Grafik: Karl Bredemeyer

So wie es für viele Deut­sche selbst­ver­ständ­lich ist, ihre Einkäufe mit Bargeld zu bezah­len, so ist es für die meis­ten von uns auch eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, täglich ins Büro zuge­hen und dort den Groß­teil der Woche zu verbrin­gen. Ich frage mich, muss das wirk­lich sein? Ich bin kein Zukunfts­for­scher und treffe daher auch keine fundier­ten Vorher­sa­gen, ob der COVID-19 Erre­ger das Bargeld Zahlungs­ver­hal­ten der Deut­schen verän­dern wird (fingers-cros­sed, I hope it does) oder nicht. Viel­mehr möchte ich diesen Beitrag dazu nutzen, meine persön­li­chen Gedan­ken und Fragen zum „Büro von Morgen“ zu teilen.

Schon in den letz­ten Jahren ist es in vielen Büros gängig gewor­den, die Arbeits­at­mo­sphäre mit Tisch­ten­nis­plat­ten, Tisch­ki­cker oder dem bezahl­ten Abend­essen durch den Chef zu beein­flus­sen. Ein „Arbeits“-Campus mit Fitness­stu­dio, Friseur, Einkaufs­la­den und vielem mehr, ist nicht mehr nur im Sili­kon Valley zu finden. Was können wir daraus lernen und wie können wir das Morgen unse­res Büro­all­tags noch weiter gestalten?

Das Büro ist nicht der einzige Ort an dem gear­bei­tet wird

Die Büro­ge­bäude prägen seit fast 200 Jahren unser Stadt­bild über­all auf der Welt. Doch dieses Bild ändert sich meiner Meinung nach gerade. Der klas­si­sche Büro­schreib­tisch, wie wir ihn bisher kennen, wird vermut­lich in der Zukunft nicht mehr den glei­chen Stel­len­wert haben.

Warum sollte ich auch als Arbeit­neh­mer 30 bis 60 Minu­ten pro Wegstre­cke zum Büro fahren, wenn ich die glei­che Arbeit auch von zu Hause aus erle­di­gen kann? Für den Traum­job muss ich damit nicht mehr zwangs­weise pendeln oder sogar umzie­hen. Wenn wir auch in Zukunft mehr und mehr von zu Hause aus oder von unter­wegs arbei­ten wollen, dann kann ein Unter­neh­men eigent­lich nur noch wett­be­werbs­fä­hig auf dem Arbeits­markt sein, wenn es flexi­ble Arbeits­zeit- und Home-Office-Pakete anbie­ten kann. Mehr und mehr Termine finden komplett remote statt und benö­ti­gen keine Präsenz mehr im physi­schen Büro.

Womög­lich wird sich in manchen Regio­nen der Gegen­trend zum Urba­nen verstär­ken. Das Leben und Arbei­ten auf dem „Land“ wird durch flexi­ble Arbeits­zei­ten und die Möglich­keit zum Home­of­fice wieder an Attrak­ti­vi­tät gewinnen.

Das Büro ohne Schreibtische

Wenn wir nun durch die eben beschrie­bene Verän­de­rung viele der heuti­gen Schreib­ti­sche nicht mehr täglich benö­ti­gen, dann brau­chen wir auch die Gebäude nicht mehr, in denen diese stehen – auf jeden Fall nicht mit dem bishe­ri­gen Zweck, der Dreh- und Angel­punkt für Teams zu sein. Das Büro als erwor­bene Immo­bi­lie oder mit langem Miet­ver­trag wird dadurch jedoch nicht auto­ma­tisch zu einer finan­zi­el­len Belas­tung, viel­mehr bietet sich die Möglich­keit über eine alter­na­tive Nutzung nach­zu­den­ken. Desk-Sharing ist schon seit gerau­mer Zeit eine Lösung dafür. Das Büro in Begeg­nungs- oder Veran­stal­tungs­orte im Arbeits­kon­text umzu­wan­deln, hinge­gen noch nicht. Diese Idee würde Einzel­bü­ros verschwin­den und Groß­raum­bü­ros in weit­läu­fige Kolla­bo­ra­ti­ons­flä­chen umwan­deln lassen.

Durch den gerin­ge­ren tägli­chen Bedarf an Büro­flä­che könn­ten Stand­orte verklei­nert oder sogar zusam­men­ge­legt werden. Es bieten sich dadurch für alle ganz neue Möglich­kei­ten, die frei­wer­den­den Flächen in Top-Innen­stadt­la­gen zu nutzen.

Work-Life-Balance erlebt seinen zwei­ten Frühling

Die letz­ten 10 Jahre hat uns der Begriff „Work-Life-Balance“ durch täglich neue Tipps von Jour­na­lis­ten, New Work Vertre­tern und Verän­de­rern Woche für Woche beglei­tet. Den Arbeit­ge­bern wurde dabei teil­weise vorge­wor­fen, nicht genug für den Zeit­aus­gleich der Arbeit­neh­mer anzubieten.

Die vorge­schla­gene Zusam­men­le­gung von Arbeit und Leben im Home­of­fice würde dazu beitra­gen, dass der Begriff eine neuer­li­che jour­na­lis­ti­sche Renais­sance erle­ben wird. Das Inter­net wird sich womög­lich täglich mit Tipps über früher aufste­hen, um vor dem morgend­li­chen Fami­li­en­stress schon erste Arbei­ten erle­digt zu haben, oder Bewe­gungs­pau­sen nehmen, um den mögli­chen Rücken­schmer­zen vorzu­beu­gen, selbst über­tref­fen. Die ersten Anzei­chen dazu erle­ben wir schon jetzt.

Neben den genann­ten Themen gibt es noch viele weitere inter­es­sante Aspekte zum Thema Zukunfts­ar­beits­platz zu beleuch­ten. Fragen, wie zum Beispiel der Arbeit­ge­ber gesetz­li­che Anfor­de­run­gen aus dem Arbeits­zeit­ge­setz oder aus dem Arbeits­schutz gerecht werden kann, erhal­ten dabei eine ganz neue Relevanz.

Oder alles kommt doch anders und es wird wieder wie früher – früher war ja sowieso alles besser.