20. März 2020

Knotenanekdoten – Atmen nicht vergessen

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben - und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Was für eine Woche. Quasi über Nacht hat sich so viel Fundamentales in unserer Arbeit, unserem Alltag geändert. Selbst die von uns, die schon länger bestimmte Ideen oder Prognosen parat hatten, konnten nicht wissen, wie es sich anfühlen wird. Eine Woche liegt hinter uns, in der wir teilweise mehr über uns gelernt haben, als wir verarbeiten können.

Unsere Organisation arbeitet mit Systemischem Agile Coaching. Da war uns vorher auch schon klar, jetzt haben wir dann am eigenen Körper gemerkt, was das für unser Sein und Handeln bedeutet. Unser vom Agilen Denken geprägtes Mindset hat sofort angefangen, individuell und situativ bedingte Lösungen und die Wege dahin zusammenzutragen. Wie auch sonst in unserem Joballtag haben wir ein Problem festgestellt und unsere Erfahrungen und Vorstellungskraft nach möglichen Strategien abgesucht.
Gleichzeitig sind wir genauso Systemische Coaches und Fans der systemischen Zurückhaltung. Also beobachten wir viel, hinterfragen die Zielzustände und ihre Bedingungen und brauchen dafür die Kompetenz, die schwer fällt in Zeiten von Krisen: Geduld. Und Mut. Denn gerade in unsicheren Situationen fühlt sich ein Perspektivwechsel, der ja immer ein Blick ins Unbekannte bedeutet, zunächst immer an wie ein Sprung vom Zehnmeterbrett.

In der gemeinsamen Wertearbeit und unseren Reflektionen zur gemeinsamen Entscheidungsfindung haben wir festgestellt, dass wir als selbstorganisiertes Team lieber beherzte Entscheidungen treffen und diese hinterher reflektieren als zu lange nicht zu handeln.

Jetzt, mit COVID-19, der Isolation und Ungewissheit, spüren wir deutlicher denn je die verschiedenen Herzen in unserer Brust. Wir sind geübt darin, schnell zu handeln und doch auf sorgfältige Beobachtung und besonnenes Hinterfragen bedacht. Das kann manchmal ganz schön unruhig machen.
Sonst, wenn’s mal ungemütlich wird, sagen wir ja auch immer, dass man arbeiten muss mit dem, was da ist. Und dass das oft schon eine ganze Menge ist. Also versuchen wir derzeit, wie gewohnt ressourcenorientiert vorzugehen und die Organisationen, die wir begleiten bei ebendem zu unterstützen. Auch wenn die Situation neu ist, die Haltung bleibt die gleiche: Wir glauben an transparente Kommunikation, weitestgehend persönlichen Austausch, realistische Liefereinschätzungen, ein händelbares Backlog, Selbstverantwortung, Verbindlichkeit und vor allem Sinnhaftigkeit. Weil wir glauben, dass es einen Sinn hat. Vielleicht nicht unbedingt in dem Sinne, dass jeder Katastrophe einen positiven Zweck haben muss, aber dennoch darin, dass es hilfreiche und auch lehrreiche Handlungen in jeder Situation geben kann. Und wir wollen uns vor allem auch alle gegenseitig unterstützen, beim Einkaufen und beim Arbeiten, damit wir uns darauf freuen können, bald wieder im Büro Meetings halten so können, miteinander lachen, feiern, streiten und uns umarmen zu dürfen. Und bis dahin: Hände waschen, Skypen, Atmen nicht vergessen.

28. Februar 2020

Knotenanekdoten – Wenn Werte weh tun

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Seit einigen Wochen beschäftigen wir uns beim Netzwerkknoten intensiv mit dem Thema Werte. Wir glauben, dass die eigenen Werte und die der anderen zu kennen, ein wichtiger Grundstein für wertschätzende Kommunikation und Perspektivwechsel sind. Heißt, sie sind elementar für das Selbst- und das gegenseitige Verständnis in der Organisation. In der gemeinsamen Wertearbeit haben wir herausgefunden, dass unserem Team einige Werte ganz besonders wichtig sind.

Sinnhaftigkeit, Vertrauen, Aufrichtigkeit und Aufgeschlossenheit. Das sind jetzt zunächst einfach Wörter. Buchstabenkombinationen, die wir in Klänge und Vorstellungen übersetzen können. Die wir verstehen, weil wir die jeweilige Sprache beherrschen, über kognitive Repräsentationen und einen geteilten Bedeutungskontext verfügen. Mit dem Sprechen über Werte (oder jegliche andere zunächst nicht fassbaren Konzepte) manifestieren diese sich erst in der Realität.

Gleichzeitig bleibt hier das Problem, dass Worte keine Taten sind, sondern sie maximal zu Taten werden können. Diese Schwelle vom Wort zur Tat ist gerade in der Wertearbeit oft herausfordernd. Anstrengend. Unkomfortabel. Gleichzeitig befreiend und wahnsinnig sinnstiftend. Und niemals ohne Konsequenzen. Über unsere Sprache unterteilen wir die Werte in einzelne, abgrenzbare Begriffe. In der Realität sind sie alle miteinander verhakt, bedingen sich und bringen sich gegenseitig hervor – und manchmal stehen sie auch im Konflikt zueinander.

Wir brauchen Mut, um etwas zu verändern

Bleiben wir bei unserer Aufzählung von Sinnhaftigkeit, Vertrauen, Aufrichtigkeit und Aufgeschlossenheit. Vertrauen basiert auf Aufrichtigkeit, gleichzeitig kann sich Aufrichtigkeit unkomfortabel anfühlen. Um Sinnhaftigkeit in der Zusammenarbeit beizubehalten, ist es manchmal nötig, sich in die Augen zu schauen und zu sagen, was gerade einfach nicht läuft. Keine so angehnehme Aufgabe. In diesem Zwischenraum, dem Konflikt zwischen mehreren Werten, wächst ein neuer: Der Scrum Wert Mut.

Wir brauchen Mut, um unsere Ansichten zu teilen. Genauso brauchen wir Mut (und Aufgeschlossenheit), sie zu hören. Wir brauchen Mut (und Vertrauen), um uns auf eine gemeinsame Basis zu verlassen, auch wenn’s gerade so richtig wackelt. Ein Kollege etwa, der offen einen Konflikt im Kundensystem anspricht, der sehr unangenehm ist und gegebenenfalls zur Eskalation führen kann. Oder auch der Mut, den Status Quo zu hinterfragen, auch wenn es unangenehm ist als Agile Coach und für das System.

An dem Beispiel wird deutlich, dass Wertearbeit kein emotionales Scrabble ist, wo einfach irgendwelche passenden Worte aneinandergelegt werden, sondern eine ständige Entwicklung, die physisch und zwischenmenschlich erlebbar wird. Ohne beobachtbare, hörbare, erfahrbare Umsetzung hat sie keinen Sinn.Die Arbeit lohnt sich unserer Erfahrung nach. Ob für die Arbeit als Coaches, im Team, als Trainer*innen oder einfach so im Leben: Für ressourcenorientiertes Arbeiten und Perspektivenwechsel ist das Kennen der Werte so wichtig, weil schon die Reflexion zu ihnen eine Haltung formt. Und die Haltung bedingt die Perspektive auf die Welt.

Wir können also versprechen, dass Wertearbeit etwas verändert. Immer. Veränderungen machen manchmal Angst und deshalb brauchen wir auch hier wieder unseren Wert der Woche: Mut. Und wissen Sie was? Es lohnt sich.

Wenn Sie Interesse daran haben zu erfahren, wie sich das hier Beschriebene in der Praxis gestaltet und umsetzen lässt, laden wir sie herzlich zu unserem Meetup "Werte-Workshop" am 26. März 2020 in unseren Büroräumen im Prenzlauer Berg ein.

26. Februar 2020

Mehr Wert e

Werte geben Orientierung, Grafik: Karl Bredemeyer

Werte leiten unser Handeln. Sich ihrer bewusst zu werden, ist der erste Schritt, um unsere Motivatoren und damit auch uns selbst besser kennen zu lernen. Auf dieser Basis können wir uns auf die Suche machen, wie wir unsere Werte stärker in unser Leben bringen und auch bei der Arbeit kommunizieren und integrieren können.

Doing agile vs. Being agile

Wer sich mit agilem Arbeiten auseinandersetzt, dem wird bewusst, dass es dabei nicht nur um die Einführung neuer Tools geht. Am eindringlichsten wird das wohl durch die Rollen Scrum Master oder Agile Coach deutlich: Plötzlich gibt es eine Person, deren Job es unter anderem ist, darauf zu achten, ob die Werte gelebt werden und den Austausch darüber anregt.

Hört man von den agilen Werten wie „Respekt, Mut und Offenheit“, klingt das für manche nach leeren Worthülsen oder „Nobrainern“. Einige Werte halten wir für selbstverständlich, da sie in unserem Umfeld normiert wurden. Die entscheidenden Fragen sind dann: Wie definieren wir sie? An welchem Verhalten können wir sie bei uns und anderen erkennen? Dazu mehr am Ende des Artikels.

Wo Werte herkommen

Stellt man sich einen Eisberg vor, so lägen Worte – die Erklärung der uns wichtigen Werte ebenso wie ein unbedachter Kommentar- und unsere Handlungen im oberen sichtbaren Bereich.

Werte steckten unter der Wasseroberfläche. Sie sind wie unsere Glaubens- und Denkmuster individuell und unbewusst geprägt durch unsere Familie, Freunde und die Bildungseinrichtungen, die wir besucht haben. Auch die Kultur des Landes, in dem wir aufgewachsen und sozialisiert wurden, prägt uns. Unsere Denkhaltung, also unser „Mindset“ ist demnach teilweise ähnlich, teilweise unterschiedlich ausgeprägt.

„Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. …“

Diese Worte sind rund 2000 Jahre alt und stammen aus dem Talmud. Daraus wird klar: Unser Denken, geprägt von unseren Werten, steuert auch unser Verhalten, also das, was nach außen hin wahrnehmbar wird.

Das heißt, es gibt einen Zusammenhang zwischen dem was wir denken was gut für uns ist und was wir daraus machen. Unsere Normvorstellung motiviert unsere Handlungen.

Daraus kann ich schließen, dass, wenn ich meine Denkweise verändere, sich auch mein Tun ändert. Und umgekehrt kann ich durch Verhalten mein Denken neu prägen. Damit ist das sogenannte Mindset nicht statisch, sondern wandelbar.

In unseren Lebensphasen, besonders nach einschneidenden Erlebnissen, können sich Werte verändern. Wenn mein Umfeld meine Werte widerspiegelt, sind meine Bedürfnisse erfüllt und meine Grundwerte stehen an oberster Stelle. Ist meine aktuelle Lebenssituation wenig an meinen Werten orientiert, können auch Werte, die sonst eine untergeordnete Rolle spielen, plötzlich an obere Stelle treten. Beispielsweise ist Autonomie/ Freiheit für mich vielleicht kein relevanter Wert bis zu dem Zeitpunkt, zu dem ich eng mit einer autoritären Führungskraft zusammenarbeite und mich kontrolliert fühle. Daher sind Werte auch ein Spiegel unserer Bedürfnisse.

Warum Werte im Arbeitskontext wichtig sind und ihre Bedeutung zunimmt

Je mehr Übereinstimmung es zwischen meinen persönlichen Werten und denen in meinem Umfeld gibt, desto reibungsloser wird die Zusammenarbeit ablaufen. Das heißt nicht nur weniger Konflikte und schnellere Zusammenarbeit, sondern auch mehr Zufriedenheit und Chancen auch langfristig miteinander zu arbeiten.

Egal ob ich in einem cross-funktionalen Team arbeite oder mein Unternehmen sich auf die Reise in Richtung mehr Selbstorganisation begibt: Benannte Werte geben mir Orientierung für das tägliche Tun und Entscheidungen. Auch wenn Werte unterschiedlich verstanden und gelebt werden, bilden sie eine Basis für ein grundlegendes Verständnis und Identifikation.

Die Bedeutung von Werten im Unternehmenskontext hat zugenommen: Die sogenannte „Generation Y“ – wie der Name schon impliziert- wünscht sich, dass nicht nur das Individuum, sondern auch ein Unternehmen sich die Frage stellt, warum es existiert und welchen Sinn es für seine Mitarbeitenden und die Gesellschaft stiftet.

Die Arbeit mit Werten - Wie kann das aussehen?

In der Wertereflexion geht es darum seine eigenen Werte zu ergründen und für Dritte verständlich zu machen. Auch wenn Wertearbeit im 1:1 Coaching und auch im privaten Kontext bisher seinen Hauptanwendungsbereich fand, wird es im Arbeitskontext zunehmend in Teams und Organisationen genutzt.

Auf persönlicher Ebene kann der Fokus darauf liegen, meine Bedürfnisse und (De-)Motivatoren zu ergründen und mit wertebasierte Verhaltensänderungen zu definieren. Im Einzelcoaching kann dies auf Basis von Reflexionsfragen intensiv erarbeitet werden. Damit kann ich mir selbst Orientierung geben was für mich “gute Arbeit” bedeutet und Erkenntnisse ableiten wie ich dazu beitragen kann ein erfülltes Arbeitsleben zu führen. Quasi ein ganz persönlicher Wegweiser mit Zielbeschreibung. Auch im Bewerbungsgespräch können abgewandelte Formen von Wertearbeit Einsatz finden.

Auf Teamebene ist Wertearbeit ein wirksames Tool, um das Verständnis füreinander zu fördern. Die Frage „Was ist uns in der Zusammenarbeit wichtig?“ bietet Raum für Kommunikation und ermöglicht, dass Formen der Zusammenarbeit untereinander verhandelt werden. Besonders in der Teambuildingphase hilft es zu verstehen, welche Gemeinsamkeiten die Gruppe verbinden und Identifikation stiften. Unterschiedliche Werte zeigen die Perspektivenvielfalt im Team. Ein Dialog darüber kann frühzeitig mögliche Konfliktfelder sicht- und handhabbar machen. Wir empfehlen für diesen Kontext die Arbeit mit vorbereiteten Wertekarten, die es z.B. von purpose cards gibt. Wir haben für unsere Arbeit mittlerweile unser eigenes Kartenset entwickelt. In der laufenden Teamarbeit bieten sich z.B. in Retrospektiven Moving Motivators an, um zu verdeutlichen, wie es um die Erfüllung meiner aktuellen Bedürfnisse und Werte steht und können somit eine Basis für Verhandlungen im Team sein.

Für Unternehmen kann die Erarbeitung von gemeinsamen Werten z.B. auf einer Klausurtagung eine spannende Erfahrung sein, um zu entdecken, welche Perspektiven die Mitarbeitenden in die Firma einbringen und in die Gestaltung des Unternehmens einfließen lassen. Im Gegensatz zu vordefinierten Werten aus der Marketing- oder Strategieabteilung besteht hierbei eine größere Chance, dass sich aus so entwickelten Unternehmenswerten eine höhere Identifikation der Mitarbeitenden mit ihrer Organisation ergibt.

Wenn Sie Interesse daran haben zu erfahren, wie sich das hier Beschriebene in der Praxis gestaltet und umsetzen lässt, laden wir sie herzlich zu unserem Meetup "Werte-Workshop" am 26. März 2020 in unseren Büroräumen im Prenzlauer Berg ein.

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