Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Wir arbeiten die ganze Zeit mit Menschen, unser Lieblingskompliment (hint!) ist: „Ihr seid als Menschen zu uns gekommen, nicht als Berater*innen.“ Menschlichkeit ist unser Wunsch, Ziel und Anspruch. Und einfach unser Arbeitsinhalt. Wir arbeiten mit Menschen, den ganzen Tag, jeden Tag, immer.

Dabei passiert es, dass man Menschen kennenlernt. Einige davon. Vielleicht haben wir oder ihr schon mal den Satz gehört oder benutzt, jemand habe „richtig Menschenkenntnis“. Seit einiger Zeit ist es (zum Glück) angesagt, Emotionen nicht als lästiges Nebenprodukt der eigentlichen Tätigkeit zu sehen, sondern als Teil und Wegweiser menschlichen Seins und Handelns. Emotionale Intelligenz wurde wichtig. Gerade Menschen, die mit Menschen arbeiten, verweisen gerne auf ihre Emotionale Intelligenz als Skill. Die Stimmung im Raum spüren, nonverbale Signale einordnen, wissen, wie andere sich fühlen, gerne geclustert unter dem Begriff „Empathie.“

Klar, Emotionale Intelligenz ist ein wichtiger Skill. Gleichzeitig bleibt wichtig, sich nicht auf der eigenen Wahrnehmung auszuruhen. Personen mit feinen Antennen haben nicht automatisch Fähigkeit, Wahrnehmung, Beobachtung und Interpretation auseinanderzuhalten. Emotionale Intelligenz alleine ist keine Kompetenz, die für sich alleine ausreicht. Eher ist sie eine Unterstützung, um Kommunikation auf einer anderen Ebene herzustellen. Das ist oft ungemütlich, braucht Mut und Proaktivität. Dann kann die sogenannte „Menschenkenntnis“ wirklich als Ressource genutzt werden.

Menschen und Situationen sind komplex, all unsere Interpretationen und Einschätzungen zu ihnen sind immer subjektiv geprägte Hypothesen, die es zu überprüfen gilt. Beispielsweise kann das Bauchgefühl, jemand wolle nicht mit einem reden ja korrekt sein, die Interpretation „Weil sie mich nicht leiden kann“ aber absolut falsch.

Also völlig unabhängig davon, ob wir uns als besonders empathisch und menschenerfahren einschätzen, wir alle müssen immer kurz aus der Komfortzone raus, das Gespräch suchen, unsere Beobachtungen teilen, unseren Standpunkt erklären und uns damit immer ein bisschen sichtbar, verwundbar machen. Nur über den Dialog schafft Emotionale Intelligenz einen Mehrwert und verharrt nicht in der Passivität.

Heute im Meeting haben wir über unsere Berufswünsche als Kinder gesprochen. Mehrere von uns hatten Entdecker*in oder Archäolog*in genannt. Und so wie wir uns als Kinder vorgestellt haben, wir würden jeden Stein umdrehen und hinter jede Mauer schauen, um zu sehen, was dahinter liegt, so versuchen wir heute als Coaches, immer wieder in unsere eigenen Selbstverständlichkeiten zu pieken. Zu schauen, was hinter vermeintlichen Wahrheiten liegt, was wir eigentlich meinen mit unseren Begriffen. Und Werten.

Wenn Sie mit uns über die Bedeutung beispielsweise von Werten sprechen wollen – am 26.3. sprechen wir im Rahmen eines Meetups darüber, bei uns im Büro. (Anmeldung)