27. März 2020

Knotenanekdoten – Reden ist Silber, Schweigen ist bold

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben – und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Corona, Remote, Remote, Corona. Ist jetzt tatsächlich alles schon gesagt, nur nicht von jedem oder wurde im Grunde noch gar nichts gesagt? 

Keine Ahnung. Schweigen ist selten die Lösung für irgendetwas, zumindest nicht, wenn Dinge sich positiv verändern sollen. Reden hilft leider, und wir als Coaches geben das ungern zu, auch nicht immer. 

Was also tun in Zeiten wie diesen, in einer Situation, die uns kollektiv unbekannt ist? In der wir niemanden fragen können? Außer ein paar Schildkröten gibt es wahrscheinlich kaum atmende Wesen, die bei der letzten großen Pandemie auch schon am Start waren. Nun sind Schildkröten kein Referenzpunkt, da sie generell recht schweigsame Zeitgenossen sind, mit Pandemie oder ohne. 

Jokes beiseite, wie lässt sich mit der Situation umgehen, die gerade erst begonnen hat, ohne Distanzierungsmechanismen wie eben Humor oder wenig hilfreiche Strategien wie Verzweiflung oder die guten alten Apokalypse-Fantasien? 

Wieder: Keine Ahnung. Wird sich zeigen. Zu behaupten, Katastrophen passierten, damit wir alle mal was dazu lernen, relativiert das Leid, das sie für viele Menschen bedeuten. Gleichzeitig bleibt uns nichts anderes übrig, als irgendetwas daraus zu lernen. Vielleicht ist es gerade zu früh, um zu wissen, was. Dass remote technisch funktioniert wussten wir vorher übrigens auch. 

Also probieren wir, in dieser Zeit mehr als ohnehin schon, darauf zu achten, Beobachtung und Interpretation zu trennen. Mit dem Wissen, dass jede Interpretation immer – immer – von Vorerfahrung geprägt ist. Und wir haben wenig Erfahrung mit dieser Situation. Das zuzugeben fällt grundsätzlich schwer. 

Zuzugeben, dass eine Situation überfordernd ist, dass man gerade nicht wie sonst weiß, was zu tun ist, ist eine zeitlose Königsdisziplin der transparenten und effektiven Kommunikation. Etwas, das wir viel zu selten tun. Und jetzt haben wir Zeit zum Üben.

Viel mehr gibt es nicht zu sagen außer: Bleibt gesund.

26. März 2020

Wir möchten helfen, mit dem was wir am Besten können.

Auch wenn wir mit Blick auf Dauer und Intensität dieser ganzen Situation mit der gleichen Unsicherheit ausgestattet sind wie wohl der Großteil kleiner und mittelständischer Betriebe geht es uns mit Blick auf unsere Gesundheit immer noch gut. Das Wegbrechen sicher geglaubter Aufträge bringt auch uns in eine Situation, in der wir mehr Zeit haben, als uns gerade lieb ist. Diese Zeit möchten wir sinnvoll füllen.

Wir möchten unsere Erfahrungen und Fähigkeiten im Coaching, der Prozessberatung und Moderation anbieten, um Mitarbeiter sozialer und systemrelevanter Einrichtungen (Krankenhäuser, Kitas, Allgemeinärzte), die von der Krise vor allem mental und körperlich besonders betroffen sind irgendwie zu unterstützen. Zu diesem ausdrücklich kostenlosen Angebot gehören:

  • Mediation
  • Einzelcoaching
  • Teamcoaching
  • Moderation von Check Ins, Check Outs
  • oder einfach ein Offenes Ohr via Skype, WhatsApp oder Mail. Kurzum, alles was im Rahmen der Arbeit von zuhause möglich ist.

Wenn ihr jemanden kennt, der sich in diesem Angebot wiederfindet, so gebt gerne unsere Email weiter: kontakt@netzwerkknoten.com Wenn ihr selbst Interesse habt, zu unterstützen, so könnt ihr uns ebenfalls unter der angegebenen Adresse kontaktieren.

25. März 2020

Agilität in der Krise: Wie sich 80 Millionen Virologen von sinnvollem Handeln überzeugen lassen

Grafik: Karl Bredemeyer

Die momentane Situation ist für uns alle neu. Kein Politiker, Bürger, Wissenschaftler oder sonstige Experte kennt den zu hundert Prozent richtigen Weg und das Gute ist: Das behauptet auch niemand. Stattdessen gehen die Verantwortlichen recht besonnen, auf Zahlen gestützt und transparent mit der Situation um.

Natürlich passieren im Umgang mit solch komplexen Situationen auch Fehler beziehungsweise Fehleinschätzungen, die dann aber auch öffentlich eingeräumt und revidiert werden. Hier am Beispiel der flächendeckenden Schulschließungen im Interview mit Virologe Christian Drosten zu sehen. In der ersten Folge wird dazu geraten, nur punktuell in Regionen mit hohen Infektionszahlen, die Schulen zu schließen. In Folge 12 erwähnt er dann eine Studie, auf Grund derer Drosten flächendeckende Schulschließungen neu bewertet hat.

Noch Anfang letzter Woche war ich selbst nicht in der Lage, die Situation in vollem Umfang zu erfassen. So wie wir zu Zeiten einer Weltmeisterschaft etwa 80 Millionen Fußballtrainer in unseren Reihen haben, so schien es mir, in diesen Zeiten von 80 Millionen Virologen umgeben zu sein, die alle nach ihrer ganz persönlichen Wahrnehmung handeln.

Seit einigen Tagen fällt allerdings auf, dass immer mehr Menschen die Warnungen ernst nehmen und zum eigenen Wohl sowie zum Wohle aller zu Hause bleiben. Das hat auch mit dem Vorgehen der Entscheidungsträger zu tun.

Die Dinge, die Agilität für mich aus- und sinnvoll machen, sind Transparenz in der Kommunikation und der Entscheidungsfindung von Handlungen, Überprüfung der Handlungen und Anpassung dieser an den Stellen, an denen es Sinn ergibt. Wir gehen also in kurzen Iterationen vor, treffen auf zahlengestützte Entscheidungen, kommunizieren transparent und lassen uns durch Kompetenz leiten. Die gleiche Herangehensweise ist im Umgang mit der aktuellen Krise zu beobachten.

Wer sollte in Entscheidungen einbezogen werden?

Lead by Competence: Es ist beruhigend zu sehen, wie die Wissenschaft in unserem Land aktuell scheinbar die Führung übernommen hat. Virologen*innen, Epidemiologen*innen und Wirtschaftswissenschaftler*innen sind omnipräsent, kommunizieren sachlich und informativ direkt zur Bevölkerung und werden von der Politik aktiv an der Entscheidungsfindung zum Umgang mit dieser Krise einbezogen.

Wie lässt sich am besten auf komplexe, noch nie dagewesene Situationen reagieren?

Iteratives Vorgehen: Es war zu beobachten, dass die Verantwortlichen in gefühlten 1-Tages-Sprints die Situation immer wieder neu evaluiert und ihr Handeln dementsprechend angepasst haben. Schließungen von Kindergärten und Geschäften, Absagen von kulturellen Veranstaltungen sowie Ausgangseinschränkungen sind absolut einschneidend und mit gravierenden Konsequenzen verbunden. Diese Entscheidungen zu treffen erfordert viel Fingerspitzengefühl und eine genaue Bewertung der Sachlage, die sich fast täglich verändern kann.

Wie lässt sich feststellen, ob wir auf dem richtigen Weg sind?

Empirie: Diese Evaluation findet auf Grundlage neuer Zahlen, zum Beispiel Anzahl an bestätigten Fällen, Toten, Genesenen oder verfügbaren Krankenhauskapazitäten statt. Die Aussagekraft dieser Zahlen ist im europäischen Vergleich hoch, da wir in Deutschland besonders viel testen und sehr früh damit angefangen haben. Hierdurch erhalten wir einen sehr guten Überblick über die Gesamtsituation und sind in der Lage dementsprechend sinnvolle Entscheidungen bezüglich weiterer Maßnahmen zu treffen.

Wie lässt sich Verständnis und Vertrauen für und in das Handeln der verantwortlichen Personen erhöhen?

Transparenz: Diese so akribisch gesammelten Zahlen sind stets öffentlich und werden zusätzlich immer mit dem Hinweis versehen, dass sie ein Blick in die Vergangenheit darstellen und dass die Dunkelziffer wesentlich höher vermutet wird. In den Daily Stand-Ups, hier in Form von täglichen, öffentlichen Updates der Behörden, hat jede*r Bürger*in die Möglichkeit sich zu informieren und auf den neusten Stand gebracht zu werden. Institutionen wie das Robert-Koch-Institut oder der sehr bekannte Podcast von Christian Drosten (mittlerweile auch eine Institution) sind hier nur als zwei aus einer Vielzahl von Möglichkeiten zu nennen.

Auf Grund des bisherigen Vorgehens bin ich zuversichtlich, dass wir verantwortlich im Sinne der Gesellschaft handeln und das momentan Richtige tun. So lange, bis uns entweder die Zahlen oder ein anderes Ereignis (zum Beispiel Impfstoff oder neue Behandlungsmethoden) eine andere Richtung vorgeben. Ich würde es begrüßen, wenn wir uns einige der beschriebenen Verhaltensweisen auch für die Zeit nach Corona erhalten und für uns nutzen. Ich denke hier auch an die demonstrierte Schnelligkeit und Handlungsfähigkeit der Politik. Es wäre doch wunderbar, wenn wir zum Beispiel in Sachen Umweltschutz in Zukunft ähnlich schnell, faktenbasiert, unter Einbeziehung der führenden Wissenschaftler und wenn nötig auch ähnlich einschneidend reagieren würden.

Ich werde weiterhin versuchen diese besondere Zeit ganz bewusst und aufmerksam zu erleben, um zu beobachten, welche unfreiwillig auferlegten Verhaltensweisen sogar etwas Gutes mit sich bringen.

Euch alles Gute, bleibt gesund und wenn möglich, kümmert euch umeinander.

23. März 2020

Wie klassische Organisationsstrukturen den “Corona Gap”​ wieder schließen können.

Grafik: Karl Bredemeyer

In Krisen lassen sich zwei Phänomene zeitgleich beobachten: sowohl Menschen als auch Organisationen fallen beinahe automatisch 1. in alte Verhaltensweisen zurück und werden gleichzeitig 2. auf einmal handlungsfähig, vorausgesetzt sie sind nicht in Schockstarre verfallen. Den biologischen Prozess dieser Phänomene möchte ich an dieser Stelle nicht aufarbeiten. Wohl aber einen Blick darauf werfen, wie sich diese beiden Zustände so verbinden lassen, dass sie auch in ruhigeren Zeiten zum Erfolg führen können.

In der Nachrichten der letzten Tage konnten wir einiges davon beobachten: Ein cross-funktionales Minister-Team hat sich mit Angela Merkel - sie ist sozusagen Product Owner und das Produkt ist eine halbwegs stabile Bundesrepublik am Ende des ganzen Schlamassels - trotz aller Differenzen auf gemeinsame Maßnahmen zur Eindämmung des Virus geeinigt.

Der Sprint dauert 2 Wochen, danach gibt es eine Retro zur Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen und der nächste Sprint wird geplant.

Selbst unumstößlich geltende Glaubenssätze werden auf einmal innerhalb von Tagen über Bord geworfen.

Ist der Druck groß genug und das Ziel eindeutig, sind sonst langwierige Prozesse, wie die Abstimmung über notwendige Gesetze und Maßnahmen, plötzlich in Windeseile durchlaufen. Selbst unumstößlich geltende Glaubenssätze, wie die schwarze Null, werden auf einmal innerhalb von Tagen über Bord geworfen.

Diese Phänomene tauchen in großen wie in kleinen Organisationen, politischen und anderen Systemen auf. Häufig versucht man, ihnen mit Krisenstäben und Task Forces zu begegnen.

Klar wird auch, dass sich selbst organisierende Systeme ohne Führung aufgeschmissen sind, da in ihnen nur lokal optimiert wird

Klar wird auch, das sich selbst organisierende Systeme ohne Führung aufgeschmissen sind, da in ihnen nur lokal optimiert wird. Wenn jeder danach schaut, selbst den größten Vorrat an Toilettenpapier und Spaghetti im Haus zu haben, ist das gesamte System unterversorgt und wird nicht überleben. Die Herausforderung ist also einmal mehr, eine Antwort auf die Frage zu bekommen: welche Elemente von Führung sind unerlässlich und sorgen gleichzeitig dafür, dass sie eben nicht, wie in klassischen Organisationen häufig der Fall, zum Engpass werden und dadurch zu Verlangsamung und Wirkungslosigkeit führen?

Weitere Fragen, die sich Systeme stellen können, um aus dieser Krise auch strukturell zu profitieren, könnten lauten: Angenommen, die Corona Pandemie hat uns als Menschen und als Organisation unsere besten Eigenschaften noch einmal deutlich vor Augen geführt: Welche sind das und was können wir tun, um diese Elemente auch in ruhiges Fahrwasser zu retten? Was hätten wir (weiterhin) tun müssen, um die Krise auf gar keinen Fall als funktionierende Organisation zu überstehen? Welche Rolle hat Führung in dieser Zeit gespielt?

Die Folgen der Pandemie werden sich nicht wegagilisieren lassen. Ob agil oder nicht, der Großteil aller Unternehmen wird mit den Auswirkungen umgehen müssen. Fest steht, dass agile Unternehmen im Sinne der Anpassungsfähigkeit an solche Ausnahmeereignisse etwas besser aufgestellt sind. Gleichzeitig haben etablierte Unternehmen mit klassischen Strukturen und Prozessen eine ganze Reihe von Erfahrungen und Ressourcen, die ihnen bereits in der Vergangenheit dabei geholfen haben, schlechte Zeiten zu überwinden. Ihre Aufgabe wird es nun sein, diese Ressourcen zu aktivieren. Zukünftige Krisen lassen sich dann mit der Kombination aus Erfahrung und Anpassungsfähigkeit noch schneller bewältigen.

Es ist ein systeminhärentes Muster, diese Ressourcen nur dann zu aktivieren, wenn wir bedroht werden. Dieses Muster gilt es zu unterbrechen und neue Muster zu etablieren.

13. März 2020

Knotenanekdoten – Wie agile Teams auch im Homeoffice funktionieren

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben - und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Die aktuellen Entwicklungen von COVID-19 bewegen immer mehr Organisationen dazu, ihre Mitarbeiter*innen ins Homeoffice zu schicken. Letzte Woche haben wir dazu geschrieben, dass nach teils jahrelangen Diskussionen quasi über Nacht technische Lizenzen eingerichtet wurden und über die potenziellen Konsequenzen für die Arbeitswelt.

Heute widmen wir uns der Frage: Wie geht das eigentlich? Wie können gerade agile Teams, deren Arbeit sich stark auf persönlichen Austausch stützt, auf einmal per Videokonferenz zufriedenstellend und zielorientiert zusammenarbeiten? Unsere Kollegin schlägt vor: "Keep the interpersonal Austausch alive". Aus unserer aktuellen Arbeit mit verschiedenen Organisationen sind wir mit der Thematik bereits bestens vertraut. Konkret bedeutet das, wir arbeiten bereits remote mit unseren Teams an Dailys, Retros und Reviews.

Also haben wir uns entschieden, unsere Beobachtungen und Learnings, wie agile Strukturen und Sprintstrukturen aufrechterhalten werden können, zusammenzutragen. Kontaktieren Sie uns gerne, wenn Sie Unterstützung brauchen, sei es in Form eines Workshops oder direkter Moderation bei den Meetings.

Wir wissen, dass die schnelle Umstellung zunächst etwas überfordernd wirken kann. Gleichzeitig zeigt unsere Erfahrung, dass ein paar kleine Know-hows schon enorm weiterhelfen können. Zum Beispiel ändert sich das Ergebnis unmittelbar, wenn auf kleine Dinge Aufmerksamkeit gelegt wird. So hilft es etwa ganz banal, die Kamera einzuschalten, statt nur über Telefon miteinander zu sprechen. Die Gesichter der Kolleg*innen zu sehen schafft gerade in unvorhergesehenen und demzufolge bedrohlich wirkenden Zeiten Sicherheit – Stichwort Psychological Safety.

Wir freuen uns von Ihnen zu hören und stellen hier auf unserem Blog in den nächsten Wochen unsere Methoden und Hilfestellungen zur Verfügung. Ganz ohne Händeschütteln.

6. März 2020

Knotenanekdoten – Corona remote

Was wir gelernt, worüber wir gelacht und was wir vergessen haben - und was wir ganz bestimmt nicht nochmal machen. Jeden Freitag frisch aus dem Berliner Büro.

Knotenanekdoten - Die Freitagskolumne vom Netzwerkknoten. Grafik: Karl Bredemeyer

Ja, wirklich. Ein Corona-inspirierter Artikel. Wir vom Netzwerkknoten wollen uns nicht in die Riege zahlloser Expert*innen einreihen, sondern unsere Beobachtungen teilen, wie Unternehmen mit möglichen Krisensituationen umgehen.

Wir wissen von Organisationen, die über Nacht Homeoffice für ihre Mitarbeitenden eingerichtet haben, für den Fall, dass es nötig ist. Auch zu Zeiten von New Work ist remote Arbeiten immer noch ein viel diskutierter Bereich. Die Frage, ob auf den Wunsch vieler Arbeitnehmer*innen nach mehr Flexibilität eingegangen wird oder nicht. Wie die nun mit der plötzlichen technischen Möglichkeit und der damit einhergehenden, genauso plötzlichen Freiheit umgehen, wird eine interessante Beobachtung sein.

Die Situation eröffnet auch die Frage, wie Firmen dann hinterher damit umgehen – werden im Nachhinein Lizenzen dann wieder entzogen oder folgt ein Umstrukturieren der Prozesse? Generell lohnt es sich, Organisationen im Krisenmanagement zu beobachten. Das gibt Aufschluss über die Möglichkeiten, Prioritäten und logistischen Wege.
Vor allem zeigt sich in Krisensituationen, in denen unter Druck entschieden werden muss, welche Maßnahmen durch Dringlichkeit erreicht werden können und welche schlicht nicht möglich sind. Eine unserer Kolleginnen konnte zum Beispiel etwas beobachten, was sie den "ABBA-Effekt" nennt. Der Begriff geht auf die Tatsache zurück, dass die beiden verheirateten Paare innerhalb der Band stets geschlechtergetrennt durch die Welt flogen. Der Hintergedanke war, dass im Falle eines Flugzeugabsturzes die Kinder noch ein Elternteil behalten.

Die konkrete Situation aus dem Arbeitsalltag war nun eine Organisation, die sich im Zuge des Krisenmanagements dazu entschied, die verschiedenen Abteilungen räumlich zu mischen. Heißt: Während vorher gesamte Abteilungen in einem Gebäude arbeiteten und andere in einem zweiten, werden die Teams nun durchmischt. Sollte ein Gebäude nun betroffen sein, können die Arbeitsabläufe dennoch von den Teammitgliedern im anderen Gebäude weitergetragen werden. Quasi über Nacht entstanden so etwas wie crossfunktionale Gebäude, wenn auch natürlich keine crossfunktionalen Teams.

Räumliche Flexibilität und auch das Arbeiten in teilautonomen Einheiten sind alles Thematiken, die in der Debatte um New Work eine Rolle spielen. Wir vom Netzwerkknoten wollen gar keine Prognosen anstellen, sondern dazu einladen, die Entwicklungen in Organisationen gerade in Krisensituationen zu beobachten. Denn sie können aufschlussreiche Lösungsoptionen aufzeigen, die auch in Situationen greifen, die zunächst weniger dramatisch scheinen und deren Dringlichkeit sich nicht aus einer physischen Bedrohlichkeit generiert. Das gilt selbstverständlich für jegliche Situationen, die außerhalb von SARS-CoV-2 unter den Begriff Krisenmanagement fallen, da jede Krise ein schwereres Problem darstellt, dessen Lösung einen Perspektivwechsel erfordert.

© Netzwerkknoten Unternehmensberatung GmbH 2020