig 300 Tage vergangen? Was uns noch so aufgefallen ist:

  1. Zeit ist sehr, sehr relativ.
  2. Verbindungen bleiben. Über welche Wege auch immer, wie können kommunizieren und sollten das auch tun. 
  3. Kommunikation ist ein Prozess, genauso wie Entscheiden, Sprechen, Lernen und Akzeptieren. 
  4. Niemand kommt zum Online-Meetup, wenn die Sonne scheint. 
  5. Für introvertierte Menschen kann remote Arbeit eine Chance sein, an Trainings und Workshops teilzunehmen. Und diese Menschen nutzen diese Chancen. 
  6. Zusammen mit den Kolleg*innen zu essen ist schön und wichtig. Wenn’s geht: Bestellt euch was oder trinkt nach dem Teamcall ein Glas Wein oder Saft vor dem Rechner. 
  7. Lachen hilft.
  8. Erzwungenes Lachen hilft nicht. Ehrlich miteinander sprechen schon. Über Grenzen, über Strategien, über Frust und über Glück.
  9. Menschen gehen unterschiedlich mit Stress um. Und eine Person kann sehr unterschiedlich mit verschiedenen Formen von Stress umgehen.
  10. OKR’s und Retros funktionieren genauso, auch wenn niemand im Büro ist. 
  11. Miro ist geil.
  12. Die Art, wie wir sprechen, schafft Realität.
  13. Auch Schweigen ist eine Option des Kommunizierens. 
  14. Und manchmal die falsche. 
  15. Egal, ob wir am 1. Januar mit einem dicken Kopf und Reue aufwachen oder frisch, ausgeschlafen und vollgepumpt mit Vitamin C: Niemand weiß, was kommt. 
  16. Selbstfürsorge ist trotzdem hilfreich.
  17. Es ist eine große Kunst, komplexe Sachverhalte in verständlichen Worten zu vermitteln. Es ist keine große Kunst, sie mit unterkomplexen Scheinlösungen zu verzerren. 
  18. Wenn wirklich nichts mehr hilft: Perspektivwechsel geht immer. Immer!
  19. Kekse zu Hause zu essen fühlt sich niemals so an wie im Büro. Eine unersetzbare Erfahrung. 
  20. Das Jahr 2020 hat noch sechs Monate für uns übrig. Wir haben keine Ahnung, wie die nächsten 20 Learnings aussehen und wissen ganz bestimmt, dass wir locker 20 Dinge lernen werden. Wahrscheinlich sogar viel, viel mehr. 

26. Juni 2020

Knotenanekdoten – Lass mal lachen

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro (und derzeit aus dem Homeoffice)

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

"Was wir gelernt haben, worüber wir gelacht haben und was wir vergessen haben", darüber wollen wir in dieser Kolumne schreiben. Seit November haben wir definitiv viele Lernerfahrungen geteilt und auch den ein oder anderen Fuck-up. Und gelacht? Ja, gelacht haben wir schon auch. Nur irgendwie ist es ein ziemlich undankbares Unterfangen, Witze oder Situationskomik nachzuerzählen. Wird schnell peinlich, ihr erinnert euch sicher an mindestens eine Situation folgender Art: Man kann die Geschichte vor lauter Lachen überhaupt nicht richtig widergeben und das Gegenüber sitzt mit fragend nach oben gezogenen Augenbrauen da und grinst eher über das Lachen als über den Inhalt. 

Also was tun? Kolumnen-Teaser umbenennen? Nee. Lachen ist ja wichtig. Und zwar das Lachen an sich. Solange der Inhalt des Lachens sich nicht verletzend gegen Menschen richtet, ist er sekundär. Gerade als Gruppe oder Team miteinander zu lachen (logischerweise nicht übereinander, das ist einfach schäbig) ist eine sehr konstruktive Form der Kommunikation. 

Was das Lachen über uns aussagt

Gemeinsam lachen zu können bedeutet Sicherheit, Vertrauen und Offenheit für die Gefühle der anderen. Lachen ist nämlich genau dann ansteckend, wenn es auf einer gemeinsamen Basis und einem emphatischen Grundgerüst basiert. Es bedeutet Verbindung. Wenn die Chef*innen rausgehen müssen, damit das Team lachen kann, läuft was falsch. 

Das ist kein Aufruf, jetzt krampfhaft irgendwelche Witze rauszuhauen und den Teamchat ungefiltert mit GIF's vollzuballern. Sondern vielmehr ein Impuls, das eigene Lachen mal zu beobachten. Zu Hause, im Team, mit Freund*innen. Wie sehen die Momente und die Beziehungen aus, in denen wir frei lachen können? Auf welcher Grundlage kommt es dazu? Bei wem lache ich mit, bei wem wende ich mich innerlich ab und warum? 

Lachen ist ein Ventil, das wissen wir mittlerweile. Gerade in sehr schweren Zeiten kracht es manchmal besonders intensiv aus uns heraus – Milan Kundera hat das sehr eindrücklich in Das Buch vom Lachen und Vergessen beschrieben. Es verbindet, trennt, kann wahnsinnig schön und wahnsinnig grausam sein. 

Deshalb lohnt es sich, das eigene Lachen mal genauer anzuschauen. Es sagt genauso viel über uns aus, wie verbale Elemente unserer Kommunikation. Vielleicht sogar noch mehr. 

12. Juni 2020

Knotenanekdoten – Was ist eigentlich ‘ne Krise?

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro (und derzeit aus dem Homeoffice)

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Alle warten auf Freitag. Nicht nur, weil danach Samstag ist, sondern weil Freitag der Tag ist, an dem wir beim Netzwerkknoten miteinander sprechen können. Jede Woche im Weekly, einmal im Monat am Teamtag.

So einer war heute. Und wir hatten einen Zeitslot zum Thema "Krise". Interessant am Wort Krise ist, dass es seinen Ursprung im Wort griechischen krísis hat und so viel bedeutet wie Entscheidung oder entscheidende Wendung. Wenn wir uns die derzeitigen Krisen anschauen, scheint diese Wortherkunft durchaus plausibel: Wir müssen uns entscheiden. Geht nicht anders. Treffe ich den Opa oder nicht? Fahre ich Bahn oder nicht? Kann ich meine Mitarbeiter*innen bezahlen oder nicht?

Wir haben schon einmal darüber geschrieben, dass im Entscheiden wiederum das Wort "Scheiden" steckt und somit immer auch ein Abschied von etwas Bekanntem oder Gewünschten. Außerdem sind Entscheidungen keine fixen, abgeschlossenen Ereignisse, sondern Prozesse. Das Gleiche gilt für Krisen, wie wir heute gelernt haben. Krisen sind nicht zwingend Naturkatastrophen, die einfach so passieren und alles zerstören, sondern sie sind vielschichtige Entwicklungen, auf die bis zu einem gewissen Grad Einfluss genommen werden kann.

Wir werden die Pandemie immer noch nicht schön reden, dafür ist das Leid vieler Menschen zu existenziell. Die Pandemie braucht auch keine Bewertung vom Netzwerkknoten.

Vielmehr plädieren wir wieder mal dafür, verschiedene Perspektiven zuzulassen und die Learnings auf ihren individuellen Nutzen zu überprüfen. Was lerne ich über mein persönliches Krisenmanagement oder das meines Unternehmens? Wie bewerte ich grundsätzlich Veränderung? Wem höre ich zu und wem nicht und warum? Wofür mache ich weiter?

Übrigens, auch das Wort kritisieren teilt seinen Ursprung mit der Krise. Auch hier geht es im weitesten Sinne ums Entscheiden. Und auch hier gilt es wie immer, nicht nur die Limitierungen, sondern auch die Räume zu beachten, die dadurch geöffnet werden.

Netterweise sind Krisenzeiten auch die Zeiten von Kritik. Das sehen wir gerade auf gesellschaftlicher Ebene. Und vermutlich oft auch auf persönlicher und beruflicher. Niemand sagt, dass das angenehm ist oder wird. Und sorry, es gibt trotzdem keine Option. Denn ein weiterer gemeinsamer Nenner für einen konstruktiven Umgang von Krise, Kritik und Entscheidung ist: Verantwortung.

5. Juni 2020

Knotenanekdoten – Warum wir als weißes Team über Black Lives Matter sprechen (müssen)

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro (und derzeit aus dem Homeoffice)

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Heute ist schreiben schwer. Schauen wir uns mal die vergangene Woche an. Wir befinden uns nach wie vor inmitten einer Pandemie. Und alle Menschen, die derzeit soziale oder traditionelle Medien nutzen, haben den Mord an George Floyd durch einen weißen Polizisten in Minneapolis mitbekommen. 

Schreiben ist schwer, weil der Bezug zu fehlen scheint. Unser Team arbeitet in Deutschland, ist weiß, arbeitet im Agile Coaching und wir alle kennen den Spruch „Es wurde schon alles gesagt, nur halt nicht von jedem.“ Ist das hier der Fall?

Vielleicht geht es hier vielmehr um Haltung. Um Komfortzonen und das Verlassen dieser. Verletzbarkeit. Sprache und ihre Wirksamkeit. Das sind Themen, die uns vertraut sind. Wir haben schon oft darüber geschrieben und noch öfter darüber gesprochen. Wir setzen uns für eine Arbeitswelt ein, in der es sich für alle sicher und erfüllt leben lässt. Wofür wir das tun? Nicht, weil wir Gewinnmaximierung so geil finden, dann könnten wir auch in einem anderen Bereich arbeiten. Sondern, weil wir davon überzeugt sind, dass der Bereich der Arbeit einer von vielen Aspekten der Welt ist. Was für die Arbeit im Team gilt, gilt auch für ein Leben in der Gesellschaft. 

Wer über Corona redet, kann auch über Rassismus reden

Wir, ein Team aus sehr verschiedenen und durchgehend weißen Personen, leben in einer Gesellschaft, in der Menschen wie wir von strukturellem Rassismus profitieren. Nicht, weil wir das gut finden oder es uns ausgesucht haben. Trotzdem ist es so. Weiß zu sein bedeutet für uns keinen Nachteil bei der Wohnungssuche zu haben, nicht darüber nachdenken zu müssen, ob wir mit der Haut um unseren Körper unbeschadet durch diesen oder jenen Stadtteil laufen können oder ob die Familie unserer Partner*innen „solche wie uns“ akzeptiert. Das zu erkennen tut weh und ändert nichts daran, dass wir diese Vorteile haben. 

Wurde das schon alles gesagt, aber nicht von jedem? Nein. Weil es für alle Beteiligten extrem unangenehm ist, darüber zu reden. Weil das Thema so leidbesetzt ist, dass es nie irgendwo reinzupassen scheint, weder beim netten Abendessen mit den Großeltern noch hier in diese Kolumne. Gleichzeitig betonen wir im Arbeitsalltag immer wieder, wie wichtig eine offene Kommunikation und Reflexion ist. Wir arbeiten für ein Miteinander, das Menschen wertschätzt, ihr Wohlbefinden priorisiert. Das ist kein fancy Logo für unsere Außenwirkung, sondern eine Haltung. Und die können wir nicht einfach abstreifen, sobald wir den Laptop zuklappen. 

Wer über die Auswirkungen von Corona auf das tägliche Leben schreiben kann, ohne Virolog*in zu sein, kann auch über strukturellen Rassismus schreiben, ohne eine Professur in postkolonialen Studien zu besetzen. (Wer trotzdem fachlichen Input sucht: Tupoka Ogette, Natasha A. Kelly und Alice Hasters sind Expertinnen und leisten großartige Arbeit.) Keine Frage, es ist ein Thema, das viele von uns hilflos macht. Es gibt keinen perfekten Weg. Keine Anleitung. Gerade deshalb machen wir es. Weil wir mit realen Menschen zusammenarbeiten, die in einer realen Gesellschaft leben. 

Sprechen versus Schweigen

Wir alle sind gewohnt, uns schnelle Lösungen für komplexe Probleme herbeizusehnen. Die gibt’s hier nicht. Seit langem sprechen wir viel und häufig über die Macht der Sprache. Dabei geht es nicht nur darum, wie wir sprechen, sondern auch worüber wir sprechen. Wen wir ansprechen und wen nicht. Bei all dem Sprechen über Sprache, gewaltfreier, gewaltsamer, wertschätzender und abwertender Sprache, gerät ein relevanter Teil des Sprechens oft in den Hintergrund: Das Nicht-Sprechen, auch genannt Schweigen. 

Wer von uns saß noch nie in einer Runde und wurde ungerecht behandelt? Blöd angemacht, übergangen, gedemütigt? Und hat sich inständig gewünscht, irgendjemand möge den verdammten Mund aufmachen? Wurde hinterher von Menschen angesprochen, dass sie das ja eigentlich auch nicht in Ordnung fanden, gesagt haben sie trotzdem nichts? Genau. Lasst uns anfangen zu sprechen. Es geht nicht darum, eine Eins mit Sternchen in Antirassismus zu bekommen oder man fliegt raus. Es geht darum, in einer Welt zu leben, in der Gewalt nicht weiterbestehen kann, nur weil es unangenehm ist, darüber zu reden. Es ist wesentlich unangenehmer, sie zu erleben. Schwarze Menschen und People of Color erleben sie täglich.

Ob dieser Text die Welt verändert? Eher nicht. Ist auch nicht sein Anspruch. Er ist ein Versuch, nach der Maxime Lead by example zu leben. Weil wir uns nicht über andere Menschen beschweren wollen, die dies oder jenes nicht tun, um etwas zu verändern, sondern weil wir einfach irgendwo anfangen müssen.

29. Mai 2020

Knotenanekdoten – Wer andern einen Ratschlag gibt…

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro (und derzeit aus dem Homeoffice)

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Kennt ihr diese Menschen, die richtig gute Ratschläge geben? Die, die wir anrufen, wenn wir nicht mehr weiterwissen und die dann safe eine Lösung auf der Platte haben? Viele von uns kennen so jemanden. Das kann der beste Freund aus Schulzeiten sein, die Mutter, eine Mentorin, wer auch immer. Es hilft, wenn diese Person(en) die Welt und uns ein wenig kennen. Übrigens, liebe*r Leser*in, Du bist vermutlich genau diese Person. Für irgendjemanden. 

Jetzt wird ein nicht unbedeutender Anteil derer, die das lesen, stolz zustimmend und selbstironisch abwertend in sich hinein brummeln und nicken und denken, dass man den anderen gern die besten Ratschläge gibt und sie selbst dann nicht befolgt. Ja, so ist das auch oft. 

Wie kommt’s? Scheint so eine Art Naturgesetz zu sein. Wie alles, das einfach so gegeben scheint, lohnt sich auch hier der zweite Blick darauf. Denn eigentlich kennen wir als erwachsene Menschen auch die Welt und uns selbst ein wenig, ebenso wie die Personen, die uns sonst in wichtigen Fragen beraten. Beste Voraussetzungen also.

Warum wir die eigenen Tipps befolgen müssen

Hier helfen zwei Ansätze. Der erste ist bekannt aus dem Systemischen Coaching: Der Perspektivwechsel. Andere Menschen blicken aus einem anderen Blickwinkel auf uns und die Welt und nehmen deshalb auch andere Möglichkeiten wahr. Darüber sprechen wir oft und gerne, unter anderem auch in unserer Ausbildung zum Systemischen Agile Coach. Der Perspektivwechsel ist eine Kompetenz, die wir erlernen und trainieren können. In Bezug auf andere und auf uns selbst.

Der zweite wichtige Faktor hier ist die Zensur. Meistens greift die Selbstzensur wesentlich erbarmungsloser bei den eigenen Gedanken. Wir hören in einigen Fällen sehr viel bereitwilliger auf andere Menschen als auf uns selbst. Selbst wenn wir in bestimmten Bereichen sehr erfahren sind. Das hat weniger mit dem Inhalt des jeweiligen Wissens- oder Kompetenzbereichs zu tun, sondern viel mehr mit der Haltung. 

Gestern Abend haben wir wieder das remote Meetup How To Talk ausgerichet. Der Person, die das Konzept entwickelt und das Sprachtraining gehalten hat, fiel hinterher auf, dass sie im Vergleich zu sonst besonders ruhig und entspannt sprechen konnte. Und dass sie vorher brav genau die Ratschläge selbst befolgt hatte, die sie später den Teilnehmenden ans Herz legte. Heißt in diesem Fall: Atmung, Körperarbeit, sich in die eigene Stimme hineinzubrummen. (Eine Spezifizierung des Brummens gibt’s im nächsten Meetup.) Vielleicht ist euch bereits klar, dass es sich hierbei um den Menschen handelt, der auch diese Kolumne schreibt. 

Die Sache mit dem Ernstnehmen

Deshalb, first hand information: Hört. Auf. Eure. Eigenen. Ratschläge. Auch und gerade, wenn ihr Expert*innen in einem Bereich seid. Hört nicht auf zu lernen, nur weil ihr etwas schon könnt. Das ist eine Form von Respekt vor den anderen, vor den eigenen Inhalten und vor sich selbst. Wir können nicht erwarten, dass andere Menschen unsere Inhalte ernst nehmen, wenn wir es selbst nicht tun. Wir wissen das. Und vergessen es trotzdem so oft.

Vielleicht hilft ein schmerzhafter Vergleich aus dem Alltag: Egal, ob wir seit 15 Jahren joggen gehen oder seit gestern: Wir schaden uns, wenn wir uns nicht vernünftig aufwärmen. (Anm. des Knies der Verfasserin.)

22. Mai 2020

Knontenanekdoten – Bella Ciao! Warum tut Entscheiden weh?

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro. Heute: Warum wir oft zu schnell, zu einfach oder zu kompliziert entscheiden.

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15. Mai 2020

Knotenanekdoten – Wirklicher wird’s nicht

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

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24. April 2020

Knotenanekdoten – Ab auf die Couch

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro. Heute: Warum Schüchterne remote neue Möglichkeiten ausprobieren können.

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17. April 2020

Knotenanekdoten – Manchmal wird’s halt nix

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro. Heute: Was dabei rauskommt, wenn nix rauskommt.

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10. April 2020

Knotenanekdoten – Wie sich unser Sprechen während Corona verändert

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro. 

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Feiertage also. Solche, die jedes Jahr passieren. Oder diese Kolumne. Die passiert auch jede Woche. Oder unser Biweekly beim Netzwerkknoten, das seit den Ausgangsbeschränkungen und demzufolge einer verordneten Fernbeziehung zu den Kolleg*innen zum Weekly wurde.  

Wir brauchen Rituale in Organisationen, wir brauchen es, gemeinsam zu lachen, zu feiern und zu reflektieren. Und wir brauchen es, miteinander zu sprechen. Nicht nur in Teamchannels, wobei die GIF’s und Emojis zugegebenermaßen schon schön sind. Um uns sicher und gehört zu fühlen, brauchen wir, dass aktiv jemand zuhört. Sprechen ist mehr als ein körperliches Äquivalent zum Drücken des Senden-Buttons einer Mail.  

Damit Menschen miteinander sprechen können, sichere Umfelder und großartige Ideen schaffen können, sich verständigen, egal wie “begabt” sie im Sprechen sind, haben wir ein Training entworfen. Darin beschreiben wir Sprechen als ein interaktives Modell aus vier verschiedenen Ebenen: die körperliche, die nonverbale, die verbale, die interaktive und alle stehen in Bezug zueinander.  

Alle können sprechen, egal welcher Persönlichkeitstyp

Da das Modell den eigenen Körper als Werkzeug mit einbezieht und mit der Außenwelt in Beziehung setzt, beschreibt es den Sprechprozess als absolut individuell und persönlich. So können alle, die etwas zu sagen haben, ihre Message rüberbringen. Egal, ob sie von ihrer Persönlichkeit eher kontaktfreudig, schüchtern oder je nach Tagesform eins von beidem sind.  

Um den relevanten Inhalt vermitteln zu können ist es wichtig, Sprechen als so viel mehr anzuerkennen als die durchsichtige Verpackung dieses Inhalts. Mit Techniken und Impulsen aus dem Dolmetschen, der Moderation und Stimmbildung haben wir ein Meetup zusammengestellt, das einige Kernaspekte aus dem Training herausgreift. Wegen Corona natürlich remote

Gewiss, die Zeit in einer Pandemie ändert fast alles, auch das Miteinandersprechen, vor allem das Wie des Miteinandersprechens. Wir können unsere virtuellen Teamtage, Remotemeetings und das Video-Osterfrühstück mit den Eltern so verstehen wie die Ellbogen-Checks als Ersatz für Umarmungen. Ist nicht das gleiche und physische Präsenz ist nicht ersetzbar, weder im Sprechen noch im Anfassen.  

Gleichzeitig ist das gerade die beste Lösung, die es gibt und das mit Überzeugung sagen zu können, ist verdammt viel. Wir wünschen Ihnen angenehme Feiertage! 

3. April 2020

Knotenanekdoten – Kein normaler Wahnsinn

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

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27. März 2020

Knotenanekdoten – Reden ist Silber, Schweigen ist bold

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Corona, Remote, Remote, Corona. Ist jetzt tatsächlich alles schon gesagt, nur nicht von jedem oder wurde im Grunde noch gar nichts gesagt? 

Keine Ahnung. Schweigen ist selten die Lösung für irgendetwas, zumindest nicht, wenn Dinge sich positiv verändern sollen. Reden hilft leider, und wir als Coaches geben das ungern zu, auch nicht immer. 

Was also tun in Zeiten wie diesen, in einer Situation, die uns kollektiv unbekannt ist? In der wir niemanden fragen können? Außer ein paar Schildkröten gibt es wahrscheinlich kaum atmende Wesen, die bei der letzten großen Pandemie auch schon am Start waren. Nun sind Schildkröten kein Referenzpunkt, da sie generell recht schweigsame Zeitgenossen sind, mit Pandemie oder ohne. 

Jokes beiseite, wie lässt sich mit der Situation umgehen, die gerade erst begonnen hat, ohne Distanzierungsmechanismen wie eben Humor oder wenig hilfreiche Strategien wie Verzweiflung oder die guten alten Apokalypse-Fantasien? 

Wieder: Keine Ahnung. Wird sich zeigen. Zu behaupten, Katastrophen passierten, damit wir alle mal was dazu lernen, relativiert das Leid, das sie für viele Menschen bedeuten. Gleichzeitig bleibt uns nichts anderes übrig, als irgendetwas daraus zu lernen. Vielleicht ist es gerade zu früh, um zu wissen, was. Dass remote technisch funktioniert wussten wir vorher übrigens auch. 

Also probieren wir, in dieser Zeit mehr als ohnehin schon, darauf zu achten, Beobachtung und Interpretation zu trennen. Mit dem Wissen, dass jede Interpretation immer – immer – von Vorerfahrung geprägt ist. Und wir haben wenig Erfahrung mit dieser Situation. Das zuzugeben fällt grundsätzlich schwer. 

Zuzugeben, dass eine Situation überfordernd ist, dass man gerade nicht wie sonst weiß, was zu tun ist, ist eine zeitlose Königsdisziplin der transparenten und effektiven Kommunikation. Etwas, das wir viel zu selten tun. Und jetzt haben wir Zeit zum Üben.

Viel mehr gibt es nicht zu sagen außer: Bleibt gesund.

20. März 2020

Knotenanekdoten – Atmen nicht vergessen

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben - und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Was für eine Woche. Quasi über Nacht hat sich so viel Fundamentales in unserer Arbeit, unserem Alltag geändert. Selbst die von uns, die schon länger bestimmte Ideen oder Prognosen parat hatten, konnten nicht wissen, wie es sich anfühlen wird. Eine Woche liegt hinter uns, in der wir teilweise mehr über uns gelernt haben, als wir verarbeiten können.

Unsere Organisation arbeitet mit Systemischem Agile Coaching. Da war uns vorher auch schon klar, jetzt haben wir dann am eigenen Körper gemerkt, was das für unser Sein und Handeln bedeutet. Unser vom Agilen Denken geprägtes Mindset hat sofort angefangen, individuell und situativ bedingte Lösungen und die Wege dahin zusammenzutragen. Wie auch sonst in unserem Joballtag haben wir ein Problem festgestellt und unsere Erfahrungen und Vorstellungskraft nach möglichen Strategien abgesucht.
Gleichzeitig sind wir genauso Systemische Coaches und Fans der systemischen Zurückhaltung. Also beobachten wir viel, hinterfragen die Zielzustände und ihre Bedingungen und brauchen dafür die Kompetenz, die schwer fällt in Zeiten von Krisen: Geduld. Und Mut. Denn gerade in unsicheren Situationen fühlt sich ein Perspektivwechsel, der ja immer ein Blick ins Unbekannte bedeutet, zunächst immer an wie ein Sprung vom Zehnmeterbrett.

In der gemeinsamen Wertearbeit und unseren Reflektionen zur gemeinsamen Entscheidungsfindung haben wir festgestellt, dass wir als selbstorganisiertes Team lieber beherzte Entscheidungen treffen und diese hinterher reflektieren als zu lange nicht zu handeln.

Jetzt, mit COVID-19, der Isolation und Ungewissheit, spüren wir deutlicher denn je die verschiedenen Herzen in unserer Brust. Wir sind geübt darin, schnell zu handeln und doch auf sorgfältige Beobachtung und besonnenes Hinterfragen bedacht. Das kann manchmal ganz schön unruhig machen.
Sonst, wenn’s mal ungemütlich wird, sagen wir ja auch immer, dass man arbeiten muss mit dem, was da ist. Und dass das oft schon eine ganze Menge ist. Also versuchen wir derzeit, wie gewohnt ressourcenorientiert vorzugehen und die Organisationen, die wir begleiten bei ebendem zu unterstützen. Auch wenn die Situation neu ist, die Haltung bleibt die gleiche: Wir glauben an transparente Kommunikation, weitestgehend persönlichen Austausch, realistische Liefereinschätzungen, ein händelbares Backlog, Selbstverantwortung, Verbindlichkeit und vor allem Sinnhaftigkeit. Weil wir glauben, dass es einen Sinn hat. Vielleicht nicht unbedingt in dem Sinne, dass jeder Katastrophe einen positiven Zweck haben muss, aber dennoch darin, dass es hilfreiche und auch lehrreiche Handlungen in jeder Situation geben kann. Und wir wollen uns vor allem auch alle gegenseitig unterstützen, beim Einkaufen und beim Arbeiten, damit wir uns darauf freuen können, bald wieder im Büro Meetings halten so können, miteinander lachen, feiern, streiten und uns umarmen zu dürfen. Und bis dahin: Hände waschen, Skypen, Atmen nicht vergessen.

13. März 2020

Knotenanekdoten – Wie agile Teams auch im Homeoffice funktionieren

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben - und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Die aktuellen Entwicklungen von COVID-19 bewegen immer mehr Organisationen dazu, ihre Mitarbeiter*innen ins Homeoffice zu schicken. Letzte Woche haben wir dazu geschrieben, dass nach teils jahrelangen Diskussionen quasi über Nacht technische Lizenzen eingerichtet wurden und über die potenziellen Konsequenzen für die Arbeitswelt.

Heute widmen wir uns der Frage: Wie geht das eigentlich? Wie können gerade agile Teams, deren Arbeit sich stark auf persönlichen Austausch stützt, auf einmal per Videokonferenz zufriedenstellend und zielorientiert zusammenarbeiten? Unsere Kollegin schlägt vor: "Keep the interpersonal Austausch alive". Aus unserer aktuellen Arbeit mit verschiedenen Organisationen sind wir mit der Thematik bereits bestens vertraut. Konkret bedeutet das, wir arbeiten bereits remote mit unseren Teams an Dailys, Retros und Reviews.

Also haben wir uns entschieden, unsere Beobachtungen und Learnings, wie agile Strukturen und Sprintstrukturen aufrechterhalten werden können, zusammenzutragen. Kontaktieren Sie uns gerne, wenn Sie Unterstützung brauchen, sei es in Form eines Workshops oder direkter Moderation bei den Meetings.

Wir wissen, dass die schnelle Umstellung zunächst etwas überfordernd wirken kann. Gleichzeitig zeigt unsere Erfahrung, dass ein paar kleine Know-hows schon enorm weiterhelfen können. Zum Beispiel ändert sich das Ergebnis unmittelbar, wenn auf kleine Dinge Aufmerksamkeit gelegt wird. So hilft es etwa ganz banal, die Kamera einzuschalten, statt nur über Telefon miteinander zu sprechen. Die Gesichter der Kolleg*innen zu sehen schafft gerade in unvorhergesehenen und demzufolge bedrohlich wirkenden Zeiten Sicherheit – Stichwort Psychological Safety.

Wir freuen uns von Ihnen zu hören und stellen hier auf unserem Blog in den nächsten Wochen unsere Methoden und Hilfestellungen zur Verfügung. Ganz ohne Händeschütteln.

6. März 2020

Knotenanekdoten – Corona remote

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben - und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Ja, wirklich. Ein Corona-inspirierter Artikel. Wir vom Netzwerkknoten wollen uns nicht in die Riege zahlloser Expert*innen einreihen, sondern unsere Beobachtungen teilen, wie Unternehmen mit möglichen Krisensituationen umgehen.

Wir wissen von Organisationen, die über Nacht Homeoffice für ihre Mitarbeitenden eingerichtet haben, für den Fall, dass es nötig ist. Auch zu Zeiten von New Work ist remote Arbeiten immer noch ein viel diskutierter Bereich. Die Frage, ob auf den Wunsch vieler Arbeitnehmer*innen nach mehr Flexibilität eingegangen wird oder nicht. Wie die nun mit der plötzlichen technischen Möglichkeit und der damit einhergehenden, genauso plötzlichen Freiheit umgehen, wird eine interessante Beobachtung sein.

Die Situation eröffnet auch die Frage, wie Firmen dann hinterher damit umgehen – werden im Nachhinein Lizenzen dann wieder entzogen oder folgt ein Umstrukturieren der Prozesse? Generell lohnt es sich, Organisationen im Krisenmanagement zu beobachten. Das gibt Aufschluss über die Möglichkeiten, Prioritäten und logistischen Wege.
Vor allem zeigt sich in Krisensituationen, in denen unter Druck entschieden werden muss, welche Maßnahmen durch Dringlichkeit erreicht werden können und welche schlicht nicht möglich sind. Eine unserer Kolleginnen konnte zum Beispiel etwas beobachten, was sie den "ABBA-Effekt" nennt. Der Begriff geht auf die Tatsache zurück, dass die beiden verheirateten Paare innerhalb der Band stets geschlechtergetrennt durch die Welt flogen. Der Hintergedanke war, dass im Falle eines Flugzeugabsturzes die Kinder noch ein Elternteil behalten.

Die konkrete Situation aus dem Arbeitsalltag war nun eine Organisation, die sich im Zuge des Krisenmanagements dazu entschied, die verschiedenen Abteilungen räumlich zu mischen. Heißt: Während vorher gesamte Abteilungen in einem Gebäude arbeiteten und andere in einem zweiten, werden die Teams nun durchmischt. Sollte ein Gebäude nun betroffen sein, können die Arbeitsabläufe dennoch von den Teammitgliedern im anderen Gebäude weitergetragen werden. Quasi über Nacht entstanden so etwas wie crossfunktionale Gebäude, wenn auch natürlich keine crossfunktionalen Teams.

Räumliche Flexibilität und auch das Arbeiten in teilautonomen Einheiten sind alles Thematiken, die in der Debatte um New Work eine Rolle spielen. Wir vom Netzwerkknoten wollen gar keine Prognosen anstellen, sondern dazu einladen, die Entwicklungen in Organisationen gerade in Krisensituationen zu beobachten. Denn sie können aufschlussreiche Lösungsoptionen aufzeigen, die auch in Situationen greifen, die zunächst weniger dramatisch scheinen und deren Dringlichkeit sich nicht aus einer physischen Bedrohlichkeit generiert. Das gilt selbstverständlich für jegliche Situationen, die außerhalb von SARS-CoV-2 unter den Begriff Krisenmanagement fallen, da jede Krise ein schwereres Problem darstellt, dessen Lösung einen Perspektivwechsel erfordert.

28. Februar 2020

Knotenanekdoten – Wenn Werte weh tun

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Seit einigen Wochen beschäftigen wir uns beim Netzwerkknoten intensiv mit dem Thema Werte. Wir glauben, dass die eigenen Werte und die der anderen zu kennen, ein wichtiger Grundstein für wertschätzende Kommunikation und Perspektivwechsel sind. Heißt, sie sind elementar für das Selbst- und das gegenseitige Verständnis in der Organisation. In der gemeinsamen Wertearbeit haben wir herausgefunden, dass unserem Team einige Werte ganz besonders wichtig sind.

Sinnhaftigkeit, Vertrauen, Aufrichtigkeit und Aufgeschlossenheit. Das sind jetzt zunächst einfach Wörter. Buchstabenkombinationen, die wir in Klänge und Vorstellungen übersetzen können. Die wir verstehen, weil wir die jeweilige Sprache beherrschen, über kognitive Repräsentationen und einen geteilten Bedeutungskontext verfügen. Mit dem Sprechen über Werte (oder jegliche andere zunächst nicht fassbaren Konzepte) manifestieren diese sich erst in der Realität.

Gleichzeitig bleibt hier das Problem, dass Worte keine Taten sind, sondern sie maximal zu Taten werden können. Diese Schwelle vom Wort zur Tat ist gerade in der Wertearbeit oft herausfordernd. Anstrengend. Unkomfortabel. Gleichzeitig befreiend und wahnsinnig sinnstiftend. Und niemals ohne Konsequenzen. Über unsere Sprache unterteilen wir die Werte in einzelne, abgrenzbare Begriffe. In der Realität sind sie alle miteinander verhakt, bedingen sich und bringen sich gegenseitig hervor – und manchmal stehen sie auch im Konflikt zueinander.

Wir brauchen Mut, um etwas zu verändern

Bleiben wir bei unserer Aufzählung von Sinnhaftigkeit, Vertrauen, Aufrichtigkeit und Aufgeschlossenheit. Vertrauen basiert auf Aufrichtigkeit, gleichzeitig kann sich Aufrichtigkeit unkomfortabel anfühlen. Um Sinnhaftigkeit in der Zusammenarbeit beizubehalten, ist es manchmal nötig, sich in die Augen zu schauen und zu sagen, was gerade einfach nicht läuft. Keine so angehnehme Aufgabe. In diesem Zwischenraum, dem Konflikt zwischen mehreren Werten, wächst ein neuer: Der Scrum Wert Mut.

Wir brauchen Mut, um unsere Ansichten zu teilen. Genauso brauchen wir Mut (und Aufgeschlossenheit), sie zu hören. Wir brauchen Mut (und Vertrauen), um uns auf eine gemeinsame Basis zu verlassen, auch wenn’s gerade so richtig wackelt. Ein Kollege etwa, der offen einen Konflikt im Kundensystem anspricht, der sehr unangenehm ist und gegebenenfalls zur Eskalation führen kann. Oder auch der Mut, den Status Quo zu hinterfragen, auch wenn es unangenehm ist als Agile Coach und für das System.

An dem Beispiel wird deutlich, dass Wertearbeit kein emotionales Scrabble ist, wo einfach irgendwelche passenden Worte aneinandergelegt werden, sondern eine ständige Entwicklung, die physisch und zwischenmenschlich erlebbar wird. Ohne beobachtbare, hörbare, erfahrbare Umsetzung hat sie keinen Sinn.Die Arbeit lohnt sich unserer Erfahrung nach. Ob für die Arbeit als Coaches, im Team, als Trainer*innen oder einfach so im Leben: Für ressourcenorientiertes Arbeiten und Perspektivenwechsel ist das Kennen der Werte so wichtig, weil schon die Reflexion zu ihnen eine Haltung formt. Und die Haltung bedingt die Perspektive auf die Welt.

Wir können also versprechen, dass Wertearbeit etwas verändert. Immer. Veränderungen machen manchmal Angst und deshalb brauchen wir auch hier wieder unseren Wert der Woche: Mut. Und wissen Sie was? Es lohnt sich.

Wenn Sie Interesse daran haben zu erfahren, wie sich das hier Beschriebene in der Praxis gestaltet und umsetzen lässt, laden wir sie herzlich zu unserem Meetup "Werte-Workshop" am 26. März 2020 in unseren Büroräumen im Prenzlauer Berg ein.

21. Februar 2020

Knotenanekdoten – Einfach mehr denken

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

„Was wir so nicht nochmal machen würden“ ist ein Teil unserer Knotenanekdoten. Was uns vor Kurzem unterkam: Die gute alte Idee, viele von uns könnten unter Deadline-Druck gut arbeiten. (Das ist übrigens eine der Ideen mit Haltbarkeitsdatum – ab dem 25. Lebensjahr absolut ungenießbar.)

Viele Menschen sind durch die verschiedenen Stationen des Lernens – also Schule, Ausbildung oder Studium und Projektarbeit – an einen bestimmten Ablauf gewohnt. Grob skizziert sieht der so aus: Große (Be-)Denkzeit, langes Schweigen, ran an die Arbeit, Feedback, Nicken, fertig. Nächstes Projekt.

Wir wurden vor Kurzem daran erinnert, dass das nicht unbedingt der optimale Weg ist. Ein Blogartikel war geschrieben, bebildert, bereit für die Feedbackschlaufe. Zeit gab’s nicht so richtig. Dafür Impulse, die das Thema vertieft haben und zu einer Umstrukturierung einluden. Und da war sie schon, die Deadline. War stressig und nicht optimal und erfüllte doch die Kriterien eines weiteren Bestandteils dieser Kolumne:

„Was wir gelernt haben“

  • Feedback ist kein Haken, den wir artig am Ende einer Aufgabe abfeiern. Stattdessen verflüssigt Feedback potenziell immer Prozesse. Heißt:
  • Zeit zum Denken sollten wir uns nicht nur in der Brainstorming-Phase gönnen. Sondern als festen Bestandteil im gesamten Verlauf eines Prozesses mit einplanen.
  • Feedback ist ergebnisoffen.Manchmal erhält es den Status Quo und manchmal rüttelt es alles um. Eine mögliche Repriorisierung kann immer stattfinden.

Im agilen Arbeitskontext kann das heißen, dass nach dem Review sich für den kommenden Sprint sich tatsächlich etwas ändert. Mal eine Story, mal "der ganze Plan". Und so haben wir an der Erfahrung wieder aufs Neue verstanden, dass inkrementelles Arbeiten bedeutet, dass Ideen immer wieder verfeinert und angereichert werden, mehrere Blicke und Perspektiven sie bereichern und dass die verschiedenen Schlaufen von Zeit leben. Und zwar sowohl bei sichtbaren Tätigkeiten aka jemand sitzt am Laptop und tippt oder am Tablet und visualisiert. Und eben auch die Zeit, in der ein Gegenüber nichts passieren sieht außer vielleicht in den Augen. Die Momente also, in dem das Feedback nachwirkt, unbewusst oder bewusst verarbeitet und eingeordnet wird.

Für viele von uns fühlt sich dieses augenscheinliche Nichtstun oft konterintuitiv an. Und das alleine ist schon ein Grund, es mal auszuprobieren. Komfortzone, Perspektivwechsel und so.

14. Februar 2020

Knotenanekdoten – Warum Emotionale Intelligenz alleine nicht reicht

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Wir arbeiten die ganze Zeit mit Menschen, unser Lieblingskompliment (hint!) ist: „Ihr seid als Menschen zu uns gekommen, nicht als Berater*innen.“ Menschlichkeit ist unser Wunsch, Ziel und Anspruch. Und einfach unser Arbeitsinhalt. Wir arbeiten mit Menschen, den ganzen Tag, jeden Tag, immer.

Dabei passiert es, dass man Menschen kennenlernt. Einige davon. Vielleicht haben wir oder ihr schon mal den Satz gehört oder benutzt, jemand habe „richtig Menschenkenntnis“. Seit einiger Zeit ist es (zum Glück) angesagt, Emotionen nicht als lästiges Nebenprodukt der eigentlichen Tätigkeit zu sehen, sondern als Teil und Wegweiser menschlichen Seins und Handelns. Emotionale Intelligenz wurde wichtig. Gerade Menschen, die mit Menschen arbeiten, verweisen gerne auf ihre Emotionale Intelligenz als Skill. Die Stimmung im Raum spüren, nonverbale Signale einordnen, wissen, wie andere sich fühlen, gerne geclustert unter dem Begriff „Empathie.“

Klar, Emotionale Intelligenz ist ein wichtiger Skill. Gleichzeitig bleibt wichtig, sich nicht auf der eigenen Wahrnehmung auszuruhen. Personen mit feinen Antennen haben nicht automatisch Fähigkeit, Wahrnehmung, Beobachtung und Interpretation auseinanderzuhalten. Emotionale Intelligenz alleine ist keine Kompetenz, die für sich alleine ausreicht. Eher ist sie eine Unterstützung, um Kommunikation auf einer anderen Ebene herzustellen. Das ist oft ungemütlich, braucht Mut und Proaktivität. Dann kann die sogenannte „Menschenkenntnis“ wirklich als Ressource genutzt werden.

Menschen und Situationen sind komplex, all unsere Interpretationen und Einschätzungen zu ihnen sind immer subjektiv geprägte Hypothesen, die es zu überprüfen gilt. Beispielsweise kann das Bauchgefühl, jemand wolle nicht mit einem reden ja korrekt sein, die Interpretation „Weil sie mich nicht leiden kann“ aber absolut falsch.

Also völlig unabhängig davon, ob wir uns als besonders empathisch und menschenerfahren einschätzen, wir alle müssen immer kurz aus der Komfortzone raus, das Gespräch suchen, unsere Beobachtungen teilen, unseren Standpunkt erklären und uns damit immer ein bisschen sichtbar, verwundbar machen. Nur über den Dialog schafft Emotionale Intelligenz einen Mehrwert und verharrt nicht in der Passivität.

Heute im Meeting haben wir über unsere Berufswünsche als Kinder gesprochen. Mehrere von uns hatten Entdecker*in oder Archäolog*in genannt. Und so wie wir uns als Kinder vorgestellt haben, wir würden jeden Stein umdrehen und hinter jede Mauer schauen, um zu sehen, was dahinter liegt, so versuchen wir heute als Coaches, immer wieder in unsere eigenen Selbstverständlichkeiten zu pieken. Zu schauen, was hinter vermeintlichen Wahrheiten liegt, was wir eigentlich meinen mit unseren Begriffen. Und Werten.

Wenn Sie mit uns über die Bedeutung beispielsweise von Werten sprechen wollen – am 26.3. sprechen wir im Rahmen eines Meetups darüber, bei uns im Büro. (Anmeldung)

7. Februar 2020

Knotenanekdoten – Generation Why Not: Wofür machen wir das überhaupt?

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Das wird kein New Work Post über die nicht mehr so neue Generation Y, die, je nach Verfasser*in besonders anspruchsvoll, besonders intelligent, besonders anstrengend sei. Auch wenn wir fast alle genau dieser Generation der ab 1980 bis in die Mitte der Neunziger Geborenen angehören. Wir glauben nicht an absolute Wahrheiten. Wir lieben Hinterfragen. Wir lieben den Simon Sineks Titel „Start With Why.“ Und, ach was, wir lieben agiles Arbeiten, sinnvolle Prozesse und bewusste Entscheidungen. Einer unserer Lieblingswerte im Unternehmen ist Sinnhaftigkeit. Da liegt nahe, dass wir gerne mal fragen „Warum?“.

Stimmt nicht ganz. Viel lieber als „warum?“ fragen wir „wofür?“. Vielleicht haben es schon die einen oder anderen bemerkt: Wir denken gerne über Sprache nach, schließlich ist sie eines der wichtigsten Werkzeuge in unserer täglichen Arbeit miteinander und mit den Kund*innen. Sie bedingt unsere Haltung. „Wofür“ orientiert sich am Zielzustand, behält das gewünschte Ergebnis im Blick und beinhaltet außerdem die schönste Präposition der Sinnhaftigkeit, nämlich „für“. Linguistisch betrachtet beschreibt „für“ das Förderliche einer Sache („Ich mache es für meine Familie“), bezeichnet ein Ziel („Ich spare für die nächste Reise“) und auch Zugehörigkeit („Ein Job für alle, die Kreativität leben wollen“).

Toll. Nicht nur für die Grammatik-Nerds unter uns ist die Frage nach dem Wofür bereichernd. Sie ist wichtig in der Kommunikation mit und über die Mitarbeiter*innen und Arbeitsabläufe und macht Prozesse erklärbar, da sie weniger anfällig ist für Rechtfertigungsschlaufen. Beispiel: Auf die Frage, warum ein bestimmtes Training sinnvoll ist, ist die Antwort „Weil es vorher überhaupt nicht lief“ möglich.  Ein Umändern des Warums in ein Wofür hebelt eine solche, wenig motivierende Erklärung aus und schafft Raum für Reflexion und Zielorientierung. Also zum Beispiel „Weil wir uns wünschen, mit Hilfe von Retros einen besseren Überblick über das Erreichte zu bekommen und so unser weiteres Vorgehen sinnvoller gestalten wollen.“

Im Übrigen ist auch der negativierte Effekt von Warum und Wofür sehr interessant. „Warum nicht?“ kann einerseits einen gekränkten Beigeschmack tragen, vergleichbar mit Kindern, die keine weitere Folge irgendeiner Serie, die Kinder heutzutage gucken, anschalten dürfen. Oder den eines resignierten Schulterzuckens à la „Warum nicht, geh‘ ich halt zu dem langweiligen Workshop, schaden kann’s ja nicht.“

„Wofür nicht“ ändert dagegen die komplette Haltung. Um sinnhaft, intentional, motiviert und vorausschauend zu entscheiden, ist die Frage nach dem Wofür genauso relevant wie die nach dem Wofür nicht. Und sie ist ein notwendiger Realitätscheck, welche Zielzustände mit einer Methode erreicht werden können und welche eben nicht.

Diese Kolumne verabschiedet sich hiermit bis zur nächsten Woche und denkt intensiv darüber nach, wofür wir brennen. Und ist erleichtert, nicht darüber nachdenken zu müssen, warum wir brennen, denn das klingt irgendwie lebensbedrohlich. Also ciao, bis nächsten Freitag.

24. Januar 2020

Knotenanekdoten – Agile ist kein Substantiv

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Agile. Tolles Wort. Wer es oft genug benutzt, weiß, welche Wirkung es auf Augen hat: Von erleichtertem Aufblitzen über Rollen hin zu sich zu Fragezeichen krümmenden Pupillen, agile liefert alles. Wir benutzen das Wort oft genug. Agile ist kein Ponyhof, kein bunter Blätterwald, kein Pflichtprogramm, alles schon besprochen.

Was ist es denn dann? In der vergangenen Woche haben wir uns viel damit beschäftigt, inwieweit Sprache Realität schafft. Dabei geht es nicht um einzelne Wörter, die wir weglassen und ihre vorgeformten Lücken mit neuen füllen. Es geht darum, neu sprechen zu lernen, neu denken zu lernen. Dafür hilft Grammatik, da sie das Gerüst bildet, die Muster und Regeln und Formen, innerhalb derer wir Beobachtungen strukturieren und weitervermitteln können. Dabei dürfen einzelne Wörter manchmal auch gerne dieselben bleiben. (Wer jetzt nach der vorherigen Kolumne auf Erlösung hofft: Im Falle von „Aber“ gilt das nicht!)

„Du bist jetzt agile“, hat unser Kollege vor Kurzem überhört. Kennen Sie jemanden, der oder die agile ist? Was soll das bedeuten, haben wir uns gefragt. Mit der Brille der realitätsschaffenden Sprache und der agilen Annahmen betrachtet würde das heißen, dass „agile“ ein Adjektiv oder Substantiv und somit ein feststehender Zustand ist. Das Grundprinzip der Materie: Wasser ist Wasser, weil es eben nichts anderes ist. Wenn ich A bin, kann ich nicht gleichzeitig nicht A sein. Ein Hund kann nicht gleichzeitig eine Katze sein, ein Kind kein Erwachsener. Soweit sehr logisch. Demzufolge kann agile schon mal kein Substantiv sein, weil wir immer viel mehr sind als das und agile weder als Persönlichkeitseigenschaft noch als Identität noch als Zuschreibung wirken kann.

Interessanter wird es bei der Frage nach Adjektiven: Eine Erwachsene kann nämlich sehr wohl kindisch sein, ein Kind sehr erwachsen. Man kann tatsächlich zugleich klug und albern sein, nicht aber klug und nicht klug.

Nun beschreibt Agilität eine Form der Arbeitsorganisation, deren Zielzustand unter anderem Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und schnelle Umsetzung in kurzen iterativen Zyklen ist. Ein Verständnis von agile als Substantiv kann schnell dazu führen, dass die Menschen, die – häufig von außen – dazu ermutigt werden, das Wort dann als einen Anzug empfinden, der über sie drüber gegossen wird, á la: „Alles, was Du vorher gemacht hast, war Müll. Jetzt bist Du agile.“ Adjektive wiederum sind in der Regel steigerbar. Ebenfalls ein sehr ungünstiges Mindset für erfolgreiches und sinnvolles agiles Arbeiten: „Du bist agiler als Steffi, aber am alleragilsten sind natürlich wir.“ Nee, wirklich nicht.

Worauf wir hinauswollen? Nun, wir möchten ein Verständnis von Agilität als eine Form von Haltung und somit Verhalten promoten. Um bei den grammatikalischen Analogien zu bleiben: Begreifen wir agile doch als Verb. (Von verkrampften Neologismen wie „agilieren“ sehen wir beflissentlich ab.) Agile ist also eine Art des Handelns, des Denkens, Sprechens, Begreifens, die aber auch Raum lässt für Mehrdeutigkeit, Pluralismus und Herangehensweisen. Sollte zumindest.


Mit der Annahme, dass Sprache Realität schafft, hilft uns das Verständnis von agile als Verb oder ganz grundschulmäßig „Tun-Wort“, eine Haltung aktiv vorzuleben und zu vermeiden, dass Menschen sich ohne Rücksicht auf individuelle Passung in eine methodische Schablone gepresst fühlen. Außerdem ist es sogar dringend nötig, um Personen, die bisher nicht agil gearbeitet haben, auf Augenhöhe zu begegnen. Und, um Widersprüchlichkeiten anerkennen, aushalten und gegebenenfalls lösen zu können. Ein Beispiel: Wenn eine Person gleichzeitig konträre Adjektive verkörpert, zum Beispiel liebevoll und aggressiv, ist das mental kaum integrierbar. Wenn sie hingegen gleichzeitig am Steuer sitzt und bei 120 Stundenkilometern durch Instagram scrollt, ist das zumindest kognitiv erfassbar, sprich: Es lassen sich für konträres Verhalten Lösungen finden. Das Gleiche gilt auch für sämtliche Verhaltensweisen in einer Organisation.

Und, das allerwichtigste: Tun, also Verhalten ist erlernbar, veränderbar, endlich, erträgt Pausen, Neuversuche und beeinflusst, aber bestimmt nicht die eigene Identität. Und mit diesem Ansatz, so versprechen wir uns, erfüllt agile und konkret unsere Arbeit, ihren Zweck: Teams dabei zu unterstützen, sinnvoll, sinnhaft und freudvoll miteinander zu arbeiten.

17. Januar 2020

Knotenanekdoten – Schluss mit dem Ge-Aber

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer


Kennen Sie folgende Situation: Ihr Gegenüber sagt etwas. Irgendetwas. Sie halten das Gesagte für absoluten Blödsinn. (Kennen Sie sicher!) Sie schnappen nach Luft, hören die eigene Stimme „Aber, aber ...“ sagen und wissen gar nicht, was nach dem „aber“ kommen soll? Ja, haben die meisten von uns schon erlebt. Ist nicht schlimm. Bringt halt nicht viel.


Karl Bredemeyer hat diese Woche einen Artikel auf unserem Blog publiziert, der sich gegen die Verwendung von „Abers“ ausspricht. Wie er darauf kommt? Klassische Beispiele sind Ansagen wie „Ich finde deine Idee gut, aber…“ oder „Ich will mich ja nicht einmischen, aber…“. Nach den Regeln der reinen Logik lösen sich die Satzteile vor und nach dem Komma im Grunde selbst auf. Entweder man will sich nicht einmischen und schweigt. Oder man will sich einmischen und spricht. Simpel. Und wenn die Idee gut ist, ist sie gut und muss nicht relativiert werden. „Find ich toll, aber…“ als Einleitung einer Kritik ist lediglich eine Floskel oder ein sehr falsch verstandener Ansatz gewaltfreier Kommunikation.


Karl schlägt stattdessen die Verwendung von gleichzeitig und und vor. „Es ermöglicht die friedliche Koexistenz mehrerer Ideen, ohne einem die Möglichkeit zu nehmen, die eigene Meinung deutlich zu machen“, sagt er. Friedliche Koexistenz, das klingt zunächst ganz flauschig. Wenn Sie versuchen, mal einen Text ohne „aber“ zu schreiben oder sich den Wecker für eine „aberfreie“ Stunde stellen, werden Sie feststellen, dass es teilweise fast körperlich unangenehm werden kann. Das mag daran liegen, dass sich mit dem ständigen Gebrauch von „aber“ ein dichotomes Weltbild in unserer Sprachpraxis äußert. Entweder jemand ist gut oder schlecht. Wenn kluge Menschen etwas Dummes tun, hören sie: „Hä, aber du bist doch so schlau.“ Wie oft sagen Nachbar*innen in Interviews über soeben identifizierte Gewalttäter*innen, der Mensch sei doch „aber immer so freundlich gewesen.“

Wertschätzung verträgt kein "Aber"

Das Weglassen von „aber“ und die Verwendung von „und“ ist zunächst so unangenehm, weil wir grammatikalisch und somit auch physisch aushalten müssen, dass jemand eben immer freundlich Guten Tag sagen und gewalttätig sein kann. Dass ein Projekt bereichernd und kräftezehrend sein kann. Dass Sonnenschein im Januar die Laune hebt und die Klimakrise genau das Gegenteil dessen tut.


In der Psychologie gibt es das schöne Wort „Ambiguitätstoleranz“. Es bezeichnet die Fähigkeit, Vieldeutigkeit und Unsicherheit zur Kenntnis zu nehmen und ertragen zu können. Soziologisch gilt die Ambiguitätstoleranz als ein Sozialisierungsergebnis, das in einer Gesellschaft mit unterschiedlichen Bedürfnissen notwendig ist. Für unseren Kontext als Agile Coaches in der Organisationsentwicklung bedeutet das: Das Weglassen von „Aber“ ist keine rhetorische Kür, sondern essenziell für unsere Werte bei der Arbeit mit unseren Kund*innen und in unserem Team. Wir haben mehrmals herausgearbeitet, dass wir Wertschätzung als Grundlage für gelingende Arbeit brauchen und wollen. Dafür benötigen wir psychologische Sicherheit für alle Beteiligten und eben die von Karl beschriebene „friedliche Koexistenz mehrerer Ideen“ und gleichzeitig die Garantie, mit der eigenen Position gesehen zu werden. Wir begreifen die Welt und ihre Wertigkeit in Sprache. Zeigt sich daran, wenn wir aufhören, bestimmte Bezeichnungen als Schimpfworte zu benutzen. Oder eben, wenn wir aufs „Aber“ verzichten und der Winkel auf einmal wesentlich größer wird.


Als letztes Beispiel muss hier das tausendfach zitierte Berlin sei "arm, aber sexy" herhalten. Was soll das eigentlich heißen? Dass Sexiness Armut kompensiert? Oder finden wir da die Grundannahme, wer arm ist, könne eigentlich nicht sexy sein? Wir schlagen vor: "Arm und sexy." Hier sehen wir gleichzeitig die Ressourcen, das Potenzial und die Engpässe. Tauschen Sie die Wörter gegen Zuschreibungen aus dem eigenen Kontext und Sie werden sehen: Aberfreiheit macht die Welt ein wenig komplexer und (nicht aber!) vervielfacht den Raum der möglichen Lösungen von Problemen. Probieren Sie’s doch mal aus.


P.S. Die Person hinter dieser Kolumne ist sehr aberistisch veranlagt und hat eigens hierfür auch dieses Wort erfunden. Und den perfekten Aber-Hack von ihrer Urgroßmutter übernommen: Wenn die gefragt wurde, ob sie noch etwas Zucker in ihren pappsüßen Kaffee wollte, strahlte sie übers ganze Gesicht und rief: „Aber ja!“

10. Januar 2020

Knotenanekdoten – Warum wir 2020 mit Meetups beginnen

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben - und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Die Anfänge eines neuen Jahrzehnts sind immer am anstrengendsten. Nicht, weil es wegen einer neuen Zahl hinter der 20 plötzlich viel mehr zu tun gäbe. Aber überall – ü-ber-all – hagelt es Ratschläge, wie die nächsten zehn Jahre richtig zu beginnen sind, was zu vermeiden und was zu beachten ist. Wir halten es da gerne ein bisschen realistischer und dennoch für eine ausgezeichnete Idee, das Jahr mit etwas zu beginnen, das Spaß und Energie bringt. Und zwar für uns und andere. Also haben wir gestern zu uns ins Büro eingeladen für das Meetup Muster in Organisationen erkennen, unterbrechen und neu etablieren.

Spaß und Energie sind nicht die einzigen Gründe dafür. Tatsächlich lieben wir Gäste in unserem Büro, mit denen wir unser Essen, unsere Getränke und unsere Gedanken teilen können. Im vergangenen Jahr wurden wir immer wieder gefragt, ob wir auch Netzwerkevents machen. Und dachten uns: Wer schon so fragt, kriegt auch Netzwerkevents. Außerdem mögen wir Projekte bei uns zu Hause, also in Berlin und haben Lust darauf, die Menschen kennenzulernen, die sich mit den gleichen Themen beschäftigen wie wir.

Weil wir im Dezember in unserer gemeinsamen Wertearbeit herausgefunden haben, dass Verbindlichkeit dabei für uns eine übergreifende Rolle spielt, haben wir uns dazu entschieden, die Meetups nicht kostenlos auszurichten. Mit dem Betrag von 30 € wollen wir unseren Beitrag zu dem Wert leisten. Unser Raum ist nicht riesig und es wäre schade, wenn wir interessierten Menschen absagen müssten und dann zu fünft um unseren gedeckten Tisch säßen. Für die, die auch Interesse an unserer Ausbildung zum Systemischen Agile Coach haben, wird der Betrag gutgeschrieben.

Der Abend war so schön, dass wir bald ein neues Beisammensein planen. Unsere Kollegin Elisabeth richtet dann am 6. Februar 2020 das Meetup Ein Blick in Eure Motivation und die Eurer Teamkolleg*inne aus. Da wird es dann darum gehen, die eigenen Werte besser kennenzulernen und zu erfahren, was diese im Teamkontext ausmachen. Wir freuen uns wie ein Schnitzel, mit unseren eigenen, frisch gedruckten Wertekarten arbeiten zu können. Außerdem wollen wir vermitteln, wie sich die Methode dann in Ihre individuellen Workshops und Teamarbeit integrieren lassen.

Wir freuen uns darauf, bei Wein und Tapas Einblick in unsere Praxis zu geben und uns mit Ihnen über neue Ideen und Kontexte auszutauschen. Aktuelle Entwicklungen und das Netzwerk finden sie hier. Wir freuen uns auf ein fantastisches Jahr mit Ihnen und auf eine fette Ladung an Wissen, Austausch und Bewegung

   © Netzwerkknoten Unternehmensberatung GmbH 2020