Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

"Morgens kann man mich vergessen", sagte die eine Kollegin mal. Ein anderer Kollege wird oft ab 16 Uhr unruhig. Manche Menschen kriegen morgens richtig produktiv alles erledigt, hängen nachmittags durch und fahren dann abends nochmal richtig hoch und pulvern eine Idee nach der nächsten raus. Und natürlich sind diese Rhythmen nicht nur von Mensch zu Mensch unterschiedlich, sondern oft auch bestimmten Phasen unterworfen. Was können wir mit solchen Ansagen nun anfangen?

Zuallererst sind sie wichtige Informationen, wenn wir sensibel und sinnvoll miteinander arbeiten wollen. Ist eine Anfrage dringend, hat die Kollegin morgens eben Pech – und die Person, die die Anfrage an sie stellt, leider auch. Trotzdem handelt es sich dabei immer nur um Tendenzen. Die allermeisten von uns können – und müssen – ohnehin auch außerhalb ihrer Lieblingszeiten liefern. Mit diesem Hintergrundwissen haben wir dann die Möglichkeit, gemeinsame Zeiten zu finden für verschiedene Anliegen. Wir können uns entsprechende aufteilen oder auch kreative Aufgaben von solchen lösen, die eher statisch sind.

Unser Organismus beeinflusst Zeit und Ressourcen

Vielleicht kommt nun bei dem einen oder der anderen der innere Einwand auf, dass solche Abstimmungen ganz schön kompliziert seien. Klar, es erfordert ein wenig Bedenken und Rücksichtnahme und ist sicherlich nicht immer möglich. Gleichzeitig spart es Zeit und Ressourcen, wenn wir dann arbeiten können, wenn unser Organismus auf unserer Seite ist.

Die klassische Beschäftigungswelt, in der wir uns seit Jahrzehnten befinden, sieht solche individuellen Präferenzen nicht vor. Die gegebenen Strukturen zu hinterfragen scheint vielen von uns undenkbar. Und natürlich geht es hier nicht darum, Kolleg*innen dazu zu zwingen, abends um 22 Uhr zu einem Meeting zusammenzusitzen. Das gleiche morgens um 9 Uhr zu tun, scheint aber völlig legitim. Ist es auch – nur vielleicht eben nicht in jeder Situation die sinnvollste Variante.

Entsprechend unserer Bedürfnisse und Rhythmen arbeiten zu können, hilft uns grundsätzlich dabei, ein Gefühl von Sinnhaftigkeit in unserem Tun und Anerkennung unserer Person zu erleben. Und dafür lohnt sich doch vielleicht der Versuch, den oder die Kollegen*in einfach mal zu fragen, zu welcher Zeit er oder sie eigentlich am kreativsten ist.