27. Mai 2020

Was die Unternehmensorganisation und die Finanzplanung mit einem Flugzeug gemein haben!

Grafik: Karl Bredemeyer

Auch ohne der große Redner zu sein nutze ich in meiner täglichen Arbeit mit Kollegen und Kunden sehr häufig Metaphern, um mich auszudrücken - etwa, wenn ich versuche zu erklären, warum agile Projekte häufig länger dauern als klassische.

Nicht nur im Alltag, sondern auch im Beruf, lassen sich viele Metaphern finden. Sehr häufig aus dem Bereich Sport oder dem Tierreich. Ebenso häufig beziehen sich diese auf Personen oder Teams, aber nur sehr selten auf die Kernprozesse eines Unternehmens oder das Unternehmen als Ganzes. Daher möchte ich euch zwei Metaphern, die ich als äußerst hilfreich erachte, näherbringen, angelehnt an die Arbeit „Bilder der Organisation“ von Gareth Morgan (1997). Zuerst – die Metapher in a nutshell:

Das sprachliche Stilmittel – Die Metapher

Das Wort „Metapher“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „bildhaft Umschreiben“ oder „bildlicher Ausdruck“. Aus sprachlicher Perspektive werden Metaphern als Stilmittel eingesetzt, dabei wird das eigentliche Wort (oder die Wortgruppe) durch ein „Bild“ einer anderen Begriffsgruppe ersetzt. Wie zum Beispiel:

  • Den Ball flach halten
  • Warteschlange
  • Adleraugen
  • Das riecht hier ja wie im Pumakäfig

Durch diese „Sprachbilder“ wird die Kommunikation aktiviert und belebt. Diese bildhaft-metaphorische Arbeitstechnik führt bei passender Wahl zu einer Reduktion der Komplexität und der Möglichkeit, Zusammenhänge aus einem Neuen bis verschlossenen Blickwinkel zu betrachten. Metaphern rufen bei uns Bilder in den Kopf, die es leichter machen, sich etwas zu merken oder sich mit etwas zu identifizieren, nicht nur auf der kognitiven- also rationalen-, sondern auch auf der emotionalen Ebene.

Die Unternehmensorganisation und das Flugzeug

Ein paar meiner Kollegen vom Netzwerkknoten und ich haben vor Kurzem an einem Workshop der Flight Levels Academy teilgenommen. Es geht in diesem Beitrag nicht im Detail um das Gedanken-Modell der Flight Levels. Es geht um die Metapher des Flugzeugs, die Klaus Leopold von der Flight Levels Academy exzellent verwendet, um einen konstruktiven Dialog über Team- und Business Agilität zu führen. Kurz zusammengefasst besagt das Modell folgendes:

Level 1 – Je niedriger ein Flugzeug fliegt, desto näher ist es zur Erdoberfläche und es lässt sich das tägliche treiben der Menschen gut erkennen (Sprich, das Arbeiten in operationellen Teams).

Level 2 – Je höher das Flugzeug fliegt, auf desto mehr Flugzeuge wird es treffen und muss sich mit diesen über Flugrouten und der Gleichen abstimmen (Sprich, die Koordination zwischen mehreren Teams, Services oder Produkten, um einen Kundenwert zu generieren).

Level 3 – Je mehr Flugzeuge unterwegs sind, desto höher ist das Risiko einer Kollision und daher stimmen sich nicht alle Flugzeuge einzeln unter einander ab, sondern arbeiten mit der Flugüberwachung zusammen (Sprich, lassen sich unsere strategischen Ansätze in aktuelle Produkte und Entwicklungen umsetzen und wie ist der aktuelle Stand).

Mit Hilfe dieser Metapher macht Klaus Leopold sein Model greifbarer: er bringt durch die Metapher des Fliegens ein Bild ins Bewusstsein, das durch seine Verallgemeinerung hilft, eine Gruppe schneller zu einem einheitlichen Verständnis zu bringen. 

„Je höher man fliegt, desto mehr Überblick hat man, man sieht aber auch weniger Details. Je niedriger man fliegt, desto mehr Details sieht man, aber man überblickt nicht mehr die gesamte Landschaft.“

Klaus Leopold, Leanability

Der Finanzplan und das Flugzeug

Ebenso verwendet Julius Bachmann von Volate die Metapher des Fliegens. Gleichzeitig setzt er diese in einem ganz anderen Kontext ein. Er nutzt sie, um zu erklären, wie speziell Early-Stage-Startups in extremen Zeiten durch die Metapher des Fliegens einen besseren Blickwinkel auf ihre Finanzen erhalten können. Statt mit dem Finanzplan einen Ausblick darüber zu geben, wie sich das Unternehmen erwartungsgemäß entwickeln wird, empfiehlt Julius Bachmann mit seiner Herangehensweise, dass die Wunschentwicklung des Unternehmens abgebildet wird. Er kombiniert seine Metapher daher mit einem anderen wertvollen Werkzeug, nämlich der Methode des “Backcasting“, aber seht selbst:

Beim Fliegen weiß der Pilot immer, welcher Flughafen der nächste für eine theoretische Notfalllandung ist. Bei Kurz- und Mittelstreckenflügen gibt es hier häufig zahlreiche Möglichkeiten zwischen Start- und Zielflughafen. Bei Langstreckenflügen wiederum, wie einer Atlantiküberquerung, sieht das anders aus. Daher führt die Flugroute nah an Island vorbei auch wenn es nicht der direkteste Weg ist. Auf dieser Flugroute bestehen eine Handvoll von Möglichkeiten. Falls ein Notfall eintritt, weiß der Pilot welche Flugroute er zum Notfallflughafen wählen muss.

Prozess: Zuerst stellt man sich eine wünschenswerte Zukunft für das eigene Unternehmen vor („Ein Flugzeug hebt nur ab, wenn es auch einen Zielflughafen hat“). Von dieser wird dann rückwärts zum heutigen Zeitpunkt gearbeitet mit dem Ziel, den Geschäftsmodus für das Unternehmen zu finden, in dem es am längsten überleben kann („…die Landebahn für eine Notlandung zu kennen“).

Das vereinfachte Model sieht wie folgt aus: 

Die Geschäftsführung plant somit rückwärts, ausgehend von einer zukünftigen Wunschvorstellung und der aktuellen Liquiditätsplanung, wie sich Planungsmaßnahmen auf den operativen Cash Flow (OCF), den Deckungsbeitrag und die Umsatzplanung auswirken. Ebenso muss der wichtige Übertrag in den Funnel von Leadgenerierung im Bereich Vertrieb und Marketing stattfinden. Eine weiterführende Erklärung des Modells findet ihr hier.

Schritte drei und vier sind hierbei die essentiell wichtigen, da hier die Geschäftsführung aufgefordert ist, sich von den jetzigen gegebenen Rahmenbedingungen und Faktoren zu lösen, und sich das ideale Unternehmensszenario vorzustellen.

Wichtig hierbei ist, dass es bei der Arbeit mit Metaphern auch immer auf die Zuhörer und ihre Blickwinkel auf den Sachverhalt ankommt. Durch die Arbeit mit Metaphern lassen sich Erwartungen abstecken, verschiedene Perspektiven diskutieren oder Gemeinsamkeiten aufdecken. Häufig eröffnen sich neue Denkrichtungen oder es werden Lösungen für schwelende Konflikte gefunden. Daher nutze ich in meiner Arbeit häufig gezielt Metaphern. Könnt ihr etwas mit den zwei unterschiedlichen Metaphern des Flugzeugs anfangen? Welche Metaphern nutzt ihr, um eure Mitmenschen durch eine bildliche Sprache zu erreichen?

*Wer noch mehr über Metaphern lesen möchte, dem rate ich, den Beitrag „Das Team in Tierfiguren, eine Arbeitsform zur Rollen- und Beziehungsreflexion im Team“ von Frank Natho zu lesen.

28. Februar 2020

Knotenanekdoten – Wenn Werte weh tun

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Seit einigen Wochen beschäftigen wir uns beim Netzwerkknoten intensiv mit dem Thema Werte. Wir glauben, dass die eigenen Werte und die der anderen zu kennen, ein wichtiger Grundstein für wertschätzende Kommunikation und Perspektivwechsel sind. Heißt, sie sind elementar für das Selbst- und das gegenseitige Verständnis in der Organisation. In der gemeinsamen Wertearbeit haben wir herausgefunden, dass unserem Team einige Werte ganz besonders wichtig sind.

Sinnhaftigkeit, Vertrauen, Aufrichtigkeit und Aufgeschlossenheit. Das sind jetzt zunächst einfach Wörter. Buchstabenkombinationen, die wir in Klänge und Vorstellungen übersetzen können. Die wir verstehen, weil wir die jeweilige Sprache beherrschen, über kognitive Repräsentationen und einen geteilten Bedeutungskontext verfügen. Mit dem Sprechen über Werte (oder jegliche andere zunächst nicht fassbaren Konzepte) manifestieren diese sich erst in der Realität.

Gleichzeitig bleibt hier das Problem, dass Worte keine Taten sind, sondern sie maximal zu Taten werden können. Diese Schwelle vom Wort zur Tat ist gerade in der Wertearbeit oft herausfordernd. Anstrengend. Unkomfortabel. Gleichzeitig befreiend und wahnsinnig sinnstiftend. Und niemals ohne Konsequenzen. Über unsere Sprache unterteilen wir die Werte in einzelne, abgrenzbare Begriffe. In der Realität sind sie alle miteinander verhakt, bedingen sich und bringen sich gegenseitig hervor – und manchmal stehen sie auch im Konflikt zueinander.

Wir brauchen Mut, um etwas zu verändern

Bleiben wir bei unserer Aufzählung von Sinnhaftigkeit, Vertrauen, Aufrichtigkeit und Aufgeschlossenheit. Vertrauen basiert auf Aufrichtigkeit, gleichzeitig kann sich Aufrichtigkeit unkomfortabel anfühlen. Um Sinnhaftigkeit in der Zusammenarbeit beizubehalten, ist es manchmal nötig, sich in die Augen zu schauen und zu sagen, was gerade einfach nicht läuft. Keine so angehnehme Aufgabe. In diesem Zwischenraum, dem Konflikt zwischen mehreren Werten, wächst ein neuer: Der Scrum Wert Mut.

Wir brauchen Mut, um unsere Ansichten zu teilen. Genauso brauchen wir Mut (und Aufgeschlossenheit), sie zu hören. Wir brauchen Mut (und Vertrauen), um uns auf eine gemeinsame Basis zu verlassen, auch wenn’s gerade so richtig wackelt. Ein Kollege etwa, der offen einen Konflikt im Kundensystem anspricht, der sehr unangenehm ist und gegebenenfalls zur Eskalation führen kann. Oder auch der Mut, den Status Quo zu hinterfragen, auch wenn es unangenehm ist als Agile Coach und für das System.

An dem Beispiel wird deutlich, dass Wertearbeit kein emotionales Scrabble ist, wo einfach irgendwelche passenden Worte aneinandergelegt werden, sondern eine ständige Entwicklung, die physisch und zwischenmenschlich erlebbar wird. Ohne beobachtbare, hörbare, erfahrbare Umsetzung hat sie keinen Sinn.Die Arbeit lohnt sich unserer Erfahrung nach. Ob für die Arbeit als Coaches, im Team, als Trainer*innen oder einfach so im Leben: Für ressourcenorientiertes Arbeiten und Perspektivenwechsel ist das Kennen der Werte so wichtig, weil schon die Reflexion zu ihnen eine Haltung formt. Und die Haltung bedingt die Perspektive auf die Welt.

Wir können also versprechen, dass Wertearbeit etwas verändert. Immer. Veränderungen machen manchmal Angst und deshalb brauchen wir auch hier wieder unseren Wert der Woche: Mut. Und wissen Sie was? Es lohnt sich.

Wenn Sie Interesse daran haben zu erfahren, wie sich das hier Beschriebene in der Praxis gestaltet und umsetzen lässt, laden wir sie herzlich zu unserem Meetup "Werte-Workshop" am 26. März 2020 in unseren Büroräumen im Prenzlauer Berg ein.

© Netzwerkknoten Unternehmensberatung GmbH 2020