Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir verges­sen haben – und was wir ganz bestimmt nicht noch­mal machen. Jeden Frei­tag frisch aus dem Berli­ner Büro.

Knoten­an­ek­do­ten — Die Frei­tags­ko­lumne vom Netz­werk­kno­ten. Grafik: Karl Bredemeyer

Hi. Wie viele systemir­rele­van­ten Hi’s kommt auch dieses hier aus einem Wohn­zim­mer. Ganz cool bei so einer Kolumne ist, dass ihr beim Lesen nicht mitkriegt, ob das erste Wort des Arti­kels mit dem Laptop auf den Knien auf der Couch geschrie­ben wurde oder in unse­rem gelieb­ten Büro im Prenz­lauer Berg oder auf einer bescheu­er­ten Corona-Party. (Klei­ner Tipp: Lest bitte keine Arti­kel, die auf Corona Parties geschrie­ben wurden, weil WTF!)

Nun ist es euch auch sicher egal, an welchem Ort diese Zeilen entste­hen. Ändert sich ja nix beim Lesen. Dasselbe Wohn­zim­mer war erst gestern die Kulisse für unser Meetup How To Talk. Und hui, da ändert sich ganz gewal­tig was. 

Neue Möglich­kei­ten für Schüchterne

Wir vom Netz­werk­kno­ten haben das Jahr 2020 voller Vorfreude mit Meetups begon­nen. Einer der Gründe war, dass wir Gäste in unse­rem Büro lieben und gerne gemein­sam an Metho­den und Impul­sen arbei­ten und sie an euch weiter­ge­ben. Ja, das ist nun schwie­rig. Jetzt sind Tools wie Zoom sowieso Teil unse­rer Arbeit, Corona hin, Corona her, also haben wir das Meetup remote ausgerichtet. 

Darüber, wie subop­ti­mal remote Meetings seien, wie doll der echte Austausch fehlt et cetera haben wir alle in den vergan­ge­nen Wochen genug gehört. Deshalb zur Abwechs­lung mal was Nettes: Eine Rück­mel­dung gestern war, dass sich die Person vermut­lich nicht dazu durch­ge­run­gen hätte, zu einem physi­schen Meetup in unser Büro zu kommen. Die Möglich­keit, sich bei einem virtu­el­len Tref­fen jeder­zeit raus­kli­cken zu können, hat dann für die Sicher­heit gesorgt, es doch zu versu­chen. Rich­tig, die Rück­mel­dung kam aus der Abschluss­runde, der Mensch blieb also bis zum Schluss. Wie schön! 

Wir können die Situa­tion gerade ohne­hin nicht ändern und müssen (wollen sowieso) mit dem arbei­ten, was ist. Gemäß der Frage Was ist das Gute am Problem? können wir jetzt in dieser Situa­tion antwor­ten: Dass Menschen, die eher intro­ver­tiert sind, können nun in einem siche­ren Rahmen Dinge auspro­bie­ren, von denen sie sonst weni­ger profi­tie­ren können.

So nah und doch so fern

Auch für extra­ver­tierte Perso­nen kann es zunächst einmal komisch sein, Fremde im Wohn­zim­mer sitzen zu haben. Ganz ehrlich, ein biss­chen surreal ist das schon. Wir geben etwas von uns preis, was wir sonst erst nach einge­hen­dem Beschnup­pern tun würden. Selbst die Wahl, sich vor eine kahle Wand zu setzen, sagt etwas über uns aus. Zum Beispiel, dass wir über­haupt so eine leere Wand in unse­rer Wohnung haben und nicht alles voll hängt und steht. Auch darüber spra­chen wir gestern mit den Teilnehmer*innen. Und stell­ten gemein­sam fest, dass es eine Form von persön­li­cher Nähe aufbaut, die wir in der gewohn­ten Situa­tion niemals hätten. So nah und doch so fern, sozusagen. 

Was wir euch gerne mitge­ben möch­ten: Traut euch. Lasst Leute rein, gerade in Zeiten von Isola­tion. Nehmt an Work­shops teil, wenn ihr Bock darauf habt, gebt welche, wenn ihr es gerne macht. Es gibt kein Rich­tig oder Falsch, mit einer Ausnah­me­si­tua­tion umzu­ge­hen und wenn ihr Meetups aus tiefs­ter Seele hasst, müsst ihr jetzt auch nicht damit anfan­gen. Wenn ihr aber neugie­rig seid und Bock habt, dann lasst euch nicht von Zoom abschre­cken. Wir selbst als alte Zoomer (ok, das war ein abso­lu­ter Boomer-Witz, sorry not sorry) sind erstaunt, wie viel wir derzeit lernen. Obwohl wir wissen, dass wir aus allen Verän­de­run­gen lernen.

Unser Meetup zum wirk­sa­men Spre­chen findet übri­gens am 28. Mai wieder statt. Wenn ihr das vergan­gene verpasst habt oder jetzt doch noch Lust bekom­men habt: Bis dann. Wir freuen uns.