Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir verges­sen haben – und was wir ganz bestimmt nicht noch­mal machen. Jeden Frei­tag frisch aus dem Berli­ner Büro

Knoten­an­ek­do­ten — Die Frei­tags­ko­lumne vom Netz­werk­kno­ten. Grafik: Karl Bredemeyer

Das wird kein New Work Post über die nicht mehr so neue Genera­tion Y, die, je nach Verfasser*in beson­ders anspruchs­voll, beson­ders intel­li­gent, beson­ders anstren­gend sei. Auch wenn wir fast alle genau dieser Genera­tion der ab 1980 bis in die Mitte der Neun­zi­ger Gebo­re­nen ange­hö­ren. Wir glau­ben nicht an abso­lute Wahr­hei­ten. Wir lieben Hinter­fra­gen. Wir lieben den Simon Sineks Titel „Start With Why.“ Und, ach was, wir lieben agiles Arbei­ten, sinn­volle Prozesse und bewusste Entschei­dun­gen. Einer unse­rer Lieb­lings­werte im Unter­neh­men ist Sinn­haf­tig­keit. Da liegt nahe, dass wir gerne mal fragen „Warum?“.

Stimmt nicht ganz. Viel lieber als „warum?“ fragen wir „wofür?“. Viel­leicht haben es schon die einen oder ande­ren bemerkt: Wir denken gerne über Spra­che nach, schließ­lich ist sie eines der wich­tigs­ten Werk­zeuge in unse­rer tägli­chen Arbeit mitein­an­der und mit den Kund*innen. Sie bedingt unsere Haltung. „Wofür“ orien­tiert sich am Ziel­zu­stand, behält das gewünschte Ergeb­nis im Blick und beinhal­tet außer­dem die schönste Präpo­si­tion der Sinn­haf­tig­keit, nämlich „für“. Lingu­is­tisch betrach­tet beschreibt „für“ das Förder­li­che einer Sache („Ich mache es für meine Fami­lie“), bezeich­net ein Ziel („Ich spare für die nächste Reise“) und auch Zuge­hö­rig­keit („Ein Job für alle, die Krea­ti­vi­tät leben wollen“).

Toll. Nicht nur für die Gram­ma­tik-Nerds unter uns ist die Frage nach dem Wofür berei­chernd. Sie ist wich­tig in der Kommu­ni­ka­tion mit und über die Mitarbeiter*innen und Arbeits­ab­läufe und macht Prozesse erklär­bar, da sie weni­ger anfäl­lig ist für Recht­fer­ti­gungs­schlau­fen. Beispiel: Auf die Frage, warum ein bestimm­tes Trai­ning sinn­voll ist, ist die Antwort „Weil es vorher über­haupt nicht lief“ möglich.  Ein Umän­dern des Warums in ein Wofür hebelt eine solche, wenig moti­vie­rende Erklä­rung aus und schafft Raum für Refle­xion und Ziel­ori­en­tie­rung. Also zum Beispiel „Weil wir uns wünschen, mit Hilfe von Retros einen besse­ren Über­blick über das Erreichte zu bekom­men und so unser weite­res Vorge­hen sinn­vol­ler gestal­ten wollen.“

Im Übri­gen ist auch der nega­ti­vierte Effekt von Warum und Wofür sehr inter­es­sant. „Warum nicht?“ kann einer­seits einen gekränk­ten Beigeschmack tragen, vergleich­bar mit Kindern, die keine weitere Folge irgend­ei­ner Serie, die Kinder heut­zu­tage gucken, anschal­ten dürfen. Oder den eines resi­gnier­ten Schul­ter­zu­ckens à la „Warum nicht, geh‘ ich halt zu dem lang­wei­li­gen Work­shop, scha­den kann’s ja nicht.“

„Wofür nicht“ ändert dage­gen die komplette Haltung. Um sinn­haft, inten­tio­nal, moti­viert und voraus­schau­end zu entschei­den, ist die Frage nach dem Wofür genauso rele­vant wie die nach dem Wofür nicht. Und sie ist ein notwen­di­ger Reali­tätscheck, welche Ziel­zu­stände mit einer Methode erreicht werden können und welche eben nicht.

Diese Kolumne verab­schie­det sich hier­mit bis zur nächs­ten Woche und denkt inten­siv darüber nach, wofür wir bren­nen. Und ist erleich­tert, nicht darüber nach­den­ken zu müssen, warum wir bren­nen, denn das klingt irgend­wie lebens­be­droh­lich. Also ciao, bis nächs­ten Freitag.