27. März 2020

Knotenanekdoten – Reden ist Silber, Schweigen ist bold

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Corona, Remote, Remote, Corona. Ist jetzt tatsächlich alles schon gesagt, nur nicht von jedem oder wurde im Grunde noch gar nichts gesagt? 

Keine Ahnung. Schweigen ist selten die Lösung für irgendetwas, zumindest nicht, wenn Dinge sich positiv verändern sollen. Reden hilft leider, und wir als Coaches geben das ungern zu, auch nicht immer. 

Was also tun in Zeiten wie diesen, in einer Situation, die uns kollektiv unbekannt ist? In der wir niemanden fragen können? Außer ein paar Schildkröten gibt es wahrscheinlich kaum atmende Wesen, die bei der letzten großen Pandemie auch schon am Start waren. Nun sind Schildkröten kein Referenzpunkt, da sie generell recht schweigsame Zeitgenossen sind, mit Pandemie oder ohne. 

Jokes beiseite, wie lässt sich mit der Situation umgehen, die gerade erst begonnen hat, ohne Distanzierungsmechanismen wie eben Humor oder wenig hilfreiche Strategien wie Verzweiflung oder die guten alten Apokalypse-Fantasien? 

Wieder: Keine Ahnung. Wird sich zeigen. Zu behaupten, Katastrophen passierten, damit wir alle mal was dazu lernen, relativiert das Leid, das sie für viele Menschen bedeuten. Gleichzeitig bleibt uns nichts anderes übrig, als irgendetwas daraus zu lernen. Vielleicht ist es gerade zu früh, um zu wissen, was. Dass remote technisch funktioniert wussten wir vorher übrigens auch. 

Also probieren wir, in dieser Zeit mehr als ohnehin schon, darauf zu achten, Beobachtung und Interpretation zu trennen. Mit dem Wissen, dass jede Interpretation immer – immer – von Vorerfahrung geprägt ist. Und wir haben wenig Erfahrung mit dieser Situation. Das zuzugeben fällt grundsätzlich schwer. 

Zuzugeben, dass eine Situation überfordernd ist, dass man gerade nicht wie sonst weiß, was zu tun ist, ist eine zeitlose Königsdisziplin der transparenten und effektiven Kommunikation. Etwas, das wir viel zu selten tun. Und jetzt haben wir Zeit zum Üben.

Viel mehr gibt es nicht zu sagen außer: Bleibt gesund.

20. März 2020

Knotenanekdoten – Atmen nicht vergessen

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben - und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Was für eine Woche. Quasi über Nacht hat sich so viel Fundamentales in unserer Arbeit, unserem Alltag geändert. Selbst die von uns, die schon länger bestimmte Ideen oder Prognosen parat hatten, konnten nicht wissen, wie es sich anfühlen wird. Eine Woche liegt hinter uns, in der wir teilweise mehr über uns gelernt haben, als wir verarbeiten können.

Unsere Organisation arbeitet mit Systemischem Agile Coaching. Da war uns vorher auch schon klar, jetzt haben wir dann am eigenen Körper gemerkt, was das für unser Sein und Handeln bedeutet. Unser vom Agilen Denken geprägtes Mindset hat sofort angefangen, individuell und situativ bedingte Lösungen und die Wege dahin zusammenzutragen. Wie auch sonst in unserem Joballtag haben wir ein Problem festgestellt und unsere Erfahrungen und Vorstellungskraft nach möglichen Strategien abgesucht.
Gleichzeitig sind wir genauso Systemische Coaches und Fans der systemischen Zurückhaltung. Also beobachten wir viel, hinterfragen die Zielzustände und ihre Bedingungen und brauchen dafür die Kompetenz, die schwer fällt in Zeiten von Krisen: Geduld. Und Mut. Denn gerade in unsicheren Situationen fühlt sich ein Perspektivwechsel, der ja immer ein Blick ins Unbekannte bedeutet, zunächst immer an wie ein Sprung vom Zehnmeterbrett.

In der gemeinsamen Wertearbeit und unseren Reflektionen zur gemeinsamen Entscheidungsfindung haben wir festgestellt, dass wir als selbstorganisiertes Team lieber beherzte Entscheidungen treffen und diese hinterher reflektieren als zu lange nicht zu handeln.

Jetzt, mit COVID-19, der Isolation und Ungewissheit, spüren wir deutlicher denn je die verschiedenen Herzen in unserer Brust. Wir sind geübt darin, schnell zu handeln und doch auf sorgfältige Beobachtung und besonnenes Hinterfragen bedacht. Das kann manchmal ganz schön unruhig machen.
Sonst, wenn’s mal ungemütlich wird, sagen wir ja auch immer, dass man arbeiten muss mit dem, was da ist. Und dass das oft schon eine ganze Menge ist. Also versuchen wir derzeit, wie gewohnt ressourcenorientiert vorzugehen und die Organisationen, die wir begleiten bei ebendem zu unterstützen. Auch wenn die Situation neu ist, die Haltung bleibt die gleiche: Wir glauben an transparente Kommunikation, weitestgehend persönlichen Austausch, realistische Liefereinschätzungen, ein händelbares Backlog, Selbstverantwortung, Verbindlichkeit und vor allem Sinnhaftigkeit. Weil wir glauben, dass es einen Sinn hat. Vielleicht nicht unbedingt in dem Sinne, dass jeder Katastrophe einen positiven Zweck haben muss, aber dennoch darin, dass es hilfreiche und auch lehrreiche Handlungen in jeder Situation geben kann. Und wir wollen uns vor allem auch alle gegenseitig unterstützen, beim Einkaufen und beim Arbeiten, damit wir uns darauf freuen können, bald wieder im Büro Meetings halten so können, miteinander lachen, feiern, streiten und uns umarmen zu dürfen. Und bis dahin: Hände waschen, Skypen, Atmen nicht vergessen.

13. März 2020

Knotenanekdoten – Wie agile Teams auch im Homeoffice funktionieren

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben - und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Die aktuellen Entwicklungen von COVID-19 bewegen immer mehr Organisationen dazu, ihre Mitarbeiter*innen ins Homeoffice zu schicken. Letzte Woche haben wir dazu geschrieben, dass nach teils jahrelangen Diskussionen quasi über Nacht technische Lizenzen eingerichtet wurden und über die potenziellen Konsequenzen für die Arbeitswelt.

Heute widmen wir uns der Frage: Wie geht das eigentlich? Wie können gerade agile Teams, deren Arbeit sich stark auf persönlichen Austausch stützt, auf einmal per Videokonferenz zufriedenstellend und zielorientiert zusammenarbeiten? Unsere Kollegin schlägt vor: "Keep the interpersonal Austausch alive". Aus unserer aktuellen Arbeit mit verschiedenen Organisationen sind wir mit der Thematik bereits bestens vertraut. Konkret bedeutet das, wir arbeiten bereits remote mit unseren Teams an Dailys, Retros und Reviews.

Also haben wir uns entschieden, unsere Beobachtungen und Learnings, wie agile Strukturen und Sprintstrukturen aufrechterhalten werden können, zusammenzutragen. Kontaktieren Sie uns gerne, wenn Sie Unterstützung brauchen, sei es in Form eines Workshops oder direkter Moderation bei den Meetings.

Wir wissen, dass die schnelle Umstellung zunächst etwas überfordernd wirken kann. Gleichzeitig zeigt unsere Erfahrung, dass ein paar kleine Know-hows schon enorm weiterhelfen können. Zum Beispiel ändert sich das Ergebnis unmittelbar, wenn auf kleine Dinge Aufmerksamkeit gelegt wird. So hilft es etwa ganz banal, die Kamera einzuschalten, statt nur über Telefon miteinander zu sprechen. Die Gesichter der Kolleg*innen zu sehen schafft gerade in unvorhergesehenen und demzufolge bedrohlich wirkenden Zeiten Sicherheit – Stichwort Psychological Safety.

Wir freuen uns von Ihnen zu hören und stellen hier auf unserem Blog in den nächsten Wochen unsere Methoden und Hilfestellungen zur Verfügung. Ganz ohne Händeschütteln.

6. März 2020

Knotenanekdoten – Corona remote

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben - und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Ja, wirklich. Ein Corona-inspirierter Artikel. Wir vom Netzwerkknoten wollen uns nicht in die Riege zahlloser Expert*innen einreihen, sondern unsere Beobachtungen teilen, wie Unternehmen mit möglichen Krisensituationen umgehen.

Wir wissen von Organisationen, die über Nacht Homeoffice für ihre Mitarbeitenden eingerichtet haben, für den Fall, dass es nötig ist. Auch zu Zeiten von New Work ist remote Arbeiten immer noch ein viel diskutierter Bereich. Die Frage, ob auf den Wunsch vieler Arbeitnehmer*innen nach mehr Flexibilität eingegangen wird oder nicht. Wie die nun mit der plötzlichen technischen Möglichkeit und der damit einhergehenden, genauso plötzlichen Freiheit umgehen, wird eine interessante Beobachtung sein.

Die Situation eröffnet auch die Frage, wie Firmen dann hinterher damit umgehen – werden im Nachhinein Lizenzen dann wieder entzogen oder folgt ein Umstrukturieren der Prozesse? Generell lohnt es sich, Organisationen im Krisenmanagement zu beobachten. Das gibt Aufschluss über die Möglichkeiten, Prioritäten und logistischen Wege.
Vor allem zeigt sich in Krisensituationen, in denen unter Druck entschieden werden muss, welche Maßnahmen durch Dringlichkeit erreicht werden können und welche schlicht nicht möglich sind. Eine unserer Kolleginnen konnte zum Beispiel etwas beobachten, was sie den "ABBA-Effekt" nennt. Der Begriff geht auf die Tatsache zurück, dass die beiden verheirateten Paare innerhalb der Band stets geschlechtergetrennt durch die Welt flogen. Der Hintergedanke war, dass im Falle eines Flugzeugabsturzes die Kinder noch ein Elternteil behalten.

Die konkrete Situation aus dem Arbeitsalltag war nun eine Organisation, die sich im Zuge des Krisenmanagements dazu entschied, die verschiedenen Abteilungen räumlich zu mischen. Heißt: Während vorher gesamte Abteilungen in einem Gebäude arbeiteten und andere in einem zweiten, werden die Teams nun durchmischt. Sollte ein Gebäude nun betroffen sein, können die Arbeitsabläufe dennoch von den Teammitgliedern im anderen Gebäude weitergetragen werden. Quasi über Nacht entstanden so etwas wie crossfunktionale Gebäude, wenn auch natürlich keine crossfunktionalen Teams.

Räumliche Flexibilität und auch das Arbeiten in teilautonomen Einheiten sind alles Thematiken, die in der Debatte um New Work eine Rolle spielen. Wir vom Netzwerkknoten wollen gar keine Prognosen anstellen, sondern dazu einladen, die Entwicklungen in Organisationen gerade in Krisensituationen zu beobachten. Denn sie können aufschlussreiche Lösungsoptionen aufzeigen, die auch in Situationen greifen, die zunächst weniger dramatisch scheinen und deren Dringlichkeit sich nicht aus einer physischen Bedrohlichkeit generiert. Das gilt selbstverständlich für jegliche Situationen, die außerhalb von SARS-CoV-2 unter den Begriff Krisenmanagement fallen, da jede Krise ein schwereres Problem darstellt, dessen Lösung einen Perspektivwechsel erfordert.

28. Februar 2020

Knotenanekdoten – Wenn Werte weh tun

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Seit einigen Wochen beschäftigen wir uns beim Netzwerkknoten intensiv mit dem Thema Werte. Wir glauben, dass die eigenen Werte und die der anderen zu kennen, ein wichtiger Grundstein für wertschätzende Kommunikation und Perspektivwechsel sind. Heißt, sie sind elementar für das Selbst- und das gegenseitige Verständnis in der Organisation. In der gemeinsamen Wertearbeit haben wir herausgefunden, dass unserem Team einige Werte ganz besonders wichtig sind.

Sinnhaftigkeit, Vertrauen, Aufrichtigkeit und Aufgeschlossenheit. Das sind jetzt zunächst einfach Wörter. Buchstabenkombinationen, die wir in Klänge und Vorstellungen übersetzen können. Die wir verstehen, weil wir die jeweilige Sprache beherrschen, über kognitive Repräsentationen und einen geteilten Bedeutungskontext verfügen. Mit dem Sprechen über Werte (oder jegliche andere zunächst nicht fassbaren Konzepte) manifestieren diese sich erst in der Realität.

Gleichzeitig bleibt hier das Problem, dass Worte keine Taten sind, sondern sie maximal zu Taten werden können. Diese Schwelle vom Wort zur Tat ist gerade in der Wertearbeit oft herausfordernd. Anstrengend. Unkomfortabel. Gleichzeitig befreiend und wahnsinnig sinnstiftend. Und niemals ohne Konsequenzen. Über unsere Sprache unterteilen wir die Werte in einzelne, abgrenzbare Begriffe. In der Realität sind sie alle miteinander verhakt, bedingen sich und bringen sich gegenseitig hervor – und manchmal stehen sie auch im Konflikt zueinander.

Wir brauchen Mut, um etwas zu verändern

Bleiben wir bei unserer Aufzählung von Sinnhaftigkeit, Vertrauen, Aufrichtigkeit und Aufgeschlossenheit. Vertrauen basiert auf Aufrichtigkeit, gleichzeitig kann sich Aufrichtigkeit unkomfortabel anfühlen. Um Sinnhaftigkeit in der Zusammenarbeit beizubehalten, ist es manchmal nötig, sich in die Augen zu schauen und zu sagen, was gerade einfach nicht läuft. Keine so angehnehme Aufgabe. In diesem Zwischenraum, dem Konflikt zwischen mehreren Werten, wächst ein neuer: Der Scrum Wert Mut.

Wir brauchen Mut, um unsere Ansichten zu teilen. Genauso brauchen wir Mut (und Aufgeschlossenheit), sie zu hören. Wir brauchen Mut (und Vertrauen), um uns auf eine gemeinsame Basis zu verlassen, auch wenn’s gerade so richtig wackelt. Ein Kollege etwa, der offen einen Konflikt im Kundensystem anspricht, der sehr unangenehm ist und gegebenenfalls zur Eskalation führen kann. Oder auch der Mut, den Status Quo zu hinterfragen, auch wenn es unangenehm ist als Agile Coach und für das System.

An dem Beispiel wird deutlich, dass Wertearbeit kein emotionales Scrabble ist, wo einfach irgendwelche passenden Worte aneinandergelegt werden, sondern eine ständige Entwicklung, die physisch und zwischenmenschlich erlebbar wird. Ohne beobachtbare, hörbare, erfahrbare Umsetzung hat sie keinen Sinn.Die Arbeit lohnt sich unserer Erfahrung nach. Ob für die Arbeit als Coaches, im Team, als Trainer*innen oder einfach so im Leben: Für ressourcenorientiertes Arbeiten und Perspektivenwechsel ist das Kennen der Werte so wichtig, weil schon die Reflexion zu ihnen eine Haltung formt. Und die Haltung bedingt die Perspektive auf die Welt.

Wir können also versprechen, dass Wertearbeit etwas verändert. Immer. Veränderungen machen manchmal Angst und deshalb brauchen wir auch hier wieder unseren Wert der Woche: Mut. Und wissen Sie was? Es lohnt sich.

Wenn Sie Interesse daran haben zu erfahren, wie sich das hier Beschriebene in der Praxis gestaltet und umsetzen lässt, laden wir sie herzlich zu unserem Meetup "Werte-Workshop" am 26. März 2020 in unseren Büroräumen im Prenzlauer Berg ein.

21. Februar 2020

Knotenanekdoten – Einfach mehr denken

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

„Was wir so nicht nochmal machen würden“ ist ein Teil unserer Knotenanekdoten. Was uns vor Kurzem unterkam: Die gute alte Idee, viele von uns könnten unter Deadline-Druck gut arbeiten. (Das ist übrigens eine der Ideen mit Haltbarkeitsdatum – ab dem 25. Lebensjahr absolut ungenießbar.)

Viele Menschen sind durch die verschiedenen Stationen des Lernens – also Schule, Ausbildung oder Studium und Projektarbeit – an einen bestimmten Ablauf gewohnt. Grob skizziert sieht der so aus: Große (Be-)Denkzeit, langes Schweigen, ran an die Arbeit, Feedback, Nicken, fertig. Nächstes Projekt.

Wir wurden vor Kurzem daran erinnert, dass das nicht unbedingt der optimale Weg ist. Ein Blogartikel war geschrieben, bebildert, bereit für die Feedbackschlaufe. Zeit gab’s nicht so richtig. Dafür Impulse, die das Thema vertieft haben und zu einer Umstrukturierung einluden. Und da war sie schon, die Deadline. War stressig und nicht optimal und erfüllte doch die Kriterien eines weiteren Bestandteils dieser Kolumne:

„Was wir gelernt haben“

  • Feedback ist kein Haken, den wir artig am Ende einer Aufgabe abfeiern. Stattdessen verflüssigt Feedback potenziell immer Prozesse. Heißt:
  • Zeit zum Denken sollten wir uns nicht nur in der Brainstorming-Phase gönnen. Sondern als festen Bestandteil im gesamten Verlauf eines Prozesses mit einplanen.
  • Feedback ist ergebnisoffen.Manchmal erhält es den Status Quo und manchmal rüttelt es alles um. Eine mögliche Repriorisierung kann immer stattfinden.

Im agilen Arbeitskontext kann das heißen, dass nach dem Review sich für den kommenden Sprint sich tatsächlich etwas ändert. Mal eine Story, mal "der ganze Plan". Und so haben wir an der Erfahrung wieder aufs Neue verstanden, dass inkrementelles Arbeiten bedeutet, dass Ideen immer wieder verfeinert und angereichert werden, mehrere Blicke und Perspektiven sie bereichern und dass die verschiedenen Schlaufen von Zeit leben. Und zwar sowohl bei sichtbaren Tätigkeiten aka jemand sitzt am Laptop und tippt oder am Tablet und visualisiert. Und eben auch die Zeit, in der ein Gegenüber nichts passieren sieht außer vielleicht in den Augen. Die Momente also, in dem das Feedback nachwirkt, unbewusst oder bewusst verarbeitet und eingeordnet wird.

Für viele von uns fühlt sich dieses augenscheinliche Nichtstun oft konterintuitiv an. Und das alleine ist schon ein Grund, es mal auszuprobieren. Komfortzone, Perspektivwechsel und so.

7. Februar 2020

Knotenanekdoten – Generation Why Not: Wofür machen wir das überhaupt?

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Das wird kein New Work Post über die nicht mehr so neue Generation Y, die, je nach Verfasser*in besonders anspruchsvoll, besonders intelligent, besonders anstrengend sei. Auch wenn wir fast alle genau dieser Generation der ab 1980 bis in die Mitte der Neunziger Geborenen angehören. Wir glauben nicht an absolute Wahrheiten. Wir lieben Hinterfragen. Wir lieben den Simon Sineks Titel „Start With Why.“ Und, ach was, wir lieben agiles Arbeiten, sinnvolle Prozesse und bewusste Entscheidungen. Einer unserer Lieblingswerte im Unternehmen ist Sinnhaftigkeit. Da liegt nahe, dass wir gerne mal fragen „Warum?“.

Stimmt nicht ganz. Viel lieber als „warum?“ fragen wir „wofür?“. Vielleicht haben es schon die einen oder anderen bemerkt: Wir denken gerne über Sprache nach, schließlich ist sie eines der wichtigsten Werkzeuge in unserer täglichen Arbeit miteinander und mit den Kund*innen. Sie bedingt unsere Haltung. „Wofür“ orientiert sich am Zielzustand, behält das gewünschte Ergebnis im Blick und beinhaltet außerdem die schönste Präposition der Sinnhaftigkeit, nämlich „für“. Linguistisch betrachtet beschreibt „für“ das Förderliche einer Sache („Ich mache es für meine Familie“), bezeichnet ein Ziel („Ich spare für die nächste Reise“) und auch Zugehörigkeit („Ein Job für alle, die Kreativität leben wollen“).

Toll. Nicht nur für die Grammatik-Nerds unter uns ist die Frage nach dem Wofür bereichernd. Sie ist wichtig in der Kommunikation mit und über die Mitarbeiter*innen und Arbeitsabläufe und macht Prozesse erklärbar, da sie weniger anfällig ist für Rechtfertigungsschlaufen. Beispiel: Auf die Frage, warum ein bestimmtes Training sinnvoll ist, ist die Antwort „Weil es vorher überhaupt nicht lief“ möglich.  Ein Umändern des Warums in ein Wofür hebelt eine solche, wenig motivierende Erklärung aus und schafft Raum für Reflexion und Zielorientierung. Also zum Beispiel „Weil wir uns wünschen, mit Hilfe von Retros einen besseren Überblick über das Erreichte zu bekommen und so unser weiteres Vorgehen sinnvoller gestalten wollen.“

Im Übrigen ist auch der negativierte Effekt von Warum und Wofür sehr interessant. „Warum nicht?“ kann einerseits einen gekränkten Beigeschmack tragen, vergleichbar mit Kindern, die keine weitere Folge irgendeiner Serie, die Kinder heutzutage gucken, anschalten dürfen. Oder den eines resignierten Schulterzuckens à la „Warum nicht, geh‘ ich halt zu dem langweiligen Workshop, schaden kann’s ja nicht.“

„Wofür nicht“ ändert dagegen die komplette Haltung. Um sinnhaft, intentional, motiviert und vorausschauend zu entscheiden, ist die Frage nach dem Wofür genauso relevant wie die nach dem Wofür nicht. Und sie ist ein notwendiger Realitätscheck, welche Zielzustände mit einer Methode erreicht werden können und welche eben nicht.

Diese Kolumne verabschiedet sich hiermit bis zur nächsten Woche und denkt intensiv darüber nach, wofür wir brennen. Und ist erleichtert, nicht darüber nachdenken zu müssen, warum wir brennen, denn das klingt irgendwie lebensbedrohlich. Also ciao, bis nächsten Freitag.

31. Januar 2020

Knotenanekdoten – Agile, Baby!

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Agile, Baby. Seid ihr jetzt auch agile? Wie wird man agile? Ist das schwer? Unsere Kollegin Katharina hat den Satz geprägt, man müsste nicht erst agile werden, sondern wir alle würden bereits agile geboren und würden diese Haltung unter den gegebenen Umständen nur verlernen.

Das hat sie sich nicht ausgedacht, damit wir unsere ganzen Agile-Baby-Jokes machen können, sondern auf der Basis der Daten der sogenannten Marshmallow Challenge. Heißt: 30 Personen, aufgeteilt in sechs Teams bekommen jeweils 20 Spaghetti, ein Stück Schnur, ein paar Streifen Klebeband und ein Marshmallow. Sie haben 18 Minuten Zeit, einen stabilen Turm zu bauen und das Marshmallow oben drauf zu legen – eine beliebte Methode, Rapid Prototyping zu vermitteln. Auffallend ist das Ergebnis, dass Kindergartenkinder dabei überdurchschnittlich gut abschneiden, Studierende von Business Schools unterdurchschnittlich.

Und warum? Kleine Kinder machen einfach. Sie fangen sofort an zu bauen, diskutieren weniger und wenn’s zusammenstürzt, fangen sie wieder von vorne an bis es hält. Und: Kinder sind gewohnt zu spielen. Für sie ist fast alles neu, sie adaptieren sich permanent an ihr Umfeld und das ohne Frage. Irgendwann im Verlauf des Erwachsenwerden entsteht dann erst die Idee von „Nö, ich mach lieber immer das Gleiche.“

Immer das Gleiche zu machen hat wenig damit zu tun, dass das so toll ist, sondern damit, dass es sich oftmals sicherer anfühlt. Zum Spielen und Lernen brauchen wir, genau wie kleine Kinder, vor allem eins: Sicherheit. Ist die nicht gegeben, funktioniert es schlechter, unabhängig vom Alter. Das bedeutet, dass Agile einen vertrauensvollen Rahmen voraussetzt, ein Umfeld, in dem Bedürfnisse erfüllt sind und ein Team, das auch Vertrauen schenkt. Jap, hohe Ansprüche. Genau deshalb funktioniert diese Art zu arbeiten auch so gut: Wenn die oben genannten Faktoren erfüllt sind, haben wir einfach mehr Spaß an dem, was wir tun. Agile arbeiten ist nun mal eine sehr menschliche und menschenzentrierte Herangehensweise.

Wir haben irgendwann gelernt, dass es entweder Spaß gibt oder Geld. Nicht beides gleichzeitig. Von dem Geld können wir dann Spaß kaufen. Was dazu geführt hat, dass ein großer Teil der arbeitenden Bevölkerung leidet, um maximal ein Drittel der Lebenszeit Spaß zu haben, sich sicher zu fühlen, Freude zu empfinden. Darunter leiden nicht nur die Personen selbst, sondern auch das Ergebnis. Ressourcen können besser aufgedeckt und genutzt werden, wenn Menschen dazu befähigt sind, sich voll einzubringen. Wenn sie spielen dürfen, kreativ sein dürfen, all ihre Sinne nutzen können.

Agile arbeiten zu wollen setzt also Verantwortungsbewusstsein voraus, die Bereitschaft, sichere Rahmen und Verbindungen zu schaffen und den Raum für Kreativität. Wenn das gegeben ist – und niemand hat behauptet, dass das kindergarteneinfach ist – klappt Agile gut und ist nicht kompliziert, sondern lediglich komplex. Menschlich eben.

20. Dezember 2019

Knotenanekdoten – Schön war’s!

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

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13. Dezember 2019

Knotenanekdoten – Hast Du’n Problem?

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6. Dezember 2019

Knotenanekdoten – Wie frei ist das Ziel

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

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29. November 2019

Knotenanekdoten – Verschätzt

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

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15. November 2019

Knotenanekdoten: Große Liebe auf Distanz

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

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8. November 2019

Knotenanekdoten – Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

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1. November 2019

Knotenanekdoten– Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Grafik: Karl Bredemeyer

„Hallo, hier ist der Netzwerkknoten. Ja, also wie das Netz, das Werk und der Knoten. Was? Ja also Nordpol, Erna, Theodor…“ und so weiter. Wir buchstabieren uns, ver- und entknoten uns, wir arbeiten zusammen, sind mittlerweile zu acht und sehen uns gar nicht so häufig, wie wir gerne würden. Wie den Lieferanten am Telefon müssen und wollen wir uns also auch gegenseitig immer wieder neu vorstellen.

Warum eigentlich? Weil wir glauben, dass wir so am besten bei unseren Kunden liefern können. Weil wir wissen, dass wir uns wohlfühlen müssen, um miteinander und mit den Kunden so arbeiten zu können, wie wir das gerne möchten. Ehrlich, freudvoll, ernsthaft und respektvoll. Also sitzen wir einmal im Monat freitags einen ganzen Tag lang im Kreis, besprechen alles, was wichtig ist und schauen uns immer wieder in die Augen und fragen uns: „Wer bist du eigentlich? Und wer bin ich?“

Um ein System in den kontinuierlichen Kennenlernprozess zu bekommen, der unsere Arbeit ausmacht, haben wir uns für einen story-telling Workshop entschieden. Klar, wir als Berater*innen quatschen eh, was das Zeug hält. Aber quatschen will und muss gelernt sein. Also haben wir von einem Filmemacher gelernt, wie eine Geschichte, die wir erzählen, fast automatisch immer bestimmten Mustern folgt. Und wir haben erfahren, worauf wir achten müssen, um sie noch besser, heißt interessanter zu machen. Wir haben erlebt, dass unser Netzwerkknoten, der gerade mal ein Jahr alt geworden ist, in der Erzählwelt tatsächlich in die Fußstapfen von Frodo und Bilbo von Herr der Ringe hineintapsen darf. Daraus kann sogar ein Modell werden, das den Transformationsprozess der Organisationen beschreibt, die wir bei ihrer Veränderungsreise begleiten dürfen.

Wir vom Netzwerkknoten haben vorher schon gerne erzählt. Nun haben wir dazugelernt, wie das Wissen aus einem ganz anderen Bereich, nämlich der Filmwelt, unserer Arbeit und auch unserer persönlichen Liebe zum Erzählen so richtig guttun kann. Wir freuen uns, es mit Ihnen zu teilen – in Ihrer Organisation, auf unserem Blog und beim nächsten Mittagessen. Und – ganz wichtig: Es hat uns noch neugieriger auf Ihre Geschichten gemacht. Denn zuhören lieben wir eigentlich noch mehr als erzählen. Also schreiben Sie uns doch was oder erzählen Sie uns von Ihren Wünschen, Herausforderungen und Erfolgen.

© Netzwerkknoten Unternehmensberatung GmbH 2020